fzm - Menschen mit Hepatitis B sind häufig schlecht über ihre Krankheit informiert. Viele haben Nachteile im Berufs- und Privatleben zu beklagen. Dies ergab die bisher größte in Deutschland durchgeführte Patientenumfrage, die jetzt in der "Zeitschrift für Gastroenterologie" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2007) veröffentlicht wurde.
Die Umfrage wurde unter Mitgliedern der Deutschen Leberhilfe e.V. durchgeführt, der einzigen zuständigen Selbsthilfeorganisation in Deutschland, die allerdings nicht auf die Hepatitis B spezialisiert ist. Wie wichtig eine eigene Selbsthilfegruppe für Menschen mit Hepatitis B wäre, zeigen nach Ansicht von Professor Claus Niederau vom St. Josef Hospital in Oberhausen, die Ergebnisse. Nicht nur Migranten, deren Anteil an den Infizierten etwa 30 Prozent beträgt, sondern auch Deutsche seien unzureichend über ihre Erkrankung informiert. So sind viele fest überzeugt, sich beim Zahnarzt oder bei Operationen anstecken zu können. Das Risiko sei jedoch minimal, versichert Professor Niederau. Anders als viele Infizierte und wohl auch weite Bevölkerungskreise glauben, könne man sich durch Küssen, Händeschütteln, Nahrungsmittel oder Toilettensitze niemals mit Hepatitis B anstecken.
Heute infizieren sich die meisten Menschen beim Sex. Früher waren auch Bluttransfusionen ein häufiger Übertragungsweg. Dies hat sich mit der Einführung des Antikörpertests in den frühen 1970er-Jahren geändert. Seit den 1980er-Jahren ist auch eine Impfung möglich, die für alle Säuglinge empfohlen wird. Viele der heutigen Hepatitis-B-Kranken haben jedoch nicht von diesen Schutzmaßnahmen profitiert. Viele Migranten hätten sich in ihren Heimatländern infiziert, berichtet Professor Niederau. Vor allem in der Türkei, in Osteuropa und Asien ist die Hepatitis B noch weit verbreitet.
Häufig vergehen viele Jahre, bis die Infektion erkannt wird. Dann ist sie mit Einschränkungen der Lebensqualität verbunden, auch wegen der Ansteckungsrisiken beim Sex, unter der viele Infizierte leiden. Umso bedauerlicher ist es laut Professor Niederau, dass viele Infizierte nicht wüssten, ob sich das Virus bei ihnen aktiv vermehrt (HBeAg-Test positiv) und wie viele Viren im Blut vorhanden sind (HBV-DNA-Konzentration). Denn diese beiden Faktoren, betont der Experte, sind für das Risiko andere anzustecken von großer Bedeutung.
Die Umfrage ergab auch, dass ein Viertel aller Infizierten frühverrentet oder ohne Arbeit ist. Die anderen sind mit ihrer Altersversorgung oft nicht zufrieden. Viele Versicherungen lehnen die Infizierten ab, beklagt der Mediziner. Nur 39 Prozent hätten eine Lebensversicherung, und nur 13 Prozent seien gegen Berufsunfähigkeit abgesichert.
C. Niederau et al.:
Sozioökonomische Charakteristika, Lebensqualität und Wissensstand bei Patienten mit Hepatitis-B-Virusinfektion in Deutschland
Zeitschrift für Gastroenterologie 2007; 45 (5): S. 355-368
13.06.2007