INFEKTIONEN
Kondome bieten ausreichenden Schutz vor HIV

 

Der gleichzeitige Einsatz von Diaphragmen, Gleitgelen und Kondomen zum Schutz vor HIV bei sexuell aktiven Frauen in Afrika ist nicht effektiver als die ausschließliche Verwendung von Kondomen, wie eine Veröffentlichung berichtet.

Dr. Nancy Padian und Kollegen von der University of California als Vertreter der Methods for Improving Reproductive Health in Africa (MIRA) starteten eine randomisierte Studie an 5000 sexuell aktiven, HIV-negativen Frauen in Südafrika.

Alle Frauen erhielten ein HIV-Maßnahmenpaket mit Kondomen, Beratungen vor und nach der Testphase zu HIV und sexuell übertragenen Infektionen, Untersuchungen, Behandlung von heilbaren sexuell übertragbaren Krankheiten sowie eine Intensivberatung zur Risikoverringerung. Eine Hälfte der Frauen erhielt zusätzlich Diaphragmen und Gleitgele, die andere Hälfte ohne Diaphragmen bildete die Kontrollgruppe.

Die HIV-Häufigkeit in den beiden Gruppen zeigte keinen signifikanten Unterschied. Die Diaphragma-Gruppe hatte eine HIV-Rate von 4,1 Prozent pro 100 Frauenjahren, verglichen mit 3,9 Prozent in der Kontrollgruppe. Die Forscher stellten fest, dass der Anteil Kondome fordernder Frauen in der Diaphragma-Gruppe deutlich geringer war als in der Kontrollgruppe (54 Prozent gegenüber 85 Prozent). Sie meinen: "Unsere Beobachtung, wonach die geringere Verwendung von Kondomen bei den Frauen mit Diaphragmen keine erhöhte HIV-Infektionsrate zur Folge hatte, verdient weitere Erforschung."

Die Autoren bemerken: "Wir konnten keinen weiteren schützenden Nutzen gegen eine HIV-Infektion feststellen, wenn neben Kondomen und einem umfassenden vor HIV schützenden Maßnahmenpaket zusätzlich Diaphragmen und Gleitgele benutzt wurden." Sie folgern: "Obwohl die Maßnahmen sicher waren, befürworten unsere Ergebnisse die zusätzliche Verwendung von Diaphragmen in gegenwärtigen HIV-Schutzstrategien nicht."

"Frauen, die ihre männlichen Partner nicht von der Verwendung eines Kondoms überzeugen können, benötigen weiterhin dringend eine von ihnen kontrollierte Schutzmaßnahme. Neben der Erforschung von Methoden, die von Natur aus schon wirksamer sind, müssen wir die Instrumente entwickeln, um auch bescheidenste Schutzmaßnahmen beurteilen zu können."

In einem begleitenden Kommentar mahnen Dr. Ronald Gray und Dr. Maria Wawer von der Bloomberg School of Public Health an der Johns Hopkins University in Baltimore: "Von Frauen kontrollierte Methoden des HIV-Schutzes sind dringend notwendig. Unglücklicherweise werden die einzigen erprobten Schutzmaßnahmen bei Erwachsenen von den Männern kontrolliert."

"Padian und Kollegen starteten eine innovative Studie über verfügbaren Maßnahmen, die enttäuschenden Ergebnisse dürfen jedoch nicht von der Erforschung anderer neuer Ansätze abhalten."


Quelle: Nancy S Padian and others. Diaphragm and lubricant gel for prevention of HIV acquisition in southern African women: a randomised controlled trial. Lancet 2007; 370: 10.1016/S0140-6736(07)60950-7

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