fzm - In Deutschland infizieren sich immer häufiger Menschen mit HI-Viren, die bereits gegen einzelne Medikamente unempfindlich (resistent) sind. Um nicht gleich zu Beginn die optimale Therapie zu verpassen, raten Experten in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2007) allen HIV-Infizierten vor der Therapie Resistenztests durchführen zu lassen.
Die Kosten für die Tests werden inzwischen von den Krankenkassen übernommen, informiert Dr. Mark Oette von der Universität Düsseldorf, der das RESINA-Projekt (Primär-RESIstenz bei therapie-NAiven HIV-infizierten Patienten ) ausgewertet hat. Es enthält die Resistenztests von mehr als 800 neu entdeckten HIV-Infizierten aus Nordrhein-Westfalen und ist damit die weltweit größte Einzelgruppe dieser Art. Bei jeder zehnten neuen HIV-Infektion wurden resistente Viren gefunden. Am häufigsten hatten "AZT", das älteste Aids-Medikament, sowie Stavudin und Lamivudin ihre Wirkung verloren. Dr. Oette vermutet deshalb, dass sich die Patienten bereits in den 1990-er Jahren angesteckt haben. Typischerweise vergehen bei HIV-Infektionen viele Jahre, bevor sich eine Immunschwäche bemerkbar macht und die Patienten zum Arzt gehen. Dr. Oette befürchtet, dass demnächst auch Viren übertragen werden, die gegen neuere Medikamente resistent sind. Diese Tendenz zeichne sich in den USA bereits ab.
Einige Patienten waren auch mit "Revertanten" infiziert. So bezeichnen die Forscher HI-Viren, die ihre Resistenzeigenschaften wieder eingebüßt haben, weil die Infizierten über viele Jahre unbehandelt blieben. Nach Erfahrung von Dr. Oette mutieren die Revertanten jedoch schnell wieder zu resistenten Viren, sobald die Patienten die "falschen" Medikamente einnehmen.
Dies lasse sich durch Resistenztests vor Therapiebeginn vermeiden. "Bei der Wahl der richtigen Medikamente ist ein Erfolg der ersten Therapie nicht schlechter als bei Patienten ohne Primärresistenz", verspricht Dr. Oette. Eine Garantie, dass es später nicht doch zur Resistenz komme, könne jedoch niemand geben.
M. Oette et al.:
Epidemiologie der primären Medikamentenresistenz bei chronisch HIV-Infizierten in Nordrhein-Westfalen 2001-2005
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2007; 132 (18): S. 977-982
24.05.2007