ERREGER
Kongressbericht: 25th ICC und 17th ECCMID - 2007

 

Vom 31. März bis zum 3. April fand in München, Deutschland, der "17th European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases" gemeinsam mit dem "25th International Congress of Chemotherapy" (ECCMID/ICC) statt. Wie schon in den Jahren zuvor war der ECCMID 2007 der größte und wohl bedeutendste Kogress zum Thema Infektionskrankheiten in Europa.

Die Konferenz, die rund 8 000 Experten aus der ganzen Welt nach München geführt hat, konnte ein breites Themengebiet abdecken, angefangen bei Diagnose und Prävention bis hin zu Epidemiologie, Pathogenese und Behandlung von Infektionskrankheiten. Spezielle Schwerpunkte wurden auf aufkommende Infektionen, einschließlich der Influenza, Antibiotikaresistenz und Infektionskontrolle gelegt.

Die Bekämpfung von Infektionskrankheiten in Europa

Die weltweiten Herausforderungen und Gefahren, die die europäische Bevölkerung bedrohen, wurden in 147 Sitzungen, Workshops und Symposien sowie in mehr als 1 600 Posterpräsentationen behandelt. Die Veranstaltungen wurden von der European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ESCMID) und der International Society of Chemotherapy (ISC) unter dem Motto „ Joining forces “ gemeinsam organisiert.

Update bakterielle Infektionen:

Im Vordergrund der Symposien, work - shops und Poster Präsentationen standen heuer deutlich die Resistenzen verschiedener Erreger (ESBL, Acinetobacter, Pseudomonas) und im speziellen Staphylokokkus Aureus (MRSA). Einige Symposien zielten auf die Epidemiologie, andere auf die molekularbiologische Detektion versus Kultur andere wiederum auf die Pathophysiologie von S. aureus ab. Der allgemeine Konsens der Experten lautet: Früh richtig diagnostizieren und gezielt therapieren. Aber was sind die Therapeutika der Wahl, beispielsweise im Bereich gram. positiver Infekte? Aufschluß dazu gab das Symposium “Gegenwärtige und zukünftige Therapiestrategien schwerer gram-positiver Infektionen“, das sich wie folgt zusammenfassen lässt:

• Eine Diagnose sollte zum schnellst möglichen Zeitpunkt vorhanden sein: Erstmals muss die Bestätigung des Pathogens Staphylokkokus aureus erfolgen und dann ob eine Methicillin-Resistenz vorhanden ist oder nicht.

• Die Zeit zwischen mikrobiologischer Probeentnahme und Resultat sollte zumindest bei schweren Infekten mit dem Beginn einer antimikrobiellen Therapie genutzt werden.

• Besteht der Verdacht einer MRSA-Infektion sind mehrere Optionen zulässig: Einerseits Aminoglykoside oder Linezolid. Wobei die Therapie mit Linezolid (Zyvoxid) neben einer vergleichbaren Wirksamkeit sowohl pharmakokinetische als auch pharmakoökonomische Vorteile mit sich zieht

• Der Vergleich verschiedener Antibiotika legt den Schluss nahe, dass man mit Linezolid und Clindamycin sowohl ein effektive Bekämpfung des Erregers, sowie seiner gefürchteten Toxine erreicht. Solange noch keine Resistenzen auftreten, was in Anbetracht des innovativen Wirkmechanismus von Linezolid nicht zu erwarten ist, steht in der Klinik mit diesem Antibiotikum eine wirkungsvolle Waffe im Kampf gegen MRSA zur Verfügung

Update Sepsis:

Zahlreiche adjunktive Therapien für schwere Sepsis und septischer Schock wurden in klinischen Studien getestet.
Diese Maßnahmen beinhalten die Gabe von unspezifischen Antiphlogistika oder Immunsuppressiva, Neutralisation von bestimmten Zytokinen, die Stabilisierung der Blutgerinnung, eine Normalisierung des Blutglukose-Wertes, Lipopolysacharid-Inhibitoren und zahlreiche neue Therapieansätze. Dr. J. Cohen erklärte welche neuen Möglichkeiten der Medizin möglicherweise zur Verfügung stehen werden und welche Schwierigkeiten sich bei der Evaluation der Studiendaten zur adjunktiven Sepsistherapie ergeben haben „Die Ergebnisse in der Forschung waren inhomogen, teils sicherlich deshalb weil die Einschlusskritierien bei den Studien zum septischen Schock strenger getroffen werden müssen“ kommentiert Dr. J. Cohen, die in der Vergangenheit häufig begangenen Fehler in der Sepsisforschung

Update virale Infektionen

Der gegenwärtige trend in der Infektiologie geht hin zu einem besseren und schnelleren Detektion und monitoring viraler Infektionen. Zahlreiche molekularbiologische Unternehmen konnten heuer eindrucksvoll vor Ort ihre direkten und undirekten Methoden zum Nachweis verschiedenster Viren wie EBV; HPV, CMV oder HCV präsentieren, und deren Einsatz im Routinelabor scheint immer näher zu rücken.

