Wissenschaftler des Instituts für Experimentelle Onkologie am Klinikum rechts der Isar der TU München haben Adenoviren gezielt genetisch verändert und in Tumorzellen eingeschleust, um sich in ihnen zu vermehren und in weiterer Folge zu vernichten, sogar bei jenen Zellen, die gegen herkömmliche Behandlungsmethoden resistent geworden sind. Im Rahmen einer präklinischen Studie soll nun an Tiermodellen die Methode getestet werden.
Vor allem für solide Tumore, für die bisher keine wirksame Therapie zur Verfügung stand, wäre diese Methode sehr hilfreich. PD Dr. Per Sonne Holm, Leiter des Konsortiums, dem neben Wissenschaftlern der TU München auch Forscher der Uniklinik Tübingen und der Charité Berlin angehören, erklärt: "Obwohl in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte bei der chirurgischen Intervention, der Strahlen- und der Chemotherapie erzielt wurden, sind wir bei einigen Tumoren wie beim Pankreaskarzinom oder bei bestimmten Gehirntumoren relativ machtlos. Wir haben daher intensiv nach einer innovativen Strategie gesucht, die hier eine Lösung verspricht. Dabei haben wir uns auf Viren konzentriert, da sie die Eigenschaft haben, sich in Zellen einzunisten und sie dann dazu anregen, weitere Viren zu produzieren. Besonders gut geeignet waren die Adenoviren - zum einen rufen sie wenige Nebenwirkungen hervor, zum anderen kann man sie leicht in großen Mengen herstellen."
Der Schlüssel „YB-1“
Neben ihrer onkolytischen, die Tumorzelle zerstörenden Wirkung haben die untersuchten Adenoviren einen weiteren Vorteil: Sie schwächen vor allem die besonders widerstandsfähigen Tumorzellen. Holm erklärt: "Im Vergleich zu normalen Zellen findet man in Tumorzellen eine erheblich größere Menge eines bestimmten Proteins, YB-1. Dieses Protein ist unter anderem dafür verantwortlich, dass sich die Tumorzellen gegen Medikamente wehren können, die in der Krebsbekämpfung eingesetzt werden. Gleichzeitig spielt durch einen gezielten Eingriff in das Virusgenom das YB-1 aber auch eine zentrale Rolle bei der Vermehrung der in die Zelle eingeschleusten Adenoviren. So können unsere Schnupfenviren die Tumorzellen mit deren eigenen Waffen schlagen."
Quelle: Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München