Zu diesem Thema fand am 19. Mai ein Symposium statt, das von der Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin I veranstaltet wurde. Lesen Sie hier die Schlussfolgerungen, die Univ.-Prof. Dr. Peter Kalhs aus den Vorträgen zog.„Viele Dinge sind klar geworden“, begann Univ.-Prof. Dr. Peter Kalhs von der Univ.-Klinik für Innere Medizin I, Medizinische Universität Wien, seine Zusammenfassung am Ende der Vorträge, die u. a. von Univ.-Prof. DDr. Wolfgang Graninger und Univ.-Prof. Dr. Birgit Willinger gehalten wurden.
„Erstens ist klar geworden, dass eine massive Zunahme der immunsuppressiven Therapien dazu führt, dass ungewöhnliche Infektionen häufiger auftreten“, so Kalhs weiter. Am Beispiel von Epstein-Barr-Viren wurde beim Symposium gezeigt, warum bestimmte Infektionen durch hämatologische Therapien zunehmen: Die Antikörpertherapie bei malignen Lymphomen in der Hämatologie nimmt zu. Kalhs: „Man wird sich diagnostisch darauf einstellen müssen, dass Infektionen wie EBV künftig häufig auftreten, wenn diese Formen der hämatologischen Therapie weiterhin so zur Anwendung kommen.“
Eine weitere Schlussfolgerung betraf die Diagnostik von Pilzinfektionen bei schwer immunsupprimierten Patienten. „Der einzige Marker, der derzeit von diagnostischem Wert ist, ist offensichtlich das Galaktomannan“, schloss Kalhs. Sämtliche PCR-Reaktionen, die sehr sensitiv sind, seien im Moment weit weg von einer standardisierten Verwendung. „Allerdings ist es wahrscheinlich“, meinte Kalhs, „dass in nächster Zeit deutliche Fortschritte in der Standardisierung der PCR-Assays erzielt werden.“
Bei den bakteriellen Infektionen gibt es ein international akzeptiertes stufenweises Vorgehen in der Therapie des neutropenischen Fiebers. Es gibt zwar eine Reihe von grampositiven Problemkeimen, die auf herkömmliche Antibiotika resistent sind; gegen diese Erreger stehen jedoch äußerst effektive Antibiotika zur Verfügung.
Kalhs: „Das große Problem sind die Pilzinfektionen, vor allem bei schwer immunsupprimierten Patienten, etwa nach allogener Stammzelltransplantation.“ Hier sei man gezwungen, empirisch zu therapieren, wobei die antifungalen Substanzen der neueren Generation (Voriconazol, Caspofungin, Posaconazol) als sehr effektiv und zum Teil deutlich nebenwirkungsärmer als Amphotericin B anzusehen sind.
Bericht: Mag.(FH) Silvia Hecher, MSc
Quelle: Symposium „Hämato-onkologische Therapien und Infektionen – Die Kehrseite der Medaille“, Wien, 19. Mai 2006