Der bei einer Reihe chronisch entzündlicher Erkrankungen bewährte TNF-alpha-Blocker Infliximab wurde als erster biologischer Immunmodulator von der Europäischen Kommission auch für pädiatrische Patienten mit Morbus Crohn (MC) zugelassen.
In einer multizentrischen
Therapiestudie (REACH) bei 112 Kindern und Jugendlichen mit schwerem MC hat sich Infliximab als wirksam und sicher erwiesen. Zudem wurden unter Infliximab signifikante Verbesserungen der Lebensqualität und der Körpergröße beobachtet. Die EU-Zulassung für die neue Indikation von Infliximab erfolgte für die Behandlung von Patienten im Alter von 6 bis 17 Jahren, die an MC mit starker Krankheitsaktivität leiden und die auf konventionelle Therapien einschließlich einem Kortikosteroid, einem Immunmodulator und primärer Ernährungstherapie nicht ansprechen oder bei denen solche Therapien kontraindiziert sind oder nicht vertragen werden. „Morbus Crohn beeinträchtigt die Lebensqualität von Kindern beträchtlich“, sagt Salvatore Cucchiara, M. D., Abteilung für Pädiatrie, Einheit für gastrointestinale Motilität und Endoskopie der Universität Neapel (I). „Infliximab bietet Medizinern eine neue Behandlungsoption, mit der die spezifischen Aspekte dieser schwer zu behandelnden Krankheit bei juvenilen Patienten angesprochen werden können.“ MC verursacht Entzündungen im Magen-Darm-Trakt und führt üblicherweise zu Symptomen wie Diarrhöe, Fieber, Abdominalschmerzen, Gewichtsverlust und bei manchen Patienten zu verzögertem Wachstum und Wachstumsdefiziten. Dazu kommen häufig schwerwiegende psychosoziale Konsequenzen. Die Zulassungserweiterung erlaubt es Medizinern nun, Infliximab als intravenöse Infusion in einer Dosierung von 5mg/kg, gefolgt von weiteren Infusionen zwei und sechs Wochen danach, zu verabreichen. Darauf folgen neuerliche Verabreichungen in einem Intervall von jeweils acht Wochen. Manche Patienten können ein kürzeres Applikationsintervall benötigen, während bei anderen ein längeres Applikationsintervall ausreichend sein kann.
REACH-Studie sorgte für Zulassung
Die Zulassung stützte sich auf die Ergebnisse der Phase-III-Studie REACH (Randomized, Multicenter, Open-label Study to Evaluate the Safety and Efficacy of Anti-TNF Monoclonal Antibody REMICADE in Pediatric Subjects with Moderate to Severe Crohn‘s Disease). In dieser Studie wurden 112 Patienten (Alter 6 bis 17 Jahre; alle Patienten erhielten 6-MP/AZA oder MTX; 35% erhielten Kortikosteroide) mit mittelschwerem bis schwerem, aktivem MC (mittlerer PCDAI-Score 41), die auf konventionelle Therapien unzureichend ansprachen, mit Infliximab (5mg/kg) in den Wochen 0, 2 und 6 behandelt. Patienten, die nach Woche 10 ein klinisches Ansprechen aufwiesen, (Abnahme des PCDAI-Scores >15 vs. Studienbeginn, PCDAIScore<30) wurden randomisiert und erhielten kontinuierlich entweder alle 8 (Gruppe q8) oder alle 12 Wochen (Gruppe q12) 5mg/kg Infliximab. Patienten, bei denen sich das Ansprechen im Verlauf der Studie verringerte, konnten das Intervall verringern oder die Dosis erhöhen. In Woche 10 zeigten 88,4% ein klinisches Ansprechen, 58,9% erreichten eine klinische Remission. In Woche 30 war der Anteil der Patienten mit klinischer Remission in der q8-Gruppe 59,6% und damit signifikant höher als in der Gruppe q12 mit 35,3% (p=0,013). Der Anteil der Patienten mit Remission konnte bis zur Woche 54 in der q8-Gruppe mit 55,8% gleichgehalten werden. Darüber hinaus zeigte sich das klinische Ansprechen auf die Infliximab-Therapie in einer raschen und anhaltenden Verbesserung der Lebensqualität (IMPACT-III-Score), in einer deutlichen Zunahme des Größenwachstums (Z-Score) und in einer signifikanten Reduktion des Kortikosteroidverbrauches. So kam es von Beginn der Studie bis zur Woche 10 zu einem signifikanten Anstieg (Verbesserung) des IMPACT-III-Scores (23,9 Punkte, p<0,001 vs. Studienbeginn), der auch während der gesamten Studiendauer aufrecht blieb. Die Z-Score-Werte verbesserten sich ebenfalls deutlich ab Beginn der Therapie bis zu Woche 30 und 54 (p<0,001 vs. Studienbeginn). Der Bedarf an Kortikosteroiden sank von Studienbeginn bis Woche 10 um durchschnittlich 0,3mg/kg pro Tag (p<0,001 vs. Studienbeginn). Darüber hinaus hatte zu diesem Zeitpunkt beinahe jeder 2. Patient die Kortikosteroide abgesetzt. Der Verbrauch blieb auch in Woche 30 und 54 signifikant reduziert (p<0,001 vs. Studienbeginn). Der Anteil der Patienten mit Auftreten von unerwünschten Ereignissen war zwischen den beiden Behandlungsgruppen ähnlich.
Quelle: Top Medizin 6/2007