Eine schnelle und zuverlässige Diagnose ist essentiell für Verlauf und Therapie von Erkrankungen. Besonders bei Verdacht auf HIV-Infektionen ist eine schnelle und sichere Diagnose für Betroffene von Bedeutung und erspart oft quälende Wartezeiten. Seit dem Beginn der HIV-Diagnostik bis heute hat sich die Sensitivität der verschiedenen Testverfahren erhöht und gleichzeitig die Dauer in den Bereich von Stunden verkürzt. Jetzt sollen Tests fertig gestellt werden die nicht mehr als 20 Minuten für eine Diagnose benötigen.
Wie viele Menschen in Österreich wirklich mit dem HIV-Virus leben, ist unbekannt. Da eine HIV-Infektion nicht meldepflichtig ist, wird die Dunkelziffer auf 12.000 bis 15.000 Menschen geschätzt. Ungeschützter sexueller Kontakt und intravenöser Drogenkonsum sind nach wie vor die Hauptgründe für die HIV-Übertragung, aber auch medizinisches Personal ist oft mit dem Problem eines „falschen Nadelstichs“ konfrontiert. Dieser kurze Moment der Unachtsamkeit hat für die Betroffenen ein stundenlanges Bangen um Laborergebnisse zur Folge. Schnelligkeit ist hier, wie auch allgemein in der Diagnostik, der Schlüssel zur effizienteren und speziell patientenfreundlicheren, Vorgehensweise.
Die HIV-Infektion wird in der Regel indirekt über den Nachweis virusspezifischer Antikörper diagnostiziert (zB. ELISA). Diese Marker der humoralen Immunreaktion sind bei allen HIV-Infizierten nachweisbar.
Für quantitative Tests gibt es verschiedene kommerzielle und im Alltag einsetzbare Methoden. Diese basieren auf der Polymerase-Kettenreaktion (PCR), der branched-DNA (b-DNA)-Methode, der Nukleinsäure-Sequenz-basierten Amplifikation (NASBA), der Ligase-Kettenreaktion (LCR) oder dem quantitativen Nachweis der Reversen Transkriptase-Aktivität. Sowohl als prognostischer als auch als therapeutischer Marker ist sie mittlerweile aus der Klinik nicht mehr wegzudenken.
Eine schweizer Technologiefirma, die auf medizinische Produkte spezialisiert ist, hat nun ein molekulares Messgerät entwickelt, mit dem sich medizinische Tests massiv beschleunigen lassen. Statt mehreren Stunden soll man künftig als Betroffener nur noch 20 Minuten auf eine Laboranalyse warten müssen. Möglich macht dies ein voll automatisiertes handliches Diagnose- und Testgerät. Mit der so genannten "Magnetphasen-Technologie", welche den Einsatz von flüssigen Mikro-Chips und magnetischen Nanopartikeln kombiniert, können im Blut oder Speichel Krankheitserreger in Echtzeit entdeckt und decodiert werden.
Parallel zu den Anstrengungen europäischer Firmen ist auch der amerikanische Markt sehr an einer Entwicklung neuer diagnostischer Methoden interessiert, und erste Ergebnisse von Studien und Prototypen sind innerhalb der nächsten Monate aus der Schweiz, oder möglicherweise aus den USA, zu erwarten.
Autor: Dr. M. Wejbora
Quelle: Presseaussendung, 31.08.2006