530.000 Mädchen und Jungen unter 15 Jahren haben sich im Jahr 2006 weltweit mit dem HI-Virus infiziert. Das geht aus einem neuen weltweiten UNICEF-Bericht zu Kindern und Aids hervor, den das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) vorgestellt hat.
Durchschnittlich infiziert sich jede Minute ein Kind mit HIV. Die meisten dieser Kinder kommen laut UNICEF bereits mit dem Virus auf die Welt: Sie infizieren sich vor, während oder nach der Geburt bei ihrer Mutter. Jedes zweite von ihnen wird noch vor seinem zweiten Geburtstag sterben, wenn es nicht rechtzeitig medizinisch behandelt wird. „Im Kampf gegen Aids werden Kinder bis heute benachteiligt. Obwohl die Preise für Medikamente gefallen sind, erhalten die meisten betroffenen Kinder in den Entwicklungsländern immer noch keine ausreichende medizinische Hilfe. Für viele kommt dies einem Todesurteil gleich“, sagte Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.
Gleichzeitig weist UNICEF darauf hin, dass in vielen Entwicklungsländern heute deutlich mehr getan wird, um Kinder und Jugendliche vor dem tödlichen Virus zu schützen. In Namibia erhalten beispielsweise immer mehr werdende Mütter Viren hemmende Medikamente, um eine Übertragung des HI-Virus auf ihr Baby zu verhindern. Der Anteil der HIV-infizierten schwangeren Frauen, die medizinisch behandelt werden, stieg um mehr als das Dreifache von sechs Prozent in 2004 auf 29 Prozent im Jahr 2005. In Südafrika stieg die Behandlungsrate im gleichen Zeitraum von 22 auf 30 Prozent.
Die Preise für Viren hemmende Medikamente, die auch für Kinder geeignet sind, sind in den vergangenen 12 bis 18 Monaten drastisch gesunken. Mittlerweile kosten kinderverträgliche antiretrovirale Medikamente nur noch rund 12 Cent pro Tag, beziehungsweise rund 47 Euro jährlich. In Ländern wie Botsuana, Indien, Ruanda, Südafrika und Thailand werden mittlerweile auch deutlich mehr Kinder als früher mit diesen Medikamenten behandelt. Weltweit erhalten jedoch nur zehn Prozent der HIV-infizierten Kinder die Medikamente, die sie dringend zum Überleben brauchen.Auch die weltweit schätzungsweise 15,2 Millionen Kinder und Jugendlichen, die durch AIDS ihre Mutter, ihren Vater oder beide Elternteile verloren haben, erhalten mittlerweile mehr soziale Unterstützung
UNICEF weist darauf hin, dass die Anstrengungen zur Prävention weiter verstärkt und konzentriert werden müssen. Vor allem Mädchen und junge Frauen brauchen Informationen und Unterstützung. Weltweit liegt die Infektionsrate bei jungen Frauen unter 24 Jahren bereits über der ihrer männlichen Altersgenossen. In der Elfenbeinküste und in Kenia sind Mädchen und junge Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren sogar fünfmal häufiger infiziert als gleichaltrige Männer.
„Insgesamt allerdings bleibt der weltweite Fortschritt gering. In den Entwicklungsländern haben nur rund neun Prozent der mit dem HI-Virus infizierten Schwangeren Zugang zu Medikamenten, die das Übertragungsrisiko deutlich senken. Im Jahr 2003 lag dieser Anteil bei drei Prozent“, erklärte das Kinderhilfswerk.