INFEKTIONEN
Rechtshänder anfälliger für Erkältungs- und Grippeerkrankungen Rotterdam

 

Ein überraschendes Ergebnis brachte eine breit angelegte Studie der Erasmus Universität Rotterdam über drei Jahre. Rechtshänder erkranken übersignifikant öfter im HNO-Bereich als Linkshänder. Als Ursache wird der Umstand vermutet, dass Rechtshänder dieselbe Hand zum Grüßen verwenden, mit der sie auch mit dem eigenen Mund in Berührung kommen.

Eine Feldstudie der medizinischen Fakultät der Erasmus Universität Rotterdam (Erasmus MC, Universitair Medisch Centrum) hat ein überraschendes Ergebnis bezüglich des Einflusses der Rechtshändigkeit auf die Krankheitsanfälligkeit von Menschen gebracht. Die beiden Forscher Marc Michels und Rinus van Baasten haben drei Jahre hindurch tausend Personen auf ihre Anfälligkeit auf Influenza und einfacher Rhinitis untersucht. Die Auswertungen wurden getrennt nach rechtshändigen und linkshändigen Probanden durchgeführt und führten zu einem erstaunlichen Resultat.

Innerhalb von drei Jahren (2003–2005) erkrankten 67 Prozent der Rechtshänder, aber nur 23 Prozent der Linkshänder an Rhinitis oder Influenza. Die Forscher vermuten, dass der unterschiedliche Erkrankungsfaktor auf eine triviale Ursache zurückzuführen ist. Die häufigste Ansteckung erfolgt durch Eintrag von Bazillen und Viren über die eigene Hand. Zum Mundabwischen oder für andere Aktivitäten, bei denen die Hand mit Speichel in Berührung kommt, nehmen Rechtshänder jene Hand, die sie auch zum Grüßen verwenden, also die rechte. Linkshänder hingegen passen sich beim Händedruck in aller Regel an die Konvention an, geben also ihrem Gegenüber die rechte Hand, bringen diese aber in der Folge seltener mit Gesichtsteilen in Berührung, sondern verwenden hier die linke Hand.

So einfach das Erklärungsmuster auch ist, enthält es doch eine wichtige Information für die Gesundheitspolitik. Für Rechtshänder ist es wichtig zu wissen, dass sie jeden Kontakt mit ihrem eigenen Mund ausschließlich der linken Hand überlassen sollten, auch wenn das mühsamer ist. Doch der Schutz vor Erkältungskrankheiten sollte diese Anstrengung wert sein.
Die Grippe-Zahlen auch in Österreich sprechen dafür: Rund eine Million Österreicher erkranken laut Aussage des „Diagnostischen Influenza Netzwerk Österreich“ jährlich an der ansteckenden Viruserkrankung. Millionen von Arbeits- und Schultagen gehen verloren und zahlreiche Betroffene müssen ärztliche Leistungen in Anspruch nehmen. Für 2.500 Patienten pro Jahr endet die Influenza tödlich.

Die dank ihrer Linkshändigkeit besser geschützten Personen machen nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus. Lediglich zwei Prozent aller Menschen können beide Hände gleich gut benutzen, der große Rest ist mit der rechten Hand geschickter. Warum das so ist, darüber sind sich die Wissenschaftler noch nicht im Klaren. Als wahrscheinliche Ursache für die Linkshändigkeit gilt eine angeborene rechtshemisphärische Hirnhemisphärendominanz. Die Auswirkungen der Dominanz der rechten Hirnhälfte sind noch nicht in allen Einzelheiten bekannt und erforscht.
Genetische Ursachen für die Linkshändigkeit sind wahrscheinlich. Bei der Forschung nach den Vererbungsmustern trifft man jedoch immer wieder auf unerklärliche Schwierigkeiten: Unter eineiigen Zwillingen kommen Links-Rechts-Händer-Kombinationen ähnlich häufig vor wie bei anderen Geschwister-Paaren. Eine im Jahr 1998 durchgeführte Studie der James McDevitt-Universität in Oklahoma hat zudem gezeigt, dass Kinder, deren Eltern beide linkshändig sind, nur mit 26-prozentiger Wahrscheinlichkeit selbst Linkshänder werden.

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