INFEKTIONEN
Mumps in Österreich

 

Nach mehr als einem Jahrzehnt nur sehr geringer Mumpsvirusaktivität in Österreich hat dieses Virus 2006 wieder ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben.

Seinen Anfang nahm dieser Mumpsausbruch sehr wahrscheinlich auf einer Osterparty im Kärntner Drautal, an der etwa 400–500 vor allem junge Personen teilgenommen haben. Etwa drei Wochen später kam es zum gehäuften Auftreten von Parotitiden bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, deren serologische Abklärung die Verdachtsdiagnose Mumps bestätigte. Bisher ist Mumps keine meldepflichtige Erkrankung in Österreich. Nur durch die gute Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft, den Gesundheitsbehörden/dem Ministerium und unserem Institut sowie der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährung (AGES) konnte durch gezielte Information und Impfkampagnen der Ausbruch beherrscht und beendet werden. Die genauere Erhebung der epidemiologischen Daten ergab, dass insgesamt 227 Erkrankungsfälle in fünf Bundes ländern registriert werden konnten, der Großteil davon in Kärnten, gefolgt von Wien und Niederösterreich. Betroffen waren Adoleszente und junge Erwachsene, vor allem die Twens, Männer häufiger als Frauen. In 171 Fällen konnte der Impfstatus erhoben werden. Dabei zeigte sich, dass 49% der Erkrankten nicht und 39% nur einmal gegen Mumpsgeimpft waren. In 36 Erkrankungsfällen traten Komplikationen auf, am häufigsten Orchitiden, gefolgt von Meningitiden und Pankreatitiden. Mumpsviren sind hoch infektiös und werden durch Schmier- und Tröpfcheninfektion übertragen. Seit 1974 stehen in Österreich attenuierte Mumpslebendimpfstoffe zur Verfügung. Leider verdeutlicht dieser Ausbruch, dass in unserem Land noch große Impflücken insbesondere bei den jungen Erwachsenen bestehen und wir noch keine ausreichende Herdenimmunität haben, um die Mumpsviruszirkulation zu unterbrechen.

Univ.-Prof. Dr. Heidemarie Holzmann
Klinisches Institut für Virologie
Medizinische Universität Wien
Kinderspitalgasse 15
1095 Wien
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