Niedrig dosierte Vogelgrippe-Impfung erfolgreich

 

Ein neu entwickelter Impfstoff gegen das Vogelgrippe-Virus H5N1 kann bei gesunden Menschen in niedriger Dosierung eine sichere Immunantwort hervorrufen. Diese bereits in geringer Dosis effektiven Impfstoffe sind notwendig, um im Falle einer Pandemie mehr Menschen impfen zu können.

Impfstoffe gegen eine pandemische Vogelgrippe werden weltweit von mehreren Medikamentenherstellern entwickelt und klinisch getestet. Bei einer früheren publizierten Studie stellten Forscher fest, dass 30 Mikrogramm eines Impfstoffs beim Menschen eine ausreichende Immunantwort hervorriefen. Diese in zwei Portionen verabreichte Impfung enthielt Partikel des H5N1-Virus sowie ein Adjuvans. Allerdings würde eine doppelt verabreichte 30 Mikrogramm-Impfung unter den gegebenen Produktionsbedingungen für gerade 225 Millionen Menschen ausreichen.

Im jüngsten Versuch testeten chinesische Forscher die Wirksamkeit eines Impfstoffs, der eine modifizierte Version des gesamten H5N1-Virus sowie ein Adjuvans enthielt. Wie bereits bekannt ist, lösen Impfstoffe, die ganze Viren enthalten, eine stärkere Immunantwort aus als jene mit Viruspartikeln. Allerdings verursachen sie auch häufiger Nebenwirkungen.

Die Forscher testeten an 120 randomisierten Freiwilligen im Alter von 18 bis 60 Jahren entweder eine zweimalige Placebo-Gabe oder den Ganzvirus-Impfstoff in 1,25, 2,5 oder 10 Mikrogramm-Dosierungen zuzüglich des Adjuvans Aluminiumhydroxid. Nach 56 Tagen stellten die Forscher fest, dass alle Rezepturen eine Antikörperproduktion auslösten, die beste Reaktion nach doppelter Impfung jedoch in der 10-Mikrogramm-Gruppe auftrat. Dieser 10-Mikrogramm-Impfstoff erfüllte alle behördlichen Auflagen für die Zulassung als Vogelgrippe-Impfstoff in Europa. Schmerzen, Schwellungen und Fieber waren die häufigsten Nebenwirkungen, wobei es jedoch bezüglich der Häufigkeit der Nebenwirkungen keinen Unterschied zwischen der Impf- und der Placebo-Gruppe gab. Ebenso hatte der Ganzvirus-Impfstoff Nebenwirkungen nicht häufiger zur Folge als das Pendant aus Viruspartikeln.

Der Autor der Studie, Weidong Yin von der Sinovac Biotech co. LTD in Peking, bemerkt: "Während einer Pandemie würde der Bedarf an Grippe-Impfstoffen deren Herstellungskapazitäten bei weitem übersteigen. Diese Situation veranlasste die WHO daher zur verstärkten Erforschung von dosisreduzierenden Strategien, darunter auch die Anwendung von Ganzvirus-Impfstoffen und verstärkenden Hilfsmitteln. Unser Versuch legt nahe, dass ein nach beiden Ansätzen entwickelter und produzierter H5N1-Impfstoff gute Verträglichkeit und immunogene Wirkung zeigt."

Nach Meinung der Autoren ist die Erprobung eines adjuvantierten 'H5N1-whole-virus'-Impfstoffs bei einer großen Anzahl von Testpersonen, darunter auch Älteren und Kindern, notwendig.

In einem begleitenden Kommentar stellte Iain Stephenson vom Royal Infirmary in Leicester fest: "Diese Ergebnise kennzeichnen einen möglichen dosisreduzierenden Ansatz, der für die weltweite Versorgung mit einem Pandemie-Impfstoff entscheidend werden könnte."


Quelle: Jiangtao Lin et al: Safety and immunogenicity of an inactivated adjuvanted whole-virion influenza A (H5N1) vaccine: a phase I randomised controlled trial. Lancet 2006; 368: 10.1016/S0140-6736(06)69294-5. http://www.thelancet.de
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