INFEKTIONEN
Meningokokken: konsequentes Impfen ist die beste Vorsorge [17.3.2008]

 

Meningokokken- Infektionen stellen ein massives Gesundheitsproblem dar, daher wurde bereits vor fünf Jahren die „ Initiative Meningokokken“ von österreichischen Medizinern ins Leben gerufen, die sich seither der konsequenten Information und Aufklärung über die Risiken der Meningokokken- Infektion widmet. Beim gemeinsamen Pressegespräch am 11.3.2008 referierten Univ.- Prof. Dr. M. Kunze, Vorstand des Instituts für Sozialmedizin Universität Wien; Univ.-Prof. Dr. I. Mutz, Vorsitzender des Impfausschusses des Obersten Sanitätsrates; Univ.-Prof. Prim. Dr. K. Zwiauer, Vorstand der Kinder- und Jugendabteilung Landesklinikum St. Pölten und Frau Dr. Christiane Körner, Vizepräsidentin der österreichischen Apothekerkammer. über die aktuellen Entwicklungen.

Zwischen 2002 und 2007 haben sich in Österreich nach Angaben der nationalen Referenzzentrale für Meningokokken, insgesamt 412 Menschen mit Meningokokken infiziert.(123 an Meningokokken C, 289 an Meningokokken B). Es verstarben 27 Menschen und ca 20% der Erkrankten leiden an den Spätfolgen der Infektion, wie Schwerhörigkeit, Hirnschäden, Verlust von Gliedmaßen etc.

80% der infizierten Menschen sind jünger als 20 Jahre, 38% jünger als 4 Jahre. In der Altersgruppe unter 4 Jahren war 2006 die Serogruppe C für 33% aller österreichischen Meningokokken- Fälle verantwortlich, doppelt so viele wie 2005.
Eine weitere Hochrisikogruppe sind Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren: mit insgesamt 94 Fällen ( 41 Meningokokken C, 53 Meningokokken B) stellt diese Gruppe etwa 23% aller Krankheitsfälle, was natürlich auch weitgehend mit dem Sozialverhalten und der Lebensweise in diesem Alter zu tun hat. Dazu gehören aktives und passives Rauchen, Partys, gemeinsames Benutzen von Trinkgläsern, Matura und Sprachreisen.
Generell besteht in Gemeinschaftseinrichtungen, wie Kindergärten, Studentenheimen und Kasernen ein erhöhtes Infektionsrisiko, da enger Kontakt die Übertragung erleichtert.

Das Erregerreservoir der Meningokokken ist ausschließlich der Mensch. Im europäischen Raum sind durchschnittlich 10% der Menschen asymptomatische Träger von Meningokokken im Nasen-Rachenraum, das heißt, dass sie zwar selbst nicht erkranken, die Erreger jedoch können durch Tröpfcheninfektion rasch auf andere Menschen übertragen werden.

In Österreich spielen hauptsächlich zwei Serotypen der Meningokokken eine Rolle: B und C.
Gegen die Serogruppe C gibt es einen effektiven Impfschutz, auch für Säuglinge und Kleinkinder. Gegen Erreger der Serogruppe B konnte bisher noch kein Impfstoff gefunden werden, hier hilft nur Früherkennung, die nicht immer einfach ist, da am Beginn der Erkrankung meistens uncharakteristische Allgemeinbeschwerden stehen.
Neue Studiendaten belegen, dass rund 30% der Todesfälle sich innerhalb von sechs Stunden nach Aufnahme in ein Spital ereignen.
Es stehen derzeit zwei Impfstoffe zur Verfügung: einerseits ein tetravalenter (A, C, W und Y) Polysaccharid- Impfstoff. Dieser Impfstoff ist unerlässlich bei Fernreisen in den afrikanischen und asiatischen Raum, wo andere Bakterienstämme verbreitet sind.
Der Impfschutz beim Erwachsenen hält hier nur 3 Jahre, der Schutz gegen die Meningokokken C ist also zeitlich befristet, und müsste regelmäßig erneuert werden.Außerdem ist bei diesem Impfstoff eine Immuntoleranz zu beobachten, das heißt es konnte bei wiederholter Impfung mit dem Polysaccharid Impfstoff eine abnehmende bzw. reduzierte Immunantwort beobachtet werden.
Für Kinder unter 2 Jahren ist dieser Impfstoff nicht geeignet, da es nicht zu einer ausreichenden Antikörperbildung kommt und daher kein Impfschutz aufgebaut werden kann.

Einen großen Nutzen dagegen bringt der „Konjugat-Impfstoff“ gegen Meningokokken C: Der Konjugat-Impfstoff führt zu lang anhaltendem Impfschutz(10 Jahre und mehr),nahezu 100% Impfschutz, es entwickelt sich keine Immuntoleranz und er bietet auch Säuglingen ab dem 2. Lebensmonat einen wirksamen Impfschutz.Zudem wird dieser Impfstoff sehr gut vertragen.

Empfehlung Österreichischer Impfplan 2008

Erstimmunisierung mit einem konjugierten Meningokokken C Impfstoff, ab dem vollendetem 2. Lebenmonat möglich
Generell ist die Impfung gegen Meningokokken jedem zu empfehlen, der sich zuverlässig schützen möchte, besonders anzuraten ist die Impfung bei Jugendlichen vor Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen, wie Studentenheime, Kasernen etc.
Bei Epidemien wird die Impfung neben der Antibiotikaprophylaxe für gefährdete Personen empfohlen- unter Berücksichtigung der jeweiligen Empfehlungen der Sanitätsbehörden.
Exponiertes Personal (Labor, Intensivmedizin, Pädiatrie) sollte geimpft werden, ebenso wie Personen mit einem beeinträchtigten Immunsystem.
Bei entsprechender Indikation (Fernreisen) sollte nach Erstimmunisierung mit einem konjugiertem Impfstoff nach einem Mindestabstand von 2 Monaten- jedoch frühestens nach Vollendung des 2. Lebensjahres- durch eine Impfung mit tetravalentem Polysaccharid- Impfstoff ergänzt werden.

Quelle: Pressegespräch Initiative Meningokokken, 11.3.08, Hotel Bristol, Wien

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