10th Scientific Meeting of the European Society of Infectiology, Wien, 29.6.-1.7.2003
Ende Juni trafen sich Infektiologen aus der ganzen Welt zu einem wissenschaftlichen Meeting unter der Präsidentschaft von Univ.-Prof. DDr. Apostolos Georgopoulos Universitätsklinik Für Innere Medizin I, Abteilung für Infektionen und Chemotherapie, in Wien. Hier eine Auswahl interessanter Themen.
Bericht: Dr. Claudia Uhlir
Welche neuen Erkenntnisse wurden präsentiert?
Am Beispiel SARS wurde aufgezeigt, wie effizient mit einer globalen Krankheitsbedrohung in einer globalisierten Welt umgegangen werden kann. Dem effizienten Eingreifen des Teams der Infektiologischen Abteilung der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt ist es zu verdanken, dass in Europa kein weiterer Erkrankungsfall auftrat. Dennoch sind bei weitem nicht alle Probleme gelöst. Wie H.-R. Broat darlegte, greift nun die WHO-Definition zur Früherkennung nicht mehr. Demnach bestünde Verdacht bei Personen aus Endemiegebieten mit Husten und Fieber und für Pneumonie typische Röngenveränderungen. Einerseits gibt es derzeit kein Endemiegebiet, andererseit treten nicht bei allen SARS-Patienten schon zu Beginn Husten, Fieber oder Röntgenveränderungen auf. Die Anfangssymptome unterschieden sich kaum von jenen eines respiratorischen Infekts: Krankheitsgefühl, Schüttelfrost, Myalgie, Übelkeit und auch Diarrhoe. Husten und Atembeschwerden treten meist erst nach einigen Tagen auf.
Was wurde kontroversiell diskutiert?
Heftige Reaktionen rief ein Vortrag von Hoffken aus Dresden hervor, der anhand von retrospektiven Analysen den Benefit einer Kombination eines Betalaktams mit einem Makrolid schon zu Beginn einer ambulant erworbenen Pneumonie (community acquired pneumonia = CAP) belegte. Seiner Meinung nach müssste bereit möglichst früh eine breite Abdeckung erfolgen. In einer Studie lag die Mortalitätsrate unter Ceftriaxon-Monotherapie bei 16,5%, unter der Kombination von Ceftriaxon + Makrolid nur bei 6,24%.
Von einem Zuhörer wurde bezweifelt, ob sich dieses Regime in der Praxis durchsetzen ließe.
Was bleibt weiter offen?
Lyme-Borelliose manifestiert sich bei 8% der unbehandelten Patienten in Form akuter Organsymptome (Auge, Gelenke, Nerven). Durch rechtzeitige antibiotische Therapie lässt sich diese Rate auf 1-3% drücken. XXX; USA konnte nachweisen, dass die einmalige Gabe von 200 mg Doxyxyclin innerhlab von 72 h nach einem Zeckenstich die Entwicklung einer Lyme-Borelliose in 87% der Fälle verhindern kann. Ob dieses Ergebnis auch auf Europa umzulegen ist, müsste in einer dringend nötigen Studie geklärt werden. An einem Borellien-Impfstoff wird intensiv geforscht. Bisherige Bemühungen scheiterten.
Keinen wirklichen Forschritt gibt es auch in der Therapie von Infektionen mit grampositiven Erregern.
Welche neuen therapeutischen Möglichkeiten gibt es?
Zur Therapie invasiver Mykosen, die besonders in der Transplantationsmedizin eine große Rolle spielen, steht mit Voriconazol (Vfend®) ein Therapeutikum zur Verfügung, das zwar einen langsameren Wirkeintritt hat als Amphotericin, aber besser wirksam sein dürfte, so Univ.-Prof. Dr. Likesch, Abteilung für Hämatologie, Graz. Das Spektrum umfasst unter anderem Aspergillus, Candida, Fusarium, Scedosporium und Blastomyces. Voriconazol steht zur i.v. Verabreichung und zur oralen Applikation zur Verfügung, die Verträglichkeit ist akzeptabel, so Linkesch.
Fazit:
SARS scheint derzeit im Griff, die WHO-Definition greift zur Frühdiagnose allerdings nicht. Im Anfangsstadium ist Husten selten, auch Fieber und röntgenologische Veränerungen treten nicht bei allen Patienten auf.
Studiendaten sprechen dafür, CAP gleich zu beginn mit einer Kombination von Betalaktam-Antibiotikum + Makrolid zu behandeln.
Infektionen mit grampositiven Staphylokokken bereiten therapeutisch immer noch Schwierigkeiten.
Lyme-Borelliose sollte zur Vermeidung von Folgeschäden frühzeitg behandelt werden. Eventuell wäre eine Prophylaxe mit einer Einmaldosis von 200 mg Doxycyclin auch in Europa sinnvoll.
Zur Therapie invasiver Mykosen steht mit Voriconazol (Vfend®) eine neue Substanz zur Verfügung, die Amphotericin überlegen sein könnte.
