Aktive Surveillance nosokomialer Infektionen ist ein wesentlicher Beitrag zur Patientensicherheit und zum Qualitätsmanagement in Krankenanstalten. Dr. Alexander Blacky, Klin. Abt. f. Krankenhaushygiene am AKH Wien, präsentierte im Rahmen der 31. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Intensivmedizin Beispiele aktueller Daten aus der Österreichischen ANISS(Austrian Nosocomial Infections Surveillance System)-Datenbank.
In Europa kommt es Schätzungen zufolge jährlich zu rund 3 Millionen nosokomialen Infektionen und 50.000 dadurch verursachten Todesfällen. HELICS (Hospital In Europe Link for Infection Control through Surveillance) ist eine Initiative des Rats der Europäischen Union zur Identifizierung und Registrierung nosokomialer Infektionen in den Mitgliedsländern. Ziel von HELICS ist, Infektionsdaten zu erheben, Vergleiche zwischen den teilnehmenden Institutionen zu ermöglichen und Strategien zur Vermeidung zu erarbeiten.
Im Jahr 2003 erhielt das klinische Institut für Hygiene und medizinische Mikrobiologie der Medizinischen Universität Wien vom Gesundheitsministerium den Auftrag, gemeinsam mit österreichischen Krankenanstalten ein nationales Netzwerk zur Erfassung nosokomialer Infektionen (ANISS – Austrian Nosocomial Infections Surveillance System) zu entwickeln. Dabei fanden die im HELICS-Projekt für Europa vereinbarten Protokolle und Werkzeuge Anwendung. Derzeit nehmen mehr als 40 Abteilungen an mehr als 30 Krankenhäusern in Österreich an dieser Erfassung postoperativer Wundinfektionen teil.
Im internationalen Spitzenfeld
Bei der Erfassung der Daten erfolgt eine Risikostratifizierung einerseits nach Indikatoroperationen wie Dickdarm- oder Gallenblasenchirurgie, Sectio caesarea oder Hüft- bzw. Kniegelenksendoprothetik und andererseits nach dem NNIS-Risikoindex, in den der ASA-Score, die Operationsdauer sowie die Kontaminationsdauer einfließen.
Im Jahr 2007 wurden die Daten von knapp 4.000 Implantationen von Hüftgelenks-Endoprothesen an das NISS gemeldet, was im Vergleich zum Jahr 2006 beinahe eine Verdoppelung bedeutet. „Unser Netzwerk gewinnt zunehmend an Daten, weshalb auch die Analysen immer interessanter werden“, freut sich Blacky. 2007 wurden insgesamt 60 Wundinfektionen von ANISS erfasst, was eine kumulative Inzidenz von 1,5% und eine Inzidenzdichte von 1,3 Infektionsepisoden je 1.000 Krankenhausaufenthaltstage bedeutet. Damit ist Österreich laut Blacky im internationalen Vergleich gut positioniert.
Bezüglich der Altersverteilung machten die Gruppen der 65- bis 75-Jährigen den Hauptanteil aus, wobei deutlich mehr Frauen als Männer eine Hüftgelenks-Endoprothese erhalten hatten. Da diese Operationen überwiegend geplant erfolgen, weisen auch die Patienten einen geringen Risikoindex auf. Die Auswertung der Daten zeigt, dass ein höherer Risikoindex und akut notwendige Operation mit längerem Krankenhausaufenthalt assoziiert sind. Ebenso verlängert sich die Aufenthaltsdauer, je tiefereine Wundinfektion reicht.
Sectio caesarea
2007 wurden von ANISS 946 Fälle von Sectio cesarea erfasst, wobei akute und geplante Kaiserschnitte einander etwa die Waage halten. Dabei kam es in 23 Fällen zu einer Wundinfektion, was eine kumulative Inzidenz von 2,4% und eine Inzidenzdichte von 4,4 Infektionsepisoden je 1.000 Krankenhausaufenthaltstage bedeutet. „Der Hauptteil der Problematik geht auf die akut durchgeführten Schnittentbindungen zurück“, berichtet Blacky. So beträgt die kumulative Inzidenz bei akuten Sectiones caesareae 4%, während sie bei geplanten bei 0,8% liegt. Kein Unterschied zwischen geplanten und akuten Schnittenbindungen besteht hinsichtlich der medianen Krankenhausaufenthaltsdauer von sieben Tagen. Bezüglich der Altersverteilung konnte kein Unterschied, weder bezüglich der Wundinfektions-Inzidenz noch der Aufenthaltsdauer zwischen jüngeren und älteren Gebärenden, festgestellt werden. Zu einer deutlichen Verlängerung der Aufenthaltsdauer kommt es hingegen, wenn es sich um tiefe Wundinfektionen handelt.
Bericht: Mag. Harald Leitner
Quelle: 31. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Intensivmedizin (ÖGHMP), 26.–29. Mai 2008, Bad Ischl