ERREGER
Herpes zoster - wirksame Impfung für Ältere

 

In Österreich erkranken jährlich rund 40.000 Personen an Herpes zoster, mehr als die Hälfte dieser Patienten sind über 60 Jahre alt. Die häufigste Komplikation im Anschluss an diese Erkrankung ist die schmerzhafte postherpetische Neuralgie (PHN). Mit einer voraussichtlich ab Herbst zur Verfügung stehenden hochpotenten attenuierten Varizellen-Lebendvakzine wird es möglich sein, Morbidität und Inzidenz von Herpes zoster und postherpetischer Neuralgie deutlich zu senken.

10–20% der Personen mit Varizellen-Zoster-Virus-Erstinfektion (Windpocken) entwickeln oft nach Jahrzehnten einen Herpes zoster, die Zweitmanifestation dieser viralen Erkrankung. Die Hälfte dieser Zostererkrankten ist über 60 Jahre alt. Die Inzidenz beginnt jedoch bereits ab dem 50. Lebensjahr sprunghaft anzusteigen, da ab diesem Alter die T-Zell-vermittelte Immunkompetenz kontinuierlich nachlässt und damit die Gefahr für eine Reaktivierung latenter Varizellen-Zoster-Viren in den sensorischen Spinalganglien steigt. Die Gründe für den Übergang von der Latenz- in eine neuerliche Virus-Replikationsphase und damit für die Entwicklung einer Gürtelrose sind aber bislang nicht bekannt. Charakteristisch für die Herpes-zoster-Infektion sind heftige radikuläre Schmerzen und ein vesikuläres Exanthem, die meist auf ein bestimmtes Dermatom beschränkt sind. Häufigste Komplikation ist die postherpetische Neuralgie mit anhaltenden, schwer zu therapierenden Schmerzen, die nach Abheilen des Hautausschlages auftritt. Diese Neuralgie kann Monate oder sogar Jahre anhalten und von leichten, brennenden bis hin zu hämmernden, stechenden Schmerzen geprägt sein. Mit dem Alter nimmt die Inzidenz zu. Darüber hinaus besteht auch die Gefahr viszeraler und neurologischer Komplikationen etwa im Sinne einer Varizellen-Zoster-Virus-Myelitis oder einer zerebralen Vaskulopathie, die bei fast einem Drittel der Erkrankten zum Tode führt.

Prävention ist die beste Strategie

Eine Therapie des Herpes zoster mit antiviralen Medikamenten hemmt zwar die Virusvermehrung und führt zum Abheilen der Gürtelrose, die postherpetische Neuralgie bleibt jedoch von dieser Therapie unbeeinflusst. Auf die derzeit verfügbaren postherpetischen Neuralgie- Behandlungsoptionen sprechen viele Patienten nicht an, wodurch die Lebensqualität der Betroffenen dramatisch eingeschränkt wird. Prävention durch Impfung ist daher die beste Strategie. Zostavax®, der erste und einzige in Europa zugelassene Impfstoff zur Prävention der Gürtelrose und postherpetischen Neuralgie, wird in kühlschrankstabiler Formulierung ab Herbst 2007 zur Verfügung stehen. Eine Impfung mit dieser hochpotenten attenuierten Varizellen-Lebendvakzine soll verhindern, dass TZell-Titer unter einen Schwellenwert absinken und damit der Entstehung eines Herpes zoster vorbeugen. Zostavax wurde in klinischen Studien für die Immunisierung von Patienten bereits ab 50 Jahren angewendet.

Wirksamkeit der Vakzine eindrucksvoll bewiesen

Zur Evaluierung dieser Vakzine wurde von M. Oxman et al eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie an 38.546 Männern und Frauen im Alter über 60 Jahren durchgeführt. Die Hälfte der Studienteilnehmer erhielt einmalig eine subkutane Impfung mit dem Herpes-zoster-Impfstoff, der im Gegensatz zum Kinderimpfstoff eine 14fach erhöhte Varizellen-Zoster-Virus-Dosis enthält und eigens für ältere Menschen entwickelt wurde. Die andere Hälfte der Studienteilnehmer erhielt eine Placeboinjektion. Das Durchschnittsalter betrug 69 Jahre. Primärer Endpunkt der Studie war die Belastung durch die Erkrankung und ihre Folgen, sekundärer Endpunkt das Auftreten einer postherpetischen Neuralgie. Der durchschnittliche Beobachtungszeitraum betrug über drei Jahre, 95% der Teilnehmer beendeten die Studie planmäßig. Die Auswertung der Daten ergab, dass während der Studie 957 bestätigte Zostererkrankungen auftraten: 315 Fälle in der geimpften Gruppe und 642 im ungeimpften Kollektiv, was einer hochsignifikanten Reduktion des relativen Risikos um 51,3% (p<0,001) entspricht. Bei den schweren Herpes-zoster-Fällen war die Wirksamkeit der Vakzine noch deutlicher: Traten in der Placebogruppe 40 Fälle auf, waren es in der Verum-Gruppe nur 11. Das entspricht einer Reduktion von 73%. Hinsichtlich der Häufigkeit der postherpetischen Neuralgie, definiert als zosterbedingte Schmerzen, die über einen Zeitraum von mindestens 90 Tagen nach Einsetzen des Ausschlags andauern, wurden insgesamt 107 Fälle beobachtet: 27 in der geimpften Gruppe und 80 in der Placebogruppe. Dieser Unterschied war ebenfalls statistisch hochsignifikant (p<0,001) und entsprach einer Reduktion der Häufigkeit um 66,5%. Außerdem hatten die Studienteilnehmer, die trotz der Impfung an Gürtelrose erkrankten, hochsignifikant weniger Schmerzen und weniger krankheitsbedingte Einschränkungen als die Patienten der Placebogruppe. Insgesamt konnte die „Burden of Illness“, ein Maß für Inzidenz, Schwere und Dauer des Schmerzes und Unwohlseins, um 61,1% (p<0,001) gesenkt werden.

Hohe Sicherheit und Verträglichkeit

Die Zosterimpfung rief bei den Studienteilnehmern nur geringe Nebenwirkungen hervor, vor allem milde Reaktionen an der Einstichstelle. Bezüglich der Häufigkeit schwerer unerwünschter Wirkungen bestand kein Unterschied zwischen der Vakzine- und der Placebogruppe.

Fazit

Die bisherigen Studienergebnisse zeigen, dass eine Impfung immunkompetenter Personen ab 60 Jahren mit Zostavax die Morbidität von Gürtelrose und die Inzidenz von postherpetischen Neuralgien signifikant senkt und damit einen wichtigen und kosteneffektiven Beitrag zur Erhaltung der Gesundheit leisten kann. Eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist aber derzeit nicht zu erwarten.

Bericht: Dr. Friederike Hörandl
Quelle: Oxman et al, New England Journal of Medicine 2005; 352(22): 2271-84

6. September 2007
goto top of page

© Österreichische Gesellschaft für Antimikrobielle Chemotherapie
© Universimed New Media GmbH
A-1150 Wien, Markgraf-Rüdiger-Strasse 8

office@infektionsnetz.at

 

 

 

 

 

 

A-1150 Wien, Markgraf-Rüdiger-Straße 8