Der H5N1-Stamm des Vogelgrippe-Virus kann über die Plazenta schwangerer Frauen auf den ungeborenen Fötus übergehen; und bei Erwachsenen können auch andere Organe als die Lunge betroffen sein, berichten die Wissenschaftler der Universität in Peking.
Studienergebnisse
Ein Forscherteam um Professor Jiang Gu untersuchten post mortem Gewebsproben eines Mannes und einer schwangeren Frau sowie ihres toten Fötus. Sie analysierten, inwieweit die Infektion verschiedene Körperorgane betrifft. Die Autoren erklären: „Eine Pandemie beim Menschen mit dem Vogelgrippe-Virus H5N1 stellt aktuell eine ernstzunehmende potenziell weltweite Gefahr dar. Derzeit ist wenig über die spezifischen Effekte virusinfizierter Organe und Zellen bekannt."
Die Forscher fanden virales genetisches Material und Antigene in den Lungen, bestimmten Zellen der Trachea, T-Zellen im Lymphknoten, Neuronen des Gehirns und in Plazenta-Zellen. Weiteres genetisches Material wurde in der intestinalen Mucosa gefunden, allerdings in Abwesenheit viraler Antigene. Im untersuchten Fötus wurden sowohl Virus-RNA als auch virale Antigene in der Lunge, in zirkulierenden Immunzellen und in Zellen der Leber gefunden. Die Wissenschaftler folgern daraus: "Diese Studie zeigt die Möglichkeit der vertikalen Transmission des H5N1-Virus beim Menschen. Dies rechtfertigt weitere sorgfällige Untersuchungen, da mütterliche Infektionen mit gewöhnlichem humanen Influenza-Virus den Fötus meist nicht infizieren.“
Wichtige neue Daten
"Wir konnten zeigen, dass sich das H5N1-Virus über die Lungen hinaus ausbreiten kann. Diese neuen Daten sind wichtig für die klinische, pathologische und epidemiologische Untersuchung humaner H5N1-Infektionen und haben auch Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit und das Gesundheitssystem", so die Wissenschaftler.
In einem Begleitkommentar sagen Dr. Wai Fu Ng vom Department of Pathology des ‘Yan Chai Hospital in Hongkong und Dr. Ka Fai To vom Ki ka Shing Institute of Health Science in Hongkong: "Spekulationen über das Schicksal von Föten bei Überleben der Mutter sind interessant. Durch die Bildung von Antikörpern in der Mutter und deren transplazentare Übertragung auf den Fötus könnte es zu pathologischen Läsionen im Fötus kommen."
Zuletzt geben die Forscher an, dass eine Korrelation mit einer Viruskultur notwendig ist, um eine produktive virale Replikation zu bestätigen - das fehlte in dem Bericht von J. Gu. „Wir warten gespannt auf eine Reproduktion dieser Studien, einschließlich der experimentellen Modelle.“
Quelle: Jiang Gu et al: H5N1 infection of the respiratory tract and beyond: a molecular pathology study. Lancet 2007; 370: 1137