HARNWEGSINFEKTIONEN (KINDER)
 
Definition Erreger Epidemiologie
Übertragung Inkubationszeit Klinik
Diagnostik Differentialdiagnose Therapie
Komplikationen Links Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
Prävention / Follow-up    
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Adhärenz von pathogenen E.coli an der
Darmschleimhaut (E.M)
Enterokokken
(Raster E.M. 16.200x; Foto: Roche AG)
   
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Synonyme
Pyelonephritis (Kinder)
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Definition
Harnwegsinfektionen (HWI) sind Schleimhautentzündungen unterschiedlicher Genese, die akut, rezidivierend und pesistierend verlaufen können. HWI bedeutet das Vorhandensein von Mikroorganismen (überwiegend Bakterien, aber auch Pilze und Viren) oberhalb des Blasensphinkters. Die Pyelonephritis als sogenannte "obere" Harnwegsinfektion lässt sich von der Zystitis als einer "unteren Harnwegsinfektion" nicht immer sicher abgrenzen.
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Erreger
Ätiologie:
In der Regel aus der Darmflora als endogene Infektionskeime:
E. coli
Proteus
Pseudomonas
Klebsiella
Enterokokken
Staphylokokken
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Epidemiologie
– Die bakterielle Harnwegsinfektion ist die häufigste bakterielle Infektion im Kindesalter
– Bei Mädchen Inzidenz bis zum 15. LJ ca. 5 % , bei Knaben < 1 %
– Rezidive in 30 % der HWI innerhalb eines Jahres; die 5-Jahres-Rezidivrate liegt bei 50 %; Mädchen sind von Rezidiven doppelt so häufig betroffen wie Buben
– Bei Kindern im 1. LJ häufiger Pyelonephritis, später häufiger Zystourethritis
– Ca. 1 % aller Buben und 5 % aller Mädchen erleiden bis zum Schulende einen Harnwegsinfekt. Bei Buben ist im ersten Lebensjahr die Inzidenz am höchsten.
– Häufigste Ursachen sind angeborene Fehlbildungen des Harntraktes. Bei Mädchen werden die Harnwegsinfekte durch die kurze Harnröhre begünstigt
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Übertragung
– beim Neugeborenen i.d.R. auf hämatogenem Weg
– bei älteren Säuglingen und Kleinkindern durch Aszension der Keime z.B. aus Infektion des Präputiums oder der Vulva bzw. vom Perineum und der Analregion
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Inkubationszeit
– Erregerspezifisch, Stunden bis Tage
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Klinik
– Unspezifisch und vom Alter abhängig

Kindlicher HWI: Symptome

Säuglinge
Kleinkinder
Schulkinder
FieberFieberDysurie
ErbrechenErbrechenPollakisurie
Durchfall Inappetenzsek. Enuresis
MeningismusDysurieFlankenschmerz
Schocksek. Enuresis Bauchschmerzen
M.Riccabona, Antibiotika Monitor 6/2002

– Abgrenzung des HWI zur Pyelonephritis wichtig

Differenzierung Cystitis - Pyelonephritis

oCystitisPyelonephritis
Fieber > 38,5°neinja
Leukozytoseneinja
BSGnormal> 20/h
C-reaktives Protein normalerhöht
Leukozytenzylinderneinja
NierenszintigrammnormalSpeicherdefekte
M.Riccabona, Antibiotika Monitor 6/2002
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Diagnostik
– Sorgfältige altersbezogene Anamneseerhebung und klinische Untersuchung inkl. Blutdruck, Abdomenpalpation, Inspektion des Genitoanalbereiches
– Labor:
(Semi)quantitative Leukozyten- und Keimzählung im frischen Beutel-, (Wickelkinder), Topf- oder Mittelstrahlurin (bei besonderer Indikation auch Katheter- oder Punktionsurin) mittels Teststreifen oder Zählkammer; evtl. auch Bakteriendifferenzierung und Nitritbestimmung; bei Rezidiven unter Reinfektionsprophylaxe (s. u.) Resistenzprüfung
– Weitere Untersuchungsmethoden:
obligat:
– Sonographie (Nieren, Blase, Restharn)
– Miktionszystourethrogramm (MCU)
– Nierenszintigraphie (DMSA-Scan)
– MAG 3-Clearance (HWI und Hydronephrose)
fakultativ:
– Uroflow/EMG, Urodynamik
– Endoskopie
– MR-Urographie (bes. Pathologie), (IVP)

Beurteilungskriterien für die Anzahl von Leukozyten, Erythrozyten und Bakterien im Harn

o
normal
verdächtig
pathologisch
Leukozyten / mm³ (µl) (alle Harnarten)bis 20 20 - 50über 50
– Ausnahme: Knaben über 3 Jahre (Mittelstrahl, Katheter)bis 5 5 - 10über 10
Erythrozyten / mm³ (µl) (alle Harnarten)bis 5 5 - 10über 10
Bakterien / ml ooo
Spontan- und Mittelstrahlurinbis 10.000 10.000 - 100.000über 100.000
Katheterurin – unter 3 Jahrebis 1.000 1.000 - 50.000über 50.000
Katheterurin – über 3 Jahrebis 1.000 1.000 - 5.000über 5.000
Punktionsurinsteril
jedes Keimwachstum
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Differentialdiagnose
– Zystourethritis: Balanitis, Vulvitis, Kolpitis, Oxyuriasis, Miktionsstörungen
– Pyelonephritis: Harnsteinleiden, Glomerulonephritis, Appendizitis und andere Ursachen eines akuten Abdomens
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Therapie
– In erster Linie Betalactam-Antibiotika oral.
– Beim hochfieberhaften Infekt ist die parenterale Gabe von Antibiotika über 7-10 Tage mit einer Harnkultur-Kontrolle nach ca. 48 Stunden indiziert
– Reinfektionsprophylaxe: orale Cephalosporine, z.B. Cefalexin, Cefaclor, bei älteren Kindern Trimethoprim.
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Komplikationen
– Urosepsis, Nierenabszess, progressive pyelonephritische Parenchymdestruktion
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Prävention / Follow-up
– Vermeidung von Risikofaktoren wie z.B. vesiko-renalen Reflux durch Sanierung (wenn möglich) angeborener Fehlbildungen (z.B. Hydronephrose, Megaureter, Harnröhrenklappe, Ureterozele, Phimose u.a)
– Behandlung einer Dysfunktion der Blase (Dysfunctional voiding)
– in speziellen Fällen mit hohem Infektionsrisiko Antibiotikaprophylaxe
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Links
Antibiotika Monitor / 6 / 2002
M. Riccabona
Kinderurologisches Department, KH der Barmherzigen Schwestern, Linz
(Leiter: OA Dr. M. Riccabona)
Der kindliche Harnwegsinfekt
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Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
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JAntiinfektiva zur systemischen Anwendung
J01Antibiotika zur systemischen Anwendung
 J01ATetracycline
 J01AA
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 J01CBetalactam-Antibiotika, Penicilline
 J01CAPenicilline mit erweitertem Wirkungsspektrum
    Selexid Filmtabletten 12 Stk
(Leo Pharma), Pivmecillinam, Dos.: siehe Fachinformation
 J01CRKombinationen von Penicillinen, inkl. Beta-Lactamase-Inhibitoren
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 J01DAndere Betalactam-Antibiotika
 J01DACefalosporine und verwandte Substanzen
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 J01ESulfonamide und Trimethoprim
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 J01FMakrolide und Lincosamide
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