Die Bedrohung durch multiresistente Keime in Krankenhäusern macht es zwingend erforderlich, neue Antibiotika zu generieren. Dazu eignen sich besonders Meereslebewesen, denn zum Einen stellt das Meer ein noch kaum erforschtes und beispiellos umfangreiches Habitat für Bakterien, Pilze und andere Mikroorganismen dar, zum Anderen sind die natürlichen Verhältnisse im Meer nahezu ideal für die Entwicklung von Antibiotika-produzierenden Organismen.
Auf der Suche nach neuen Substanzen im Kampf gegen multiresistente Erreger verlagert sich die Suche nach neuen Antibiotika auf Korrallenriffe, dem natürlichen Lebensraum zahlreicher Meereschwämme. Das Forscherteam um die Infektionsbiologin Ute Hentschel vom Zentrum für Infektionsforschung an der Universität Würzburg hat eine besondere Art der Schwämme näher in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit genommen: Ircinia felix, könnte sich als wichtiger Lieferant neuer Arzneistoffe herausstellen. Dazu Hentschel: "Besonders die Meeresschwämme sind als reichhaltige Quelle für Sekundärmetaboliten mit antimikrobiellen, antiviralen, fungiziden und allgemein zytotoxischen Wirkungen bekannt".
Mittlerweilen sind über 10 000 Substanzen aus marinen Quellen identifiziert und archiviert worden. "Gut ein Drittel stammt aus marinen Schwämmen. Weil bis zu 40 Prozent der Biomasse der weit verbreiteten Hornschwämme aus Mikroorganismen besteht, können diese als marine Fermenter bezeichnet werden", so Hentschel. Schwämme sind sehr einfache Organismen, die in tropischen Riffen und vielen Orten aller Ozeane vorkommen. "Viele von ihnen enthalten permanent jede Menge Bakterien, vermutlich weit über 100 verschiedene Arten. Genau das macht sie so interessant", berichtet Susanne Schmitt vom Zentrum für Infektionsforschung an der Uni Würzburg
„Über die Funktion der Mikroorganismen sei bisher sehr wenig bekannt“, meint Hentschel.
Wahrscheinlich produzieren diese Lebewesen bedingt durch den harten Konkurrenzkampf um Lebensraum chemische Stoffe die sie zur Abwehr gegen Feinde einsetzen. Weiters müssen sie vermeiden, von Bio-film produzierenden Bakterien verdrängt zu werden. "Insbesondere die Hemmung von Biofilm-bildenden Staphylokokken, die zur Verschleimung von Kathetern und anderen Implantaten führen, stehen hier im Vordergrund." betont die Wissenschaftlerin.
Die nachhaltige und umweltfreundliche Nutzung der Meere ist für alle marinen Forscher von höchster Priorität. Denn es liegt nahe, dass nur durch ein intaktes biologisches System wertvolle und nützliche Erkenntnisse gewonnen werden können.
Autor: Dr. M .Wejbora
Quelle:Pressetextaussendung, 16.11