Während das Problem von HIV-Infektionen in Afrika immer stark thematisiert wurde, scheint der Fokus jetzt auch Asien und speziell China zu erfassen. Die jetzt publizierten Zahlen des chinesischen Gesundheitsministeriums zeigen einen Anstieg der HIV-Infektionen um 30%. Der HI-Virus breitet sich immer mehr auf alle Schichten der Bevölkerung aus, wobei es für den rasanten Anstieg mehrere Ursachen geben muss.
Im Jahr 2006 wurden mehr als 180.000 Erkrankungen gemeldet. Schätzungen der WHO gehen aber von wesentlich höheren Zahlen aus, und liegen im Bereich von 600.000 Erkrankungen. Die chinesischen Behörden geben an, dass der drastische Anstieg teilweise darauf zurückzuführen sei, dass mehr Erkrankungen dokumentiert werden. Dies macht auch die grosse Abweichung der geschätzten Daten der WHO mit den Daten des chinesischen Gesundheitsministeriums deutlich, die heuer eine Annäherung erreicht haben. Die Bemühungen aktuelle und präzise Daten zu sammeln scheint den chinesischen Behörden aber immer noch nicht zu gelingen. Analysten meinen, dass die Chinesische Regierung nach Jahren der Leugnung und Verdunkelung der AIDS-Thematik langsam den Kampf gegen AIDS aufnimmt. Die Behörden versprechen Einkommensschwachen eine kostenlose Behandlung, Präventionsprogramme und ein Verbot der Diskriminierung von Erkrankten.
Als China in den 80er und 90er Jahren erstmals mit HIV konfrontiert wurde, waren hauptsächlich die Systeme zur Verteilung von Blutprodukten und die mangelnde Hygiene bei Transfusionen für eine Ausbreitung des Virus verantwortlich. Ähnliches gilt auch heute noch für cirka 5% der HIV-Neuinfektionen, die sich durch Transfusion kontaminierten Blutes in Krankenhäusern oder durch illegal gehandelte Blutprodukte infizieren. Hauptursache für die hohe Zahl an Neuinfektionen sind aber die stetig wachsende Sexindustrie und der Missbrauch von Drogen. Das chinesische Gesundheitsministerium hat für 37 Prozent der Fälle Drogenmissbrauch und für 28 Prozent der Fälle ungeschützten Sexualverkehr verantwortlich gemacht.
Offizielle Stellen haben erkannt, dass Drogenmissbrauch und ungeschützter Sexualverkehr die grösste Gefahr darstellen, bislang waren aber alle Massnahmen, die gezielt diese beiden Risikofaktoren bekämpfen sollen, wirkungslos.
Schätzungen zufolge sollen mehr als 10 Millionen Frauen ihren Unterhalt mit Prostitution verdienen, das Gesundheitsministerium vermutet, dass wahrscheinlich weniger als die Hälfte dieser Frauen Kondome benützt.
HIV und AIDS sind in China bislang nicht ausreichend, wenn überhaupt, thematisiert worden. Ergebnisse von epidemiologischen Studien zeigen, dass eine Eindämmung der Infektion vor allem durch Aufklärungsmassnahmen erreicht werden kann; Voraussetzung dafür ist aber ein offener und freier Umgang mit der HIV/AIDS Problematik.
Autor: Dr. M. Wejbora
Quelle: Pressetextaussendung, 21.11.06