In den USA sind mehrere Patienten, die mit TNF- Blockern therapiert wurden an invasiven Mykosen erkrankt, einige von ihnen verstarben an den Folgen dieser schweren Pilzinfektionen. Dieser Umstand veranlasste die FDA (amerikanische Behörde für Lebensmittel und Arzneimittelsicherheit) zu einer Verschärfung der Fachinformation für Medikamente gegen den Tumornekrosefaktor alpha (TNF-Blocker. Die Hersteller müssen künftig deutlicher als bisher vor den Infektionsrisiken warnen.
Die FDA bezeichnet die TNF- Blocker Infliximab (Remicade®), Etanercerpt (Enbrel®), Adalimumab (Humira®) und Certolizumab (in USA Cimzia®), die zur Behandlung der rheumatoiden Polyarthritis und anderer Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden, als Immunsuppressiva und stellen sie damit auf die gleiche Stufe wie Medikamente, die nach einer Organtransplantation Abstoßungsreaktionen verhindern sollen. Wie bei den klassischen Immunsuppressiva besteht bei den TNF- Blockern prinzipiell ein erhöhtes Risiko für invasive Pilzinfektionen wie zum Beispiel Aspergillose, Candidiasis, Histoplasmose und andere opportunistische Infektionen.
Die Fachinformationen weisen zwar auf diese Infektionsrisiken hin, aber anscheinend wird dem von den Ärzten zu wenig Beachtung geschenkt. Laut den Angaben der FDA erkranken immer wieder Patienten, die mit TNF- Blockern therapiert werden an invasiven Pilzinfektionen, diese werden oft zu spät erkannt und daher nicht rechtzeitig behandelt. Der Umstand des verspäteten Therapiebeginns hat mehrfach zum Tod der betroffenen Patienten geführt.
Konkret lagen der FDA 240 Berichte über eine Histoplasmose bei Patienten vor, die Infliximab (207 Fälle), Etanercerpt (17 Fälle), oder Adalimumab (16 Fälle) erhalten hatten. Die meisten Erkrankungen traten in Flussregionen am Ohio und Mississipi auf, wo Histoplasma capsulatum endemisch ist.
Wenigstens in 21 Fällen sei die Histoplasmose anfangs nicht erkannt worden, was den Therapiebeginn verzögerte. 12 der 21 Patienten verstarben.
Laut FDA ist eine Histoplasmose auch bei einem Patienten aufgetreten, der mit Certolizumab behandelt wurde. Certolizumab ist erst seit April 2008 in den USA zugelassen. Der FDA sind darüber hinaus noch Fälle von Kokzidioidomykose und Blastomykose bei Patienten unter TNF- Blocker Therapie bekannt. Auch hier sind Todesfälle dokumentiert.
Die von der FDA geforderten expliziten Hinweise in der Fachinformation der erwähnten Medikamente sollen das Problembewusstsein der Ärzte steigern. Diese sollen sensibilisiert werden und daher bewusster und schneller an eine mögliche invasive Pilzinfektion denken, explizit nach Symptomen fragen, vor allem wenn sich der Patient in einem Endemiegebiet aufgehalten hat.
Anzeichen der Erkrankung sind Fieber, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust, Schwitzen, Husten, Dyspnoe, sowie Lungeninfiltrate im Thorax-RÖ oder schwere systemische Erkrankungen.
Bei Verdacht auf eine Infektion sollten die TNF- Blocker abgesetzt werden. Mit der Behandlung kann wieder begonnen werden, wenn sich der Verdacht nicht bestätigt hat oder die Infektion erfolgreich behandelt wurde.
Quelle: Pressemitteilung der FDA; http://www.fda.gov/bbs/topics/NEWS/2008/NEW01879.html; Deutsches Ärzteblatt