Serologische Tests sind bei Lyme-Borreliose eine wichtige diagnostische Ergänzung, bringen allerdings nicht in jeder Situation sinnvolle und zuverlässige Informationen. Dr. Martin Glatz, Graz, sprach beim EADV-Kongress über Indikationsbereiche und Limitationen der Serologie.
ELISA und Immunoblot
Die Diagnose der Lyme-Borreliose ist immer eine Synopsis aus klinischer Erfahrung und Labortestung, wobei zwischen direkter (Serologie) und indirekter Messung (Kultivierung von B. burgdorferi bzw. quantitative PCR) sowie Histopathologie unterschieden wird. Der grundlegende serologische Test (ELISA IgG + IgM) zeichnet sich durch hohe Sensitivität aus, die Spezifität ist jedoch niedrig. „Heute sollen nur Tests der dritten Generation verwendet werden“, betonte Dr. Martin Glatz, Grazer Univ.- Klinik für Dermatologie und Venerologie. Ein positives oder unsicheres Ergebnis sollte zur Bestätigung mittels Immunoblot IgG + IgM veranlassen. „Hier beträgt die Spezifität fast 100%.“ Der ELISA ist mit zahlreichen Limitationen behaftet. Glatz: „Falsch-negative Ergebnisse können entstehen, wenn der Test noch vor der Serokonversion erfolgt, außerdem kann die Serokonversion durch eine antibiotische Therapie abgewendet werden.“ Veraltete oder nicht genug evaluierte Testsysteme bringen eine zu niedrige Sensitivität mit sich. Seroprävalenz nach klinisch inapparenter Infektion (bis zu 20% in Europa) bzw. persistierende Antikörper können falsch-positive Ergebnisse bedingen. Diese sind auch als Folge von Kreuzreaktionen mit anderen Spirochäten, polyklonaler Antikörperstimulation (EBV, CMV, Influenza etc.) und Autoimmunerkrankungen (Lupus) möglich. „Negative ELISA-Ergebnisse schließen eine Lyme-Borreliose aus, während positive eine Erkrankung nicht unbedingt beweisen“, fasste Glatz zusammen. Die Latenzperiode bis zur Serokonversion beträgt für IgM 2–5 Wochen, für IgG 3–8 Wochen.
Der Immunoblot erlaubt eine Unterscheidung einer frühen von einer späten Infektion. „Das positive Ergebnis bestätigt nur die Infektion oder eine immunologische Antwort auf B. burgdorferi, beweist aber nicht unbedingt, dass die Symptome auf eine Infektion zurückgehen“, erläuterte Glatz. „Ein negativer Test setzt die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion substanziell herab.“
Keine Testung zum Ausschluss der Infektion
Das klinische Erscheinungsbild (Erythema migrans) reicht per se oft für die Diagnosestellung aus; wenn der Patient in einem Endemiegebiet wohnt und ein Zeckenbiss wahrscheinlich ist, erübrigt sich in Synopsis mit einer typischen Klinik die Serologie. Insgesamt soll eine Serologie nur bei klinischem Verdacht, aber atypischem Erythema migrans sowie bei Verdacht auf Lymphozytom (positiv in >90%) oder Acrodermatitis atrophicans erfolgen. „Als Ausschlusstest bei asymptomatischen Personen oder unspezifischen Symptomen ist sie aufgrund der hohen Gefahr falsch-positiver Ergebnisse nicht geeignet“, so Glatz. Mit der Serologie kann weder die Therapie überprüft noch ein klinisch definitives Erythema migrans bewiesen werden. „Sie sollte nicht als primäre Basis für Therapieentscheidungen dienen.“ Differenzialdiagnostisch können Histopathologie, Kultur und PCR aus Läsionen hilfreich sein. „Die Diagnose einer Acrodermatitis atrophicans basiert auf dem klinischen Bild, der Histopathologie und der Serologie“, erklärte Glatz. „Positive IgG-Antikörper sind eine Conditio sine qua non.“
Bericht: Dr. Judith Moser
Quelle: Jatros Dermatologie 3/07