Vor allem in der HIV Forschung liegt der Schwerpunkt aber auf neuen therapeutischen Ansätzen. Die natürliche Resistenz des Virus nach unterschiedlich lang anschlagender Therapie gegenüber allen bekannten Virustatika erfordert ein ständiges Wettrüsten gegen das Virus um diesen immer neue Medikamente entgegensetzen zu können. Gleichzeitig werden neueste Erkenntnisse vorgestellt, wie beispielsweise eine Schweizer Studie, die eine epidemiologisch signifikante Reduktion der HIV-Transmissionsrate für Männer (60% errechneter protektiver Effekt) nach einer Beschneidung gezeigt hat.

Update Pilzinfektionen:

Viele Beiträge der internationalen Präsentationen fokusierten sich auf die Therapie komplizierter systemischer Mykosen und deren Vor - und Nachteile.
Seit Jahrzehnten gilt Amphotericin B als die Standardsubstanz zur Therapie systemischer Mykosen, obwohl die Behandlung aufgrund der häufigen toxischen Reaktionen bekannterweise problematisch ist. Die besser verträgliche liposomale Zubereitung des Arzneimittels hat sich wegen des extrem hohen Preisniveaus nicht durchsetzen können. So ist verständlich, dass den neuentwickelten Antimykotika besondere Beachtung zukommt.

Kurz nach Einführung von Caspofungin wurde Voriconazol als eine neue Therapieoption bei systemischen Mykosen vorgestellt Nun steht mit VFEND (Voriconazol) ein weiteres, vielversprechendes, neues Antimykotikum zur Verfügung. Voriconazol leitet sich vom Fluconazol ab, besitzt aber neben pharmakokinetischen Voteilen eine deutlich höhere Aktivität gegen Aspergillus niger.

Die sich erfahrungsgemäß als schwierig gestaltende Behandlung von systemischen Mykosen ist mittels Voriconazol einen Schritt näher einer sicheren und wirksamen Therapie zahlreicher Pilzinfektionen. Das therapeutische Spektrum umfasst die Behandlung der invasiven Aspergillose; Behandlung von Fluconazol-resistenten, schweren invasiven Candida-Infektionen (einschließlich durch C. krusei); Behandlung schwerer Pilzinfektionen, hervorgerufen durch seltenene Erreger wie Scedosporium spp. und Fusarium spp.
Voriconazol, ein Breitspektrum-Triazolantimykotikum, ist seit 2002 unter dem Handelsnamen Vfend zur Therapie von Mykosen zugelassen und ist aufgrund seiner Bioäquivalenz sowohl oral als auch parenteral verfügbar.
Aufgrund der gegenüber Amphotericin B signifikant überlegenen klinischen Wirksamkeit und erhöhten Überlebensraten bei invasiven Aspergillosen (53 % vs. 32 %). wird Voriconazol als Mittel der Wahl zur Primärtherapie in dieser Indikation empfohlen, dies gilt aufgrund der guten ZNS-Gängigkeit der Substanz auch bei Aspergillosen des zentralen Nervensystems.
Bei invasiven Candida-Infektionen zeigt Voriconazol mindestens gleichwertige Wirksamkeit gegenüber Amphotericin B optional gefolgt von Fluconazol. Dabei eradiziert Voriconazol Candida spp. gleich schnell aus dem Blutstrom als Amphotericin B.
Die Anreicherung von Voriconazol in Gehirn, Lunge, Milz, Nieren, Herz und Augen, wo höhere Spiegel als im Serum erreicht würden, erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass bereits die Firstline-Therapie bei einer invasiven Mykose Erfolg hat

Da sich derzeit weitere Arzneimittel für systemische Pilzinfektionen in der Entwicklungspipeline befinden, lässt sich absehen, dass sich die Therapiestandards in den kommenden Jahren wesentlich ändern werden

18th ECCMID 2008:

Wie sieht die Zukunft der Infektiologie aus, und welche Neuentwicklungen erwarten uns im kommenden Jahr? Um immer auf dem neuesten Stand der medizinischen Forschung zu sein, werden wohl auch nächstes Jahr am 18 th ECCMID, April 19 – April 22, 2008, in Barcelona, Spanien, zahlreiche Experten und opinion leader der Infektiologie zusammenkommen, mit dem Ziel sich auszutauschen und neue Strategien im Kampf gegen neue und alte Bedrohungen durch Infektionskrankheiten zu entwickeln.

Autor: Dr. Wejbora
Quelle: 17th European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases" und "25th International Congress of Chemotherapy"
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