INFEKTIONEN
Natürliche Killer-Zellen gegen Krebszellen aktiviert [16.01.2008]

 

Immunologen der Universitätsmedizin Göttingen haben nun festgestellt, dass Tumorzellen, die so verändert wurden, dass sie große Mengen des Stressproteins HSP70 herstellen in Mäusen langsamer wachsen als Kontrollzellen. Darüber hinaus bildeten die HSP70 produzierenden Tumoren keine Metastasen mehr. Das Forscherteam um Privatdozent Dr. Ralf Dressel konnte diesen Effekt auf eine Aktivierung von so genannten Natürlichen Killer (NK)-Zellen durch HSP70 aus den Tumoren zurückführen. Diese Zellen können Tumorzellen töten, wenn diese bestimmte Merkmale auf ihrer Zelloberfläche aufweisen.

Die MBM ScienceBridge GmbH, die Technologietransferorganisation der Georg-August-Universität Göttingen hat einen Lizenzvertrag zwischen der Universitätsmedizin der Georg-August-Universität Göttingen und der Firma multimmune GmbH vermittelt. Die Universitätsmedizin Göttingen erhält dafür finanzielle Leistungen, die neben den Wissenschaftlern, auch der Forschung in deren Abteilung zu Gute kommen. Inhalt des Vertrages ist eine von PD Dr. med. Ralf Dressel, Abteilung für Zelluläre und Molekulare Immunologie, entwickelte neue Tumortherapie mittels Natürlicher Killer (NK-)Zellen.

Tumorzellen sind im Körper häufig Stress ausgesetzt, beispielsweise weil sie nicht optimal mit Sauerstoff oder Nährstoffen versorgt werden. Sie reagieren mit der Produktion bestimmter „Stressproteine“, die den Zellen helfen trotz der nachteiligen Bedingungen zu überleben. Diese Stressreaktion von Tumorzellen kann eine Tumortherapie erschweren, weil sie auch die Resistenz der Tumoren gegenüber einer Chemotherapie erhöhen kann. Auf der anderen Seite ist in den letzten Jahren klar geworden, dass einige dieser Stressproteine das Immunsystem aktivieren und es so auf eine Gefahr für den Körper aufmerksam machen können. Solche Moleküle werden dann als immunologische Gefahrensignale bezeichnet.

„Wir haben in Frage kommende Merkmale untersucht und festgestellt, dass in den Tumoren weitere stress-induzierbare Moleküle, so genannte NKG2D-Liganden, produziert werden, die von aktivierten NK-Zellen erkannt werden und die die NK-Zellen veranlassen die Tumorzellen zu töten“, sagt Dressel. HSP70 wird durch zellulären Stress induziert, der die Funktion von Proteinen beeinträchtigt, während NKG2D-Liganden durch Stresssignale, die die DNA verändern, zur Expression an der Zelloberfläche gebracht werden. Die Stressproteine HSP70 und NKG2D-Liganden, die auf verschiedene Stresssignale reagieren, können in Mäusen gemeinsam das Immunsystem gegen Tumore aktivieren und so eine Metastasierung von Tumoren vermeiden.

Diese Erkenntnisse, die gemeinsam von Wissenschaftlern der Abteilungen Zelluläre und Molekulare Immunologie, Hämatologie und Onkologie, Genetische Epidemiologie und Medizinische Statistik der Universitätsmedizin Göttingen, sowie der Technischen Universität München, der Universität Würzburg und des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen gewonnen wurden, wurden im Journal of Immunology veröffentlicht (15.10.2007).

Das Team um Dressel untersucht nun auch die Aktivierung menschlicher NK-Zellen durch HSP70 und hofft, dass diese Zellen in Zukunft genutzt werden können, um menschliche Tumoren zu therapieren, die NKG2D-Liganden aufweisen. „Damit könnten sich neue Perspektiven der Immuntherapie bestimmter Tumorarten ergeben“, sagt Dressel. Die Erkenntnisse der Göttinger Forscher wurden von der Technologietransfer-Gesellschaft der Universität Göttingen MBM ScienceBridge GmbH zum Patent angemeldet und an das Münchner Unternehmen multimmune GmbH lizenziert. Die multimmune GmbH ist ein junges Unternehmen, das sich mit der Entwicklung neuer Immuntherapien für Krebs und Infektionskrankheiten befasst. Die Göttinger Forscher werden daher ihre Arbeit gemeinsam mit den Wissenschaftlern dieses Unternehmens fortsetzen. Sie hoffen, dass auf diese Weise neue wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die klinische Erprobung gelangen können.

Quelle: MBM ScienceBridge
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