Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und der Kinderklinik der Universität bzw. des Klinikums St. Georg machten eine interessante Entdeckung: das Bakterium Heliobacter plyori, welches Infektionen des Magen-Darm-Traktes auslöst, „kann das Auftreten von Ekzemen auf etwa ein Drittel des Durchschnitts drücken“, so Prof. Olf Herbarth, Leiter des Departments Expositionsforschung/Epidemiologie im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.
O. Herbarth weiter: "Es war schon früher beobachtet worden, das Infektionen und das Auftreten von allergischen Erkrankungen, wie Ekzemen, in Verbindung stehen, nur war unklar, welche Infektionen wirklich Schutz bieten. Wir konnten belegen, dass eine H.-plyori-Besiedlung das Auftreten von Ekzemen auf etwa ein Drittel des Durchschnitts drückt (adjusted odds ratio = 0.31, p = 0.006). Das trifft zwar mehr für nicht durch Allergien der Eltern vorbelastete Kinder aber auch für vorbelastete Kinder zu. Bei einer Infektion der Luftwege hingegen, gilt das nicht, bei Bronchitis verdoppelt sich sogar die Gefahr, auch an Ekzemen zu erkranken."
Allerdings kann nicht gesagt werden, dass Patienten mit einem Ekzem das Bakterium H. plyori einfach zu sich nehmen sollten, da eine klare Unterscheidung, wann H. pylori vor allem schützend und wann krankheitsausslösend auftritt, noch nicht möglich ist. Dennoch bringt die Aussage weiteren Zündstoff in die derzeit intensiv geführte Diskussion der Hygiene-Hypothese: Keimfreiheit fördert Allergien. "Zukünftig wird es neue Lösungen geben, beispielsweise über den Einsatz abgetöteter Keime. Aber schon jetzt halte ich vieles für übertrieben und sogar gefährlich. Wer seinem Kind zum Beispiel nicht pasteurisierte Milch gibt, riskiert, dass es auch Keine zu sich nimmt, mit denen nicht mehr zu spaßen ist, die Erreger der Tuberkulose zum Beispiel.", erläutert der Autor.
Diese Überlegungen basieren auf Untersuchungen von jeweils rund 3000 Leipziger Schülern in den Jahren 1998 und 2000, bei denen über die Atemluft das Vorhandensein des Magenkeimes H. pylori getestet wurde. Gleichzeitig füllten die Eltern Fragebögen aus, in denen es um Angaben zur Lebensgewohnheiten der Familie ging. Im Jahr 2006 wurde ein Grossteil dieser Schüler - inzwischen Achtklässler - wieder zum Aufblasen der Atemluftbeutel gebeten, im den Verlauf der Besiedelungen, deren Beeinflussung durch den Alltag der jungen Leute und vor allem gesundheitliche Auswirkungen zu erfassen. Vor wenigen Tagen wurde der Aufbau der Datenbank abgeschlossen, in der neben den Ergebnissen der medizinischen Tests knapp 2000 Fragebögen mit jeweils 1500 Variablen eingegeben werden mussten. Nun also geht es an die Auswertung. Die ersten neuen Ergebnisse werden Ende des Jahres erwartet.
Marlies Heinz
Originalartikel:
O. Herbarth et al: Helicobacter pylori colonisation and eczema.Journal of Epidemiology and Community Health 2007; 61: 638-640