Das 13th Scientific Meeting of the European Society of Chemotherapy/ Infectious Diseases (ESCID) findet am 3. - 7.12. 2008 zum zweiten Mal seit seines Bestehens in Wien statt.
Der diesjährige Kongresspräsident Univ.- Prof. DDr. Apostolos Georgopoulos von der Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin der Medizinischen Universität Wien, gab Jatros Infektiologie zu dem bevorstehenden Ereignis ein kurzes Interview.
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Herr Prof. Georgopoulos die ESC (European Society of Chemotherapy), deren Generalsekretär Sie sind, gibt es seit nunmehr 15 Jahren. Welche Philosophie steht hinter der ESC?
A. Georgopoulos: Ein Anliegen der ESC ist es, in jährlichen Kongressen von überschaubarer Größe aktuelle Themen ausführlich zu erörtern und einen intensiven Informationsaustausch unter den Teilnehmern zu ermöglichen. Wir wollen unseren Kollegen die Schwellenangst nehmen, wie es oft bei den großen Kongressen der Fall ist, wenn man vor einem sehr großen Publikum reden muss. Unsere Meetings sollen finanziell leistbar und somit allen zugänglich sein. Vor allem jungen Wissenschaftlern soll eine Plattform geboten werden, um in kleinem Rahmen ihre Arbeiten zu präsentieren und mit erfahrenen Kollegen aus aller Welt zu diskutieren. Dieses Konzept hat sich in den letzten Jahren sehr bewährt und wurde gut angenommen.
Was darf man sich vom diesjährigen Meeting erwarten?
A. Georgopoulos: Die Schwerpunkte umfassen heuer Pandemie, Influenza, diabetischer Fuß, MRSA, Sepsis, HIV, Mykologie, Antibiotikaresistenzen und vieles mehr. Wir haben dazu ausgezeichnete Vortragende aus ganz Europa eingeladen, wie zum Beispiel Herrn Dr. Petrikos aus Griechenland, der über die Zygomycosis sprechen wird, oder Herrn Prof. Graninger von der Medizinischen Universität Wien, um nur einige zu nennen. Diese Themen sollen detailliert mit den Vortragenden bei einer überschaubaren Teilnehmerzahl, wie auch in Workshops erarbeitet und offen diskutiert werden. So kann möglichst viel praxisrelevante Information für den klinischen Alltag und die Arbeit am Patienten vermittelt werden.
Aus diesem Grund veranstalten wir auch keine Parallelsymposien, wie das bei großen Kongressen üblich ist, die Teilnehmer müssen sich nicht zwischen mehreren interessanten Vorträgen entscheiden und sind somit auch keinem Zeitdruck ausgesetzt. Es kann ein intensiver Informationsaustausch in kollegialer, angenehmer Atmosphäre über mehrere Tage erfolgen. Ein besonderes Anliegen der ESC ist es, junge Leute anzusprechen, die in Ausbildung sind, Studenten, die an einer fundierten Fortbildung interessiert sind. Sie sollen ohne Scheu Fragen stellen und mit den Vortragenden und der Kollegenschaft diskutieren können. Wir möchten eine universitäre Atmosphäre schaffen und die Gelegenheit geben, in interessanten Vorträgen und Diskussionen eine Fülle von Informationen zu erhalten, Freundschaften zu schließen und dadurch einen beständigen Informationsaustausch unter den Teilnehmern zu ermöglichen, der auch nach dem Kongress weiter besteht.
Ihr wissenschaftliches Interesse hat immer der Infektiologie gegolten, wo sehen Sie die Herausforderung auf diesem Gebiet heute und in Zukunft?
A. Georgopoulos: Ein wichtiges Thema erscheint mir, dass sich unsere körpereigene mikrobielle Flora ändert. In meinen 1969 durchgeführten experimentellen Arbeiten konnte ich noch nachweisen, dass resistente Bakterien nach kurzer Zeit von den natürlichen Bakterien verdrängt wurden. Frau Dr. D. Orth von der Medizinischen Universität Innsbruck konnte in ihren wissenschaftlichen Arbeiten resistente Keime sowohl bei Eltern als auch bei Kindern in einem Zeitraum von über 6 Monaten nachweisen, ohne vorangegangene Antibiotikagabe. Enzyme, die Antibiotika inaktivieren, bleiben anscheinend für lange Zeit am Genom des Bakteriums haften. Ändert sich also unsere mikrobielle Flora? Dann wird das Spektrum der Antibiotika geringer ! Welche Lösungsansätze können wir anbieten? Das wird ein Thema sein, das uns in den nächsten Jahren zunehmend beschäftigen wird und das wir auch im Dezember am ESCID ausführlich diskutieren wollen.
Wir danken für das Gespräch!
Das Gespräch führte Dr. Isabel Kaufmann
Unser Interviewpartner:
Univ.- Prof. DDr. Apostolos Georgopoulos
Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin
Medizinische Universität Wien
E-Mail:apostolos.georgopoulos@meduniwien.ac.at