INFEKTIONEN
1. Europäischer Antibiotikatag am 18. November 2008 [8.10.2008]

 

Europaweit wird am 18. November 2008 erstmals ein jährlich zu wiederholender Antibiotikatag veranstaltet werden. Der Europäische Antibiotikatag ist eine Initiative des ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) in Zusammenarbeit von Institutionen der EU und deren Mitgliedsstaaten, der
WHO und vielen anderen wichtigen Stakeholders wie der ESCMID (European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases) und der CPME (Standing Committee of European Doctors) Dieser „Antibiotic Resistance Awareness Day“ hat die Bewusstseinsbildung in den betroffenen Fachgruppen sowie in der Bevölkerung hinsichtlich eines sinnvollen Gebrauchs von Antibiotika zum Ziel.


Unterstützt wird diese Kampagne durch einen aktuellen Beschluss des Europäischen Rates, mit dem sich die EU-Mitgliedstaaten zu Maßnahmen betreffend der Überwachung der Antibiotikaresistenz sowie des vernünftigen Einsatzes von Antibiotika verpflichten. Das Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend organisierte daher gemeinsam mit dem Nationalen Referenzzentrum für nosokomiale Infektionen und Antibiotikaresistenz (Prof. Mittermayer, KH der Elisabethinen) einen Workshop, zu dem alle Interessensvertreter und -innen eingeladen waren, ihre geplanten Aktionen vorzustellen. Ziel war dabei, die Aktivitäten zu bündeln und somit Synergie-Effekte zu nutzen.

Ergebnisse:

Das ECDC assessment beschrieb die österreichische Situation hinsichtlich Antibiotikaresistenzentwicklung und – verbrauch als durchaus zufriedenstellend und beurteilte die bisher gesetzten Maßnahmen als positiv. Allerdings wird hervorgehoben, dass das politische Commitment verstärkt werden muss: da es
sich bei der Resistenzprävention und -bekämpfung um eine sehr komplexe Materie handelt, in welche verschiedenste Institutionen und Interessensvertreter
und –innen involviert sind, ist die effektive Koordination der Aktivitäten und Maßnahmen auf höchstrangiger Ebene, dem Gesundheitsministerium, notwendig.
Dieses sollte daher eine nationale Strategie entwickeln, welche alle Aktivitäten und Initiativen bündelt und klare Ziele mit Zeitplan für die nächsten fünf Jahre
formuliert.
Aus der Tätigkeit des Nationalen Referenzzentrums für nosokomiale Infektionen und Antibiotikaresistenz lassen sich für Österreich folgende Problembereiche ableiten:
• Stark ansteigende Resistenzraten bei invasiven Escherichia coli-
Infektionen gegenüber Fluorochinolonen (2001: 7 %; 2007: 26 %) und
Drittgeneration Cephalosporinen (2001: 0 %; 2007: 9 %)
• Parallel dazu seit 1998 ein starker Anstieg des Verbrauchs von
Fluorochinolonen im ambulanten Bereich (1998: 3,1 Mio. definierte
Tagesdosen; 2007: 4,3 Mio. definierte Tagesdosen) und ein sehr hoher Anteil des Verbrauchs von Drittgeneration Oral-Cephalosporinen im ambulanten Bereich mit steigender Tendenz

Darüber hinaus sehen die Mitglieder der Arbeitsgruppe AntibiotikaresistenzÜberwachung des BMGFJ (AMR-ISCM) dringenden Handlungsbedarf um zu verhindern, dass die Situation außer Kontrolle gerät. Maßnahmen zur angemessenen Verwendung von Fluorochinolonen und Drittgeneration Oral-Cephalosporinen sind dringend geboten. Insgesamt handelt es sich hier um längerfristige Interventionen, welche mit allen beteiligten Interessensvertretern und -innen gemeinsam geplant und durchgeführt werden müssen, um Nachhaltigkeit zu garantieren.

