Chronisch-granulomatöse Entzündung mit Einschmelzung und Fistelbildung, betrifft meist Kopf und Hals
Ätiologie
Actinomyces sp. (mikroaerophile/anerobe grampositive, säuresensitive Stäbchen), häufig ist Actinomyces israelii, zumeist jedoch Nachweis von Mischflora. Actinomyces ist Sapropyht in der Mundhöhle und im weiblichen Genitaltrakt.
Je nach betroffenem Organ wird die orale/zervikofaciale, pulmonale, abdominelle und disseminierte Aktinomykose unterschieden.
Inzidenz:
1:100.000 in Europa, alle Altersgruppen betroffen, Mann:Frau Ratio ist 3:1.
Risikofaktoren:
mangelnde orale Hygiene, zahnärztliche Eingriffe und intraabdominelle entzündliche Prozesse (Divertikulitis, Appendizitis)
Einer lokalen Infektion durch Aktinomyces geht zumeist eine Verletzung voraus (Zahnextraktion), Transmission von Mensch zu Mensch.
Die Inkubationszeit ist nicht bekannt, die Diagnose wird häufig erst sehr spät gestellt.
Hauptsymptom ist die Bildung von Läsionen mit Einschmelzung und/oder Fibrosierung. Eiter enthält meistens gelbliche Granula, die makro- und mikroskopisch sichtbar sind.
Orale/zervikofaciale Aktinomykose:
oft perimandibulär, betroffene Hautabschnitte bläulich-rötlich verfärbt
Pulmonale Aktinomykose:
durch Aspiration oder (seltener) deszendierend, Zeichen einer Pneumonitis mit Pleurabeteiligung, mediastinale Beteiligung möglich.
Abdominelle Aktinomykose:
oft nach perforierter Appendizitis, harte Masse im rechten Unterbauch, auch perianal oder perirectal mit Fistelbildung, Beteiligung des kleinen Beckens.
ZNS Aktinomykose:
fokale neurologische Zeichen, Zeichen einer chronischen Meningitis.
Mikroskopischer Nachweis von Aktinomyces (Gram-Färbung) aus geeignetem Material (kein Sputum, Bronchiallavage oder Vaginalsekret), anaerobe Kultur notwendig, direkte Immunfluoreszenz. CT hilfreich, um Ausdehnung und Beteiligung des Nachbargewebes einschätzen zu können.
Malignom,
Nokardiose, Tuberkulose, Histoplasmose, Blastomykose und Kryptokokkose
Penicillin G (10 bis 24 Mio. IE/d i.v. über 2 bis 6 Wochen, danach orales Penicillin [2 bis 4 g/d] über mehrere Monate).
Alternativ:
Ceftriaxon,
Clindamycin oder
Doxycyclin.
Disseminierte Aktinomykose, Perforation, Ileus bei ausgeprägter abdomineller Aktinomykose
Aktinomyces ist hoch empfindlich gegenüber Penicillin, bei Nicht-Ansprechen an Mischinfektion mit resistenten Keimen (Staphylokokken, Streptokokken, Bacteroides) oder undrainierten Abszess denken.
Compliance bei Langzeittherapie wichtig, Prävention durch orale Hygiene. Regelmäßige Kontrolle von Frauen mit intrauterinen Kontrazeptiva (Nachweis von Aktinomyces-Strukturen in PAP).
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| J | Antiinfektiva zur systemischen Anwendung |
| J01 | Antibiotika zur systemischen Anwendung |
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| | J01AA | |
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| | J01C | Betalactam-Antibiotika, Penicilline |
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| | J01F | Makrolide und Lincosamide |
| | J01FA | Makrolide |
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| | J01FF | Lincosamide |
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