BAKTERIENLANDKARTEN
 
Pneumokokken (Gramfärbung)


Prof. DDr. Apostolos Georgopoulos, Abteilung für Infektionen, AKH Wien

In den vergangenen zehn Jahren haben Infektionen mit grampositiven Keimen erheblich zugenommen. Nach guten Erfolgen in der Behandlung solcher grampositiver Bakterien mit Penicillinen und Makroliden in den 60er-Jahren verlegte sich die Antibiotikaforschung hauptsächlich darauf, Medikamente gegen gramnegative Keime zu entwickeln. Der Effekt: Die neuen Cephalosporine und Chinolone wirkten zwar sehr effektiv gegen gramnegative, allerdings kaum gegen grampositive Bazillen.
Viele Resistenzentwicklungen waren die Folge. In Ungarn, Tschechien oder Spanien gibt es immer mehr penicillinresistente Pneumokokken und Problemkeime wie methicillinresistente Staphylokokken. Aber nicht nur die Bakterien haben sich verändert - auch die Patienten: Der Anteil von immunsupprimierten Patienten nach Organ-Transplantationen und von Patienten mit zytostatischer Krebstherapie hat stark zugenommen und mit ihm die Zahl der Infektionen mit so genannten opportunistischen Erregern. Zusätzlich erleben heute lang überwunden geglaubte Krankheiten erneute Renaissance: Tuberkulose und Diphtherie.
Allerdings erleichtert die für viele Bakterien abgeschlossene Genomanalyse die Diagnostik. Im bakterienhaltigen Sekret eines Patienten lässt sich die Bakterien-DNA in solchen Abschnitten markieren, vervielfältigen und nachweisen - binnen weniger Stunden wird die sichere Infektionsdiagnose gestellt. Der Nachweis in Kulturmedien dauert meist etliche Tage. Mit genauen Analysen und weltweiten, multizentrischen Datenbanken entstanden in den vergangenen Jahren detaillierte Bakterien-Landkarten. Wir wissen heute sehr genau, welche Erreger aus welchen Bakterienstämmen mit welchen Resistenzen in welchen Ländern ambulant und an Kliniken vorkommen, und können sogar die Ausbreitung einzelner Stämme verfolgen. So können wir schon zu Therapiebeginn ein optimales Medikament auswählen. Früher initial verwendete Breitbandantibiotika können sehr gefährliche Effekte haben - sie selektieren resistente Keime und Pilze. Jede antibiotische Behandlung sollte sich deshalb heutzutage nach den Ergebnissen des Antibiogramms richten.
ÄRZTE WOCHE ,16. Jg., Nr.11, 2002

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