INFEKTIONEN
Antivirale Medikamente gegen Influenza-A-Viren (IAV)

 

Angesichts der drohenden Gefahr des Menschen durch Influenza- A- (H1N1, H3N2) und -B-Viren sowie der Ausbrüche von H5N1 in Südostasien und der Hypothese der Entstehung neuer humaner und aviärer IAV-Varianten verbunden mit der Gefahr einer neuen Pandemie, erhalten die antiviralen Medikamente einen hohen Stellenwert.

Amantadin war die erste synthetisch hergestellte Substanz, die erfolgreich die Replikation der IAV durch Blockierung der Protonenkanäle hemmte. Amantadin und das später synthetisierte Rimantadin konnten kostengünstig hergestellt werden und wurden entsprechend häufig auf Geflügelfarmen mit dem Effekt eingesetzt, dass sich alsbald resistente Stämme entwickelten.
Die Neuraminidasehemmer Zanamivir und Oseltamivir revolutionierten die IAV-Therapie. Diese beiden Mittel wurden auch gegen H5N1-Infektionen eingesetzt, wenngleich der Erfolg hinter den Erwartungen zurückblieb. Derzeit werden neue Neuraminidasehemmer entwickelt, die neben der oralen, inhalativen Applikation auch parenteral (Peramivir) verabreicht werden können. Mittlerweile sind auch Resistenzen gegen Neuraminidasehemmer beschrieben worden, wobei die Resistenz nur mit dem Austausch einer einzigen Aminosäure (119Glu-Gly bzw. 292Arg-Lys) verbunden ist. Ribavirin wird in der Therapie der HCV-Infektion erfolgreich eingesetzt. Sie hemmt die IMP-Dehydrogenase, wodurch die Bildung der viralen RNA nicht erfolgen kann. Ribavirin wurde als Monotherapie und auch als Kombinationstherapie mit Interferon und Amantadin mit Erfolg auch bei IAVInfektionen getestet.

Eine kluge Strategie, eine IAV-Infektion zu verhindern, liegt in der Hemmung der Sialinsäure-Rezeptoren, wodurch das Virus nicht in der Lage ist, in eine Zelle zu dringen. Fludase® befindet
sich bereits im klinischen Phase-I-Stadium der Zulassung. Als neue Medikamente gegen eine IAV-Infektion scheinen Polymeraseinhibitoren auf, die bereits erfolgreich bei anderen
viralen Infektionen eingesetzt wurden. An „Long Acting NAInhibitoren (LANI)“ wird gearbeitet, aber auch Proteaseninhibitoren werden zum Einsatz kommen.
Je später eine neue IAV-Pandemie auftreten wird, desto eher besteht die Möglichkeit, dass die Menschheit eine Vielzahl von Medikamenten entwickeln kann, um dadurch der Pandemie den Schrecken zu nehmen.


Univ.-Prof. DDr. Egon Marth
Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin
Medizinische Universität Graz
Universitätsplatz 4
8010 Graz
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