INFEKTIONEN
Epidemiologie von Infektionskrankheiten in Österreich

 

10-Jahres-Ergebnisse eines Projektes am Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin. Die Arbeitsgruppe verfolgt seit nunmehr 10 Jahren das Ziel, mittels einer eigens aufgebauten Surveillance die Epidemiologie impfpräventabler Erkrankungen im Kindes- und Erwachsenenalter in Österreich zu erfassen.

Als Marker dienen hier v.a. hospitalisierte Fälle von Infektionskrankheiten bei Kindern sowie die Daten medizinisch diagnostischer Labors in ganz Österreich. Ziel des Projektes ist es, aufgrund der Daten zur Morbidität und Mortalität impfpräventabler Infektionen die in Österreich angewandten Impfkonzepte auf ihre Validität zu prüfen und Grundlagen für neue Impfstrategien zu erarbeiten, wobei für Letztere nicht nur die „burden of illness“ als Parameter wesentlich ist, sondern auch Kosten-Nutzen-Berechnungen aufgrund der Daten. Nach nunmehr 10-jähriger Arbeit kann ein erstes Resümee gezogen werden: Die Surveillance der Arbeitsgruppe hat nicht nur interessante infektionsepidemiologische Daten geliefert, sondern einige der Ergebnisse waren von derartiger Brisanz, dass sie unmittelbar zu Strategieänderungen im österreichischen
Impfkonzept geführt haben. Beispiele dafür sind:

• Die Epidemiologie der Pertussiserkrankungen bewies nicht nur, dass die azelluläre Vakzine besser akzeptiert wird, sondern zeigte, dass als unerwünschter Nebeneffekt des Herden immunitätsverlustes der Erwachsenen in dieser Gruppe stetig steigende Krankheitszahlen zu beobachten sind – woraus eine Impfempfehlung (bereits umgesetzt) von
Erwachsenen resultierte.

• Die Epidemiologie der Hepatitis A im Kindesalter bewies die geringe autochthone Fallzahl und die hohe Importquote bei Kleinkindern, worauf im Impfplan eine Impfempfehlung vor Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen verankert wurde.

• Die Epidemiologie der Rotaviruserkrankungen führte unmittelbar zu einer Stützung der generellen Impfempfehlung.

• Das Surveillance-System wurde und wird zukünftig auch für Einzelprojekte genutzt, wie z.B. die Erfassung von IPDs bei Kindern, eine Studie, aus der sich die unmittelbare Pneumokokkenimpfempfehlung ableitete und die weitergeführt wird, weil die Überwachung auch in der Lage ist, Resistenzprobleme aufzudecken und Replacement-Phänomene
zu detektieren.

• Ein Großprojekt mit einer Förderungssumme von € 370.000,– für fünf Jahre durch die Konzerne GSK und SPMSD konnte soeben lukriert werden, weil die Industrie den Wert der Rotavirussurveillance erkannt hat und sich des Know-how der AG bedienen will, um über fünf Jahre nach Einführung der Rotavirusimpfung bei Säuglingen Serotypreplacemen - Phänomene österreichweit zu erfassen.

• Ein weiteres Projekt für die Überprüfung der Validität der Impfkonzepte ist eine vom BMGF mit etwa € 50.000,– geförderte Studie zur Seroprävalenz von Impfantikörpern bei Schuleintritt, die noch in der ersten Hälfte 2007 gestartet wird.

Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch
Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin
Medizinische Universität Wien
Kinderspitalgasse 15
1095 Wien
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