Das Institut für Infektionsbiologie der Max-Planck-Gesellschaft und das Institut Pasteur haben in Kooperation die Spuren des Typhus-Bakteriums mittels molekularbiologischer Verfahren zurückverfolgt und 105 Typhus-Stämme mit zahlreichen Mutationen präsentiert.
Weltweit infizieren sich ca. 21 Mio. Menschen jährlich mit Salmonellen. Über 200.000 Menschen davon sterben an einem Krankheitsbild, das nicht erkannt wurde. In Europa wird meist nur auf Verdacht hin therapiert, fast immer mit Erfolg, und dann keine weitere Untersuchung veranlasst, sodass die genau Zahl der Betroffenen in Österreich trotz Meldepflicht unerfasst bleibt.
Alle Salmonellen werden in die Spezies S. enterica mit 7 Subspezies zusammengefasst. Fast alle humanpathogenen Salmonellen gehören zu S. enterica, ssp. enterica.
Die Salmonellen können aufgrund von O- und H-Antigenen in mehr als 2.000 Serovare unterteilt werden (Kauffmann-White-Schema), die teilweise mit Speziesnamen bezeichnet werden. Die Inkubationszeit von typhösen Salmonellen (S. Typhi, S. Paratyphi) liegt bei 1-3 Wochen, von enteritischen Salmonellen (S. Typhimurium, S. Enteritidis u.a.) bei 1-2 Tagen.
Forscher des Max Planck Instituts und des Institut Pasteur folgern, dass sich die Morphologie von Typhus über die letzten 40 000 Jahre entwickelt hat, und dass der ursprüngliche Stamm nahezu unverändert erhalten geblieben ist und seine Mutationen weltweit verbreitet sind. Von den Schlüsselsequenzen konnten 90 000 Basispaare präsentiert werden, die eine hohe Mutationsrate des Bakteriums nahe legen.
Dennoch, durch die Entwicklung neuer Medikamente und Therapien, stellt der Typhus-Erreger trotz seiner häufigen Mutationen und Resistenzen eine relativ geringe Bedrohung für Europa dar. In Entwicklungsländer hingegen ist Typhus Ursache vieler schwerer Erkrankungen und Todesfälle. Schätzungsweise 200 000 Menschen werden Opfer einer nicht diagnostizierten oder falsch therapierten Infektion. Grund dafür sind schlechtere hygienische Standards der Entwicklungsländer, beispielsweise des Abwassersystems, die eine fäkal-orale Übertragung begünstigen.
Ziel der Forschung ist bei der Suche nach neuen wirksamen Medikamenten die verschiedenen Aspekte der bakteriellen Resistenz unter molekularbiologischen Umständen zu analysieren und zu verstehen. Ein erster Schritt dahingehend ist mit der Archivierung verschiedener Stämme der Bakterien gesetzt.
Dr. M. Wejbora
Quelle: Pressetextaussendung, 24.11.06