Verhalten und Handeln nach Kontamination
– 1. Nach Stich- oder Schnittverletzungen zunächst Provokation einer kräftigen Blutung, anschließend Desinfektion.
Bei Spritzerverletzung ins Auge: ausreichend lang mit Wasser spülen.
Bei stärker traumatisierenden Verletzungen sofortiges Aufsuchen einer chirurgischen Nothilfe.
– 2. Blut für den HIV-Test und für die Blutbildkontrolle abnehmen.
– 3. Bei Kontamination mit HIV-positivem Material (bzw. entsprechend hoher Wahrscheinlichkeit) wird heute die prophylaktische Gabe von
Azidothymidin (AZT) empfohlen: innerhalb von 30 Minuten nach der Verletzung erste Kapsel AZT 250 mg, dann täglich für 14 Tage 5 Kapseln 250 mg. (4stündliche Verabreichung, Nacht freihalten). Kontraindikation: Schwangerschaft
Wichtig sind die genaue Dokumentation sowie das aufklärende Gespräch mit dem Arzt (Betriebsarzt). Weitere Kontrollen des HIV-Status für mindestens 1 Jahr sind notwendig.
Antiretrovirale Therapie
Es besteht keine Einigkeit darüber, wann man mit einer antiretroviralen Therapie anfangen sollte:
– Therapie sofort nach einer Infektion unabhängig vom Stadium der Erkrankung oder
– Therapie erst bei symptomatischen Patienten oder Patienten mit hoher Viruslast beginnen.
Einigkeit besteht über das Ziel, die Progression einer asymptomatischen HIV-Infektion so lange wie möglich zu verhindern sowie darüber, eine Therapie zu beginnen, bevor irreversible Schäden des Immunsystems eingetreten sind.
Die gewählte Therapie soll die Virusreplikation maximal unterdrücken. Dies ist auch wichtig, um Resistenzentwicklungen zu verhindern.
Eine Verminderung der Morbidität und Mortalität lässt sich bereits durch eine Senkung der Viruslast um ca. 1 - 2 log10 erzielen. Die Selektion von resistenten Virusmutanten lässt sich langanhaltend jedoch nur vermeiden, wenn die Replikation des HIV möglichst vollständig gehemmt wird. Dies erfordert eine hohe antivirale Aktivität der eingesetzten Medikamenten-Kombination.
Kombinationstherapie wird empfohlen:
Bei der Auswahl der initialen Medikamentenkombinationen sind außer Viruslast und Krankheitsstadium weitere Faktoren wie besondere Lebensweise, Komorbidität, und andere notwendige Therapien zu berücksichtigen.
Für eine wirksame Initialtherapie stehen eine Reihe von Optionen zur Verfügung. Diese Optionen sind im einzelnen:
Kombination eines
– Proteaseinhibitors (PI) mit zwei nukleosidanalogen Reverse Transkriptase Inhibitoren (NRTI)
– Kombination eines nicht nukleosidanalogen Reverse Transkriptase Inhibitors (NNRTI) mit zwei NRTI
– Kombination von drei NRTI
(siehe auch Antiinfektiva-Übersicht:
Virustatika)
Kontrolluntersuchungen unter dieser Therapie:
– CD4-Zellzahlbestimmung monatlich
– Viruskonzentrationsbestimmung 2mal vor Beginn der Therapie, danach monatlich bis zum Erreichen der Zielgröße (möglichst unter der Nachweisgrenze), anschließend alle 2-3 Monate
– Im Vordergrund stehen auch die Beherrschung und die Prophylaxe der opportunistischen Infektionen und der Neoplasien
Therapie der opportunistischen Infektionen
Candidiasis (Mundhöhle und Ösophagus)
–
Fluconazol 50–100 mg/Tag
–
Ketoconazol 2x 200 mg/Tag
– Dann Pause oder Umstellung auf nicht resorbierbare Präparate, z. B. Amphotericin-Lösung bzw. -Lutschtabletten oder
Miconazol
Kryptokokkose (Meningitis)
–
Amphotericin B 0,1 mg/kg/Tag, steigern bis 0,5(–0,6) mg/kg/Tag in Kombination mit
Flucytosin 150 mg/kg/Tag, insgesamt 6 Wochen Erhaltungstherapie: –
Fluconazol 100–400 mg lebenslang als Rezidivprophylaxe
– Nach neueren Mitteilungen gute Wirkung einer Monotherapie mit Fluconazol. Gute Diffusion in den Liquor und Elimination in unveränderter Form über den Urin
Zytomegalie (- Retinitis)
–
Ganciclovir 3x 5 mg/kg KG und Tag für 2–3 Wochen (Die intestinale CMV-Infektion wird ebenso behandelt). Wegen der myelotoxischen Wirkung von Ganciclovir evtl. gleichzeitige AZT-Gabe absetzen. Blutbildkontrollen
– Als Alternative evtl. bei Unverträglichkeit von Ganciclovir
Foscarnet (DNA-Polymerasehemmer): 3x tgl. Infusion mit 60 mg/kg KG für 3 Wochen (cave: Nephrotoxizität - Dosisreduktion)
Wegen der Nephrotoxizität entsprechende Laborkontrollen
Ständige ophthalmologische Überwachung der Patienten unbedingt nötig
Zoster und Herpes simplex
Aciclovir 5x 200 mg/Tag über 5 Tage oder
Famciclovir. Bei Zoster ophthalmicus evtl. doppelte Dosis (i.v. oder oral). Ophthalmologische Kontrollen
Atypische Mykobakteriose) (M. avium, M. kansasii)
Erreger sind gegen übliche Tuberkulostatika weitgehend resistent. In vitro scheint Rifampicin-Derivat Ansamycin wirksam zu sein. Ergebnis therapeutischer Studien mit Kombinationsbehandlungen (Ansamycin + Ethambutol + Prothionamid (PTH)+ Gyrasehemmer) bleibt abzuwarten
Pneumocystis-carinii-Pneumonie (PCP)
– Mittel der Wahl ist
Co-Trimoxazol. Dosierung: 20 mg Trimethoprim + 100mg Sulfamethoxazol/kg/Tag verteilt auf 3–4 Dosen in je 500 ml physiologischer NaCl-Lösung als Infusion. Dauer 2–3 Wochen
Gleichzeitig täglich 15–45 mg Folinsäure je nach Blutbild. Bei schwerer Hypoxie (O2 < 60 mm Hg) ist die gleichzeitige Gabe von Prednisolon (200–1000 mg/Tag) hilfreich
– Alternative Behandlungsmöglichkeiten (weniger effektiv) sind
Clindamycin 2400 mg/Tag + Primaquin – 15 mg/Tag für 3 Wochen, oder
Clarithromycin
Präventive und postpneumonische PCP-Prophylaxe
Alle 4 Wochen Inhalation mit 300 mg
Pentamidin. Zusätzlich pro Woche 1 Tablette Kombinationspräparat Pyrimethamin-Sulfadoxin
Zerebrale Toxoplasmose
–
Pyrimethamin 4x 25 mg/Tag für einige Tage, dann 25–50 mg +
Clindamycin täglich 2,4 g für 3 Wochen
– Pyrimethamin + Sulfadiazin 4x 1 g täglich für 2 Wochen. Dazu Folinsäure 15–45 mg
Bei Suilfonamid-Allergie evtl. 50 mg Pyrimethamin täglich (+ Folinsäure)
Prophylaxe
2 x 1 Tablette Sulfonamid-Kombinationspräparat
Tuberkulose (M. tuberculosis)
Sowohl bei pulmonaler als auch b