Empfehlungen jährlicher Grippeschutzimpfungen von Personen ab 65 Jahre haben das Ziel, die Sterblichkeit zu senken. Forscher der George Washington University bezweifeln in ihrer im The Lancet veröffentlichten Studie den Nutzen der Impfung bei Älteren. Die Wirksamkeit der Grippeimpfung werde überwertet.
Obwohl plazebo-kontrollierte randomisierte Studien bewiesen, dass die Influenzaimpfung bei jüngeren Personen wirksam ist, untersuchten nur einige wenige Arbeiten die Wirksamkeit bei Älteren und speziell über 70-Jährigen, bei denen sich Dreiviertel aller Grippe-assoziierten Todesfälle ereignen. Zwar stieg die Impfabdeckung seit 1980 von 15% auf 65%, doch konnten Mortalitätsstudien einen Abfall Influenza-bezogener Todesfälle nicht belegen. Während paradoxerweise solche Studien 5% aller Wintertodesfälle der Influenza zuschreiben, berichten viele Kohortenstudien über eine 50%-ige Reduktion des gesamten Todesrisikos im Winter – also einem zehnmal größeren Nutzen als die geschätzte Last durch die Influenza-Mortalität.
Die Forscher beklagen zudem Selektionsverzerrungen früherer Kohortenstudien sowie den Mangel an randomisierten kontrollierten Studien an über 70-Jährigen. Auch nicht spezifische Endpunkte von Studien wie die Gesamtserblichkeit im Winter führen zu einer Überschätzung des Nutzens der Grippeimpfung. Da es jedoch keine Alternativen zur Grippeschutzimpfung gibt, bleibt die Empfehlung: Weiter impfen!
Quelle: Simonsen L, et al: Mortality benefits of influenza vaccination in eldery people: an ongoing controversy. The Lancet Infectious Diseases 2007; 7: 658-666