ERREGER
MedUni Wien: Internationaler Young Researcher Award an Wiener Infektiologen

 

Für seine Leistungen auf dem Gebiet der experimentellen und klinischen Virologie erhielt der Wiener Infektiologe Dr. Christoph Steininger von der MedUni Wien am ersten April eine der renommiertesten Auszeichnungen für junge europäische Forscher auf dem Gebiet der Mikrobiologie und Infektiologie.



Der Young Researcher Award der “European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases” ist die höchste Auszeichnung für junge europäische Forscher auf den Gebieten der Mikrobiologie und Infektiologie und wurde heuer erstmals an einen Österreicher verliehen.

Dr. Christoph Steininger von der Klinischen Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin der Medizinischen Universität Wien erhielt die Auszeichnung für seine Arbeiten zum Cytomegalievirus, das in vielen Krankheitsbildern eine wesentliche Rolle spielt.


Cytomegalievirus-Infektionen bei Patienten mit Störungen des Immunsystems


Das Cytomegalievirus (CMV) gehört zur Familie der Herpesviren und ist beim Menschen weit verbreitet. Die meisten CMV-Infektionen verlaufen ohne Beschwerden, insbesondere bei Menschen mit gesundem Immunsystem. Immunkompromittierte PatientInnen z.B. nach Organtransplantation oder mit einer Infektion durch das Humane Immundefizienz Virus (HIV), haben eine hohes Risiko für sehr schwere Verlaufsformen dieser Virusinfektion. Vor allem PatientInnen, die noch keinen Kontakt mit CMV hatten, aber ein Organ von einem CMV-infizierten Spender erhalten, sind durch CMV-Erkrankungen gefährdet. Impfstoffe, die vor der Transplantation eine Immunität erzeugen könnten, sind bislang nicht verfügbar. Diese PatientInnen erhalten daher meist prophylaktisch antivirale Medikamente über mehrere Monate. Dr. Steininger fand jedoch Hinweise, dass diese antiviralen Medikamente die Reifung des Immunsystems nach CMV-Infektion negativ beeinflussen können.
Auch bei HIV-infizierten PatientInnen spielt CMV eine nicht unwesentliche Rolle: In der Literatur wurden mehrere unterschiedliche CMV Subtypen (Genotypen) beschrieben. Immunität gegen einen der Subtypen verleiht nur bedingt Schutz vor Infektion durch einen anderen Subtypen, so dass eine mehrmalige CMV Infektion möglich ist. HIV-infizierte PatientInnen tragen häufig mehrere Subtypen in sich und sind auch häufiger CMV-infiziert als die Normalbevölkerung (~95% gegenüber ~60%). Christoph Steininger untersuchte bei HIV-infizierten PatientInnen mit CMV-Enzephalitis die CMV Subtypen, die bei den Betroffenen nachweisbar waren. Überraschenderweise fanden sich in beinahe der Hälfte der untersuchten Proben völlig neue, bisher nicht beschriebene CMV Subtypen. Die detaillierte Analyse dieser neuen Subtypen zeigte, dass es sich sehr wahrscheinlich um die Rekombination aus zwei unterschiedlichen Subtypen handelte. Die Vermehrung unterschiedlicher Viren innerhalb eines Individuums kann offensichtlich zur Entstehung neuer CMV Subtypen führen, wie es für Grippenviren bereits beschrieben wurde.
Steininger konnte das CMV auch als Auslöser einer verbreiteten Lähmungserkrankung, dem „Guillain-Barré-Syndrom“ nachweisen. Das Syndrom ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch eine aufsteigende, schlaffe Lähmung auszeichnet und in schweren Fällen bis zur Lähmung der Atemmuskulatur führen kann. Seit der beinahe - Elimination der Poliomyelitis ist diese Erkrankung die häufigste Form der schlaffen Lähmung und betrifft etwa zwei unter 100000 Menschen jährlich. Cytomegalievirus wurde seit langem als möglicher Auslöser für diese schwerwiegende Erkrankung verdächtigt, zwei Studien von Dr. Christioph Steininger konnten diesen Verdacht erstmals erhärten.


Kurzbiographie:


Christoph Steininger, 1973 in Steyr/OÖ. geboren, studierte an der Karl-Franzens Universität in Innsbruck Humanmedizin (1992-1998). 1998 erwarb er mit der Dissertation zum Thema „Penicillintoleranz bei der akuten Streptokokkenpharyngitis“ den Titel Dr. med. Im Anschluss begann er die Ausbildung zum Facharzt für Virologie und Immunologie am Institut für Virologie der Medizinischen Universität Wien, die er im November 2006 mit der Facharztprüfung abschloss. Die Facharztausbildung in Innerer Medizin mit Schwerpunkt Infektiologie begann er im Jänner 2003 an der Medizinischen Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf und setzte diese an der Medizinischen Universität Wien im August 2005 fort. Dr. Steininger hat als Erstautor 12 Arbeiten, ausschließlich in renommierten internationalen Fachzeitschriften, publiziert, für seine Arbeiten erhielt er angesehene Wissenschaftspreise wie den Unilever Preis 2001 der Österr. Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin und den Abbott Diagnostic Award 2005 der European Society for Clinical Virology.
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