fzm - In Deutschland ist in den letzten Jahren die Zahl der Listeriose-Erkrankungen deutlich gestiegen. An dieser bakteriellen Infektion, die häufig tödlich endet, erkranken neben Neugeborenen immer häufiger auch ältere und abwehrgeschwächte Menschen. In der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2007) regt ein Experte deshalb die Einrichtung einer Datenbank an. Sie könne helfen, Ausbrüche schneller zu erkennen.
Listeria monocytogenes, so die genaue Bezeichnung des Krankheitserregers, lauert überall im Erdreich. Von dort aus gelangt das Bakterium auf pflanzliche Nahrungsmittel wie Kopfsalat und Pilze. Nur durch sorgfältiges Abspülen kann er entfernt werden. Aber auch industriell hergestellte Nahrungsmittel wie Feinkostsalate, Salami oder Roh- und Weichkäsesorten wie Vacherin, Brie, Roquefort und Romadur, sind häufig mit Listerien verunreinigt, warnt Prof. Herbert Hof vom Konsiliarlabor für Listerien an der Universität Heidelberg: "Bei vakuumverpacktem Räucherlachs wurden Kontaminationsraten von bis zu 50 Prozent gefunden". Die Bakterien vermehren sich auch im Kühlschrank, nur Temperaturen über 70 Grad Celsius vertragen sie nicht.
Den allermeisten Menschen schaden Listerien nicht. Gefährdet sind in erster Linie Schwangere und ihre Neugeborenen sowie ältere Menschen, vor allem wenn sie eine Abwehrschwäche haben. Dann kann es zu einer Blutvergiftung (Sepsis), sowie zum Befall der Hirnhäute (Meningitis) und des Gehirns (Enzephalitis) kommen. "Listerien sind die einzigen Bakterien, die eine Enzephalitis erzeugen!" erläutert Professor Hof. Dann kommt oft jede Hilfe zu spät. Im Prinzip sind zwar viele Antibiotika wirksam. Resistenzen treten kaum auf. Doch auch moderne Antibiotika versagen häufig gegen die Bakterien, die sich innerhalb der Körperzellen vermehrten. "Zwischen 20 und 30 Prozent der Listeriose-Erkrankungen verlaufen tödlich", warnt Professor Hof.
Seit 2001 sind die Erkrankungen meldepflichtig. In den letzten beiden Jahren haben die Erkrankungen zugenommen. Im Jahr 2006 sind in Deutschland 520 Erkrankungen bekannt geworden. Professor Hof glaubt, dass es in Wirklichkeit mehr sind. Auch bei vielen Ärzten sei diese Form der Lebensmittelvergiftung kaum bekannt. Professor Hof erforscht die Gene der Erreger. Anhand der genetischen Musters lassen sich Ausbrüche schnell erkennen und Gegenmaßnahmen ergreifen, sagt er. In den USA und Finnland gebe es bereits eine nationale Datenbank. Ein ähnliches Register wäre auch in Deutschland hilfreich, so der Experte.
H. Hof:
Epidemiologie der Listeriose in Deutschland - im Wandel und dennoch nicht beachtet.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2007; 132 (24): S. 1343-1348
02.07.2007