Vitamin D3 drosselt Teile der Immunabwehr. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung konnten zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Münster in einem Tiermodell mit Mäusen nachweisen, dass Fresszellen, denen der Rezeptor für Vitamin D3 fehlt, unempfindlich gegen den Parasiten der Leishmaniasis sind. Dadurch dass das Vitamin seine hemmende Wirkung auf die Makrophagen nicht mehr ausüben kann, können die Zellen den Parasiten effektiver bekämpfen.
Leishmaniasis wird durch den Erreger Leishmania major verursacht, der durch blutsaugende Insekten übertragen wird und verschiedene Krankheitsbilder auslösen kann. Am bekanntesten ist die „Orientbeule“, die vor allem die Haut befällt. Das Besondere der Leishmanien ist ihre Spezialisierung, das Innere der Fresszellen zu befallen und sich dort zu vermehren.
Makrophagen dienen der Beseitigung von Mikroorganismen durch Phagozytose. Durch Zerlegen des Eindringlings und Präsentieren der Bruchstücke auf ihrer Oberfläche, wird der Erreger unschädlich gemacht und gleichzeitig für andere Immunzellen sichtbar. Daraufhin verstärken zusätzliche Immunzellen das Abwehrsystem. Gegen Leishmanien wehren sich die Fresszellen außerdem, indem sie Stickoxid produzieren. Es tötet zum einen die Leishmanien im Zellinneren ab, zum anderen aktiviert es weitere Fresszellen.
Die Fresszellen verfügen aber auch über einen Mechanismus, der die Abwehr rechtzeitig bremst. Dr. Andreas Lengeling, Leiter der Arbeitsgruppe Infektionsgenetik, erklärt: „Die Fresszellen produzieren dazu kleine Mengen des Vitamin D3. Das Vitamin dient ihnen als Signalstoff, der ihre Aktivität abschwächt.“ So wird verhindert, dass die Zellen über die Erregerabwehr hinaus aggressiv sind und dann möglicherweise körpereigenes Gewebe angreifen. Dieses Abbremsen der Immunabwehr wird während der Leishmanien-Infektion zum Nachteil. Mäuse mit intaktem Vitamin D3-Rezeptor erkranken leichter an Leishmaniasis: Die Aktivität der Fresszellen lässt nach und der Erreger vermehrt sich schnell und ungehindert, verglichen mit der Knockout-Maus, der der Vitamin D3-Rezeptor fehlt. Die Makrophagen der gentechnisch veränderten Maus sind effizienter im Abtöten der Leishmanien, sie werden den Parasiten rascher wieder los.
Diese Forschungsergebnisse haben jedoch keinen Einfluss auf unsere Ernährung, da das Vitamin D3, welches wir mit der Nahrung zu uns nehmen, eine ander Funktion hat (z.B. Knochenaufbau). "Bei der Leishmanien-Infektion spielt nur das durch die Makrophagen selbst produzierte Vitamin D3 eine Rolle“, so Lengeling.
Quelle: Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung
Studie: J. Ehrchen, L. Helming, G. Varga, B. Pasche, K. Loser, M. Gunzer, C. Sunderkötter, C. Sorg, J. Roth, A. Lengeling (2007): "Vitamin D receptor signaling contributes to susceptibility to infection with Leishmania major“, FASEB J. doi:10.1096/fj.06-7261com