Die Meticillin-Resistenz von Staphylococcus aureus (MRSA) wurde in den frühen 1960er Jahren erstmals berichtet, die weit verbreitete Resistenz ist jedoch erst in den letzten Jahrzehnten zu einem großen Gesundheitsproblem geworden.
Prof. Hajo Gundermann, Projektleiter des European Antimicrobial Resistence Surveillance System, und seine Kollegen beschrieben in einem kürzlich im Lancet veröffentlichen Artikel die Geschichte und die mikrobiologischen und genetischen Merkmale der MRSA; beispielsweise wie das Bakterium mittels zwei Mechanismen leicht Resistenzen gegen alle Klassen von Antibiotika entwickelt: Indem ein bestehendes Bakteriengen mutiert oder ein Resistenzgen eines anderen Bakteriums durch horizontalen Gentransfer in den Organismus gelangt.
Thema waren auch Schlüsselfragen wie Screening-Programme, mit denen MRSA-Träger identifiziert werden können, und wie community-acquired MRSA (cMRSA, außerhalb von Krankenhäusern auftretend) noch immer von besonderer Dringlichkeit für die öffentliche Gesundheit bleiben, ebenso wie die Bekämpfung der MRSA in Krankenhäusern.
"Wenn sich die cMRSA-Klone durch Übertragung in Populationen auf endemischen Level etablieren können, könnte in vielen Krankenhäusern die MRSA-Situation, die noch immer in vielen Ländern außer Kontrolle ist, brandgefährlich werden", warnt Grundmann. "Die zuständigen Gesundheitsbehörden müssen daher nicht nur Überwachungsmethoden entwickeln, mit denen sich die klonale Dynamik von MRSA über weite geografische Regionen hinweg erfassen lassen. Sie müssen auch die Ressourcen zur Verfügung stellen, mit denen sich MRSA-Träger möglichst früh durch Schnelltests identifizieren lassen. Das Krankenhauspersonal hat die Verantwortung, strikte Kontaktvorkehrungen einzuführen, aufrechtzuerhalten und zu befolgen, sollen Krankenhäuser Orte bleiben, wo Bürger eine Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erhoffen können."
Ein Kommentar im Lancet betonte die Gefahren, cMRSA zu Gunsten von in Krankenhäusern auftretenden MRSA zu vernachlässigen. Prof. Ian Gould vom Aberdeen Royal Infirmary warnt, dass cMRSA-Ausbrüche unabhängig von Krankenhäusern auftreten und nicht einfach aus Hospitälern verschleppt werden. Bisher werde jedoch wenig getan, um diese Ausbrüche in den betroffenen Gruppen zu kontrollieren. Dieser Mangel gefährde jeglichen Erfolg der Anstrengungen, MRSA in Krankenhäusern in den Griff zu bekommen: "Warum unternehmen wir nichts in der Bevölkerung, um diese jüngsten Staphylococcus-Attacken einzudämmen, ganz unabhängig davon, dass es uns auch im Kampf gegen die Krankenhaus-MRSA helfen könnte?", fragt er. "Wenn wir etwas tun wollen, sollten wir jetzt damit beginnen, bevor die momentan noch sporadisch auftretenden Erkrankungen – und wohl auch sporadischen Übertragungen – epidemisch und verbreitete Antibiotika wirkungslos werden", schließt er.
Quelle: Hajo Grundmann et al: Emergence and resurgence of meticillin-resistant Staphylococcus aureus as a public-health threat. Lancet 2006; 368: 874; www.thelancet.de