Hinsichtlich konkreter Vorbereitung des Antibiotikatag 2008 wurde mit diesem Workshop Folgendes erreicht:

1. es ist gelungen, alle Interessensvertreter und -innen für eine koordinierte Vorgangsweise zu gewinnen
2. die Ärzte- und Apothekerkammer kündigte konkrete Informationskampagnen an
3. es wurden drei Arbeitsgruppen zu folgenden Themen gegründet:
4. die Arbeitsgruppe Situationsanalyse wird an die bisherigen Datenauswertungen des Nationalen Referenzzentrums und des Hauptverbandes anknüpfen und ein Konzept für die Datensammlung für den ambulanten Bereich (Resistenz) und den Langzeitpflegebereich (Resistenz und Verbrauch) erarbeiten.
5. die Arbeitsgruppe Information, Kommunikation und Motivation (Public Relation) erstellt ein Kommunikationskonzept für den niedergelassenen Bereich mit besonderer Berücksichtigung städtischer und ländlicher Regionen.
6. Die Zusammenarbeit zwischen Humanmedizin und Veterinärmedizin bei der Untersuchung von Antibiotikaresistenzen ist in Österreich seit 4 Jahren gut etabliert. Als Resultat dieser gemeinsamen Anstrengungen plant daher die Arbeitsgruppe Veterinärwesen des BMGFJ einen Beitrag zum Europäischen Antibiotikatag.

Weitere Vorgangsweise

Am 14.10.2008 findet der 2. Workshop wiederum als Kooperation des BMGFJ mit der nationalen Referenzzentrale statt. Dabei werden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen vorgestellt, die daraus resultierenden konkreten Aktionen
besprochen und das Programm des Antibiotikatages 2008 festgelegt. Bereits jetzt bekannte Aktivitäten sind:
• Die europaweite Vorstellung der aktuellen epidemiologischen Daten aus den Projekten des ECDC, eine Plakataktion initiiert durch die ABS Group gemeinsam mit dem BMGFJ, die
• Integration weiterer Aktivitäten der ABS-Group
• ein österreichisches EARSS/ESAC/EUCAST-Symposium im Herbst 2008

• eine bilaterale Konferenz Österreich-Ungarn auf Einladung der CMOs
• ein veterinärmedizinischer Antibiotika-Workshop (BMGFJ) am
18.11.2008
• Pressearbeit durch das BMGFJ und das Nationales Referenzzentrum,
• eine Stellungnahme der AG AMR des BMGFJ sowie
• lokale Aktivitäten wie etwa „Labs go public“ durch EARSS/ESAC
Labors/Krankenhäuser und Antibiotikabeauftragte in den Spitälern
informieren Ärzt und innen und Öffentlichkeit

Darüber hinaus wird vom BMGFJ gemeinsam mit der Referenzzentrale ein nationaler Plan für eine nachhaltige gesamtösterreichische Antibiotika-Strategie entwickelt, wie es der Beschluss des Europäischen Rates vorsieht. Der 1. Europäische Antibiotikatag ist also nur der Auftakt zu einer Reihe von Aktivitäten innerhalb eines nationalen Rahmenkonzeptes, welches im Laufe der nächsten Jahre umgesetzt wird.

Quelle: BMGFJ- Workshop: 1.europ. Antibiotikatag 18.11.2008-österr. Aktivitäten; Strauss R.1; Sagl M.1; Mittermayer H.2; Metz-Gercek S.2; Murcel R.1; Hrabcik H.1

1 österreichisches. Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend
2 nationales Referenzzentrum f. nosokomiale Infektionen und Antibiotikaresistenzen, KH d. Elisabethinen, Linz

Weitere Informationen und Literatur:

http://ecdc.europa.eu/
http://www.escmid.org/sites/index.aspx
http://www.cpme.be/
http://www.consilium.europa.eu/ueDocs/cms_Data/docs/pressData/en/lsa/10103

Strauss R, Mittermayer H,Tüll P, Monnet DL, Wechsler-Fördös A, Sagl M, Metz S,
Muchl R, Hrabcik H. Antimikrobielle Resistenz – Zusammenarbeit des
BMGFJ mit dem European Centre for Disease Prevention and Control
(ECDC). MittSanitVerwalt 108(8): 6-8
Strauss R, Muchl R, Metz-Gercek S, Sagl M, Allerberger F, Hrabcik H, Mittermayer
H. AURES – the first Austrian report on antimicrobial resistance –
perspective of the human sector. Euro Surveill. 2007;12(50):pii=3329.

Available online:
http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=3329 http://www.escmid.org/sites/index_f.aspx?par=2.4




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