Die TNF- Blocker Etanercept, Infliximab und Adalimumab sind seit vielen Jahren in der Therapie rheumatischer Erkrankungen wie etwa der rheumatoiden Arthritis oder der seronegativen Arthritiden etabliert. Es ist bekannt, dass TNF- Inhibitoren zu einer Reaktivierung der Tuberkulose führen können. Aus diesem Grund muss auch vor einer TNF- Blocker- Therapie ein Tuberkulose Screening durchgeführt werden. In den USA wurde nun erstmals eine MRSA- Infektion mit TNF- Blockern in Zusammenhang gebracht.
Bisher gab es keine Berichte darüber, dass unter TNF- Blocker Therapie bakterielle Infektionen wie Staphylococcus aureus, Streptococcus- und gramnegative Infektionen häufiger oder schwerwiegender sind. Auf dem EULAR 2008 wurde nun erstmals über eine mögliche Assoziation zwischen dem Auftreten von MRSA- Infektionen und einer TNF- Blocker Therapie berichtet. In den USA sind bekanntlich MRSA- Infektionen auf dem Vormarsch; mit einem Reservoir an asymptomatischen MRSA Trägern. Der Rheumatologe Dr. J. Lichtenstein, Annapolis, Maryland USA, und seine Kollegen ermittelten über einen Zeitraum von drei Jahren das Auftreten von MRSA- Infektionen bei ambulanten Patienten unter TNF- Blocker- Therapie. Dafür überprüften sie die Karteien der mit TNF- Blockern behandelten RA- Patienten in ihrer privaten Rheumapraxis.
MRSA- Infektion bei 15 von 450 Patienten
Laut Liechtenstein kam es von 450 Patienten bei 15 Patienten zu einer MRSA- Infektion, was zu einem TNF- Blocker- Therapiestopp führte und eine i.v.- Antibiotikatherapie bedingte. 12 dieser Patienten mussten hospitalisiert werden. Die klinischen Erscheinungsbilder reichten von einer Entzündung des Unterhautbindegewebes (n=7), Osteomyelitis (n=3), Sinusitis (n=2), Mastitis (n=1), Pneumonie (n=1) bis zu Morbus Fournier mit Sepsis (n=1). Laut den Autoren scheiterte ein erneuter Therapiebeginn mit TNF- Blockern, da, nachdem die Infektion unter Kontrolle gebracht werden konnte, bei sieben Patienten erneut eine Infektion auftrat. Zwei Patienten mussten sich einer anderen Therapie unterziehen. Bei weiteren zehn Patienten trat eine Methicillin-sensible S. aureus- Infektion (MSSA) auf. Die klinischen Erscheinungsbilder reichten hierbei von einer Entzündung des Unterhautbindegewebes über eine Gelenksentzündung bis hin zu einer Osteomyelitis. Sieben der zehn Patienten mussten hospitalisiert werden. Eine Tuberkulose wurde nur bei einem der Patienten diagnostiziert.
Faszit
Die Autoren schließen aus den Ergebnissen, dass bei Patienten unter TNF- Blocker- Therapie MRSA- und MSSA- Infektionen häufiger als andere bakterielle Infektionen waren. Somit stellen laut Liechtenstein diese Infektionen das größte Problem bei ihren behandelten RA- Patienten dar. Weiters kann es bei MRSA- Trägern zu wiederkehrenden Infektionen kommen. Die Autoren würden daher bei Patienten mit einer MRSA- oder MSSA- Infektion eine TNF- Inhibitortherapie stoppen und auch keine derartige Therapie bei MRSA- Trägern initiieren. Wichtig zu wissen wäre, ob diese Ergebnisse auf die Rheumaklinik beschränkt oder doch weiter verbreitet sind.
Bericht: Mag. Sandra Standhartinger;
Quelle: Annual European Congress of Rheumatology (EULAR), MRSA infections in patients treated with tumor nrcrosis factor inhibitors (THU0121), 11.-14. Juni 2008, Paris