INFEKTIONEN
Hepatitis C im Gesundheitswesen [18.09.2007]

 

Hepatitis C ist die gefährlichste Form der durch Viren übertragenen Entzündungen der Leber und kann heute in vielen Fällen geheilt werden. Anders als bei Hepatitis A und B gibt es keine Schutzimpfung gegen die Hepatitis C. Die Kosten von Behandlung und Nachversorgung sind laut Untersuchung in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ jedoch beträchtlich hoch.

Besonders betroffen sind Beschäftigte im Gesundheitswesen, die in Kontakt mit dem Blut von Infizierten kommen. Bei Stichverletzungen mit Kanülen oder im Operationssaal kann es schnell zu einer Infektion kommen. Laut Privatdozent Markus Reiser, Paracelsus-Klinik Marl, beeinflusst eine Hepatitis-C-Infektion nicht nur die Gesundheit sondern kann auch beträchtliche Auswirkungen auf das weitere Leben haben. Neben später möglicher Leberzirrhose oder Lebenkrebs, ist die Infektion oft auch mit einem Wechsel des Arbeitplatzes verbunden, da Infizierte nicht mehr im Operationssaal oder auf Stationen arbeiten dürfen, wo Ansteckungsgefahr für Patienten besteht. "Die Hepatitis C ist heute die häufigste berufsbedingte Infektionskrankheit", schreibt Privatdozent Reiser, der die Daten aus zwei Bezirken der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) ausgewertet hat.

Dr. Reiser gibt an, dass die BGW sehr darin bemüht sei, den Infizierten die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen. Auch die Compliance ist bei jenen Patienten immer sehr gegeben, wodurch eine hohe Responserate erzielt wird. Die Therapie dauert je nach Virustyp 24 oder 48 Wochen und bringt gute Heilungsraten. In der Regel wird eine Kombination aus Interferonen und dem Virusblocker Ribavirin verabreicht, worauf die hohen Behandlungskosten von über 16.000 Euro zurückzuführen sind. Wird keine „anhaltende“ Therapieantwort erzielt, so wird die Therapie wiederholt, wodurch sich das Ansprechen jedoch immer mehr verringert, die Kosten aber immer mehr ansteigen.

Dass nicht alle Patienten dauerhaft geheilt werden können, macht die Ernsthaftigkeit dieser Erkrankung deutlich. Für die BGW hat dies auch hohe Rentenzahlungen zur Folge. Dr. Reiser: "Die Entschädigungsleistungen für die berufsbedingte Virushepatitis nahm im Jahre 2002 mit 15 Millionen Euro einen Großteil der Summe aller gezahlten Leistungen (77 Millionen Euro) ein". Bei einem Patienten wurden beispielsweise vier Therapieversuche unternommen, wodurch Kosten im Wert von Euro 119.000,- entstanden. Euro 112.500 allein für die Medikamente. Angesichts dieser Kosten müsse die Entscheidung zu Wiederholungstherapien streng geprüft werden, fordert Dr. Reiser.

M. Reiser et al: Versorgungsqualität und Gesundheitskosten bei berufsgenossenschaftlich anerkannter Hepatitis C. Untersuchung in der Modellregion West zwischen 1993 und 2004. DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2007; 132 (34/35): 1743-1747
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