CYSTISCHE FIBROSE (CF)
 
Definition Erreger Epidemiologie
Klinik Diagnostik Differentialdiagnose
Therapie Komplikationen Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
PEG-Empfehlungen    
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Synonyme
Mukoviszidose, Cystische Fibrose (CF)
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Definition
Autosomal-rezessiv vererbliche Erkrankung, bei der eine pathologische Zusammensetzung der exokrinen Drüsensekrete zu charakteristischen sekundären Organveränderungen führt.

Pathophysiologie
– Ein genetisch (auf Chromosom 7) fixierter, noch unbekannter primärer Stoffwechseldefekt äußert sich in einer Dyskrinie der meisten exokrinen Drüsen; es wird ein abnorm eiweißreiches, elektrolytreiches und hochvisköses Sekret produziert.
– Als Folge entwickelt sich ein Sekretrückstau, der längerfristig zur Gewebsschädigung in den betroffenen Organen führt.

Anamnese
– Familienanamnese (Stammbaum!)
– Früher durchgemachte bronchopulmonale Erkrankungen, aktuelle respiratorische Probleme
– Stuhlanamnese
– Allgemeine Anamnese: Gewichts- und Wachstumsverlauf, körperliche Leistungsfähigkeit, Appetit etc.
– Beginn der Symptomatik, altersspezifische Symptome
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Erreger
Atemwegsinfekte
– Bei jüngeren Kindern: vor allem Staphylokokken, Haemophilus influenzae
– Bei älteren Patienten: vor allem Pseudomonas-Spezies, auch Proteus, Klebsiellen u.a.
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Epidemiologie
Häufigkeit
– Inzidenz in weißer Rasse 1:2.000 bis 1:3.000
– 5 % der Bevölkerung sind heterozygote Merkmalsträger; häufigste angeborene Stoffwechselstörung

Prognose
– Ohne Therapie Letalität in den ersten Lebensjahren 90 %
– Bei früher Diagnose und adäquater Therapie Letalität bis zum 20. LJ. < 20 %
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Klinik
Symptome (s. a. Tabelle)

Bronchopulmonale Symptome
– Frühzeichen: trockener (oft pertussiformer) Husten, rezidivierende (meist asthmoide) Bronchitiden und Pneumonien
– Spätere Symptome: Auswurf, blutig tingiertes Sputum, Dyspnoe, asthmatische Beschwerden (allergische bronchopulmonale Aspergillose bei 15% der Patienten), fassförmiger Thorax, Trommelschlegelfinger, Uhrglasnägel, Zyanose

Durch Pankreasinsuffizienz bedingte Symptome
– Voluminöse, fettglänzende, faulig riechende, oft periodisch durchfällige Stühle, die vermehrt Neutralfett und Eiweiß enthalten
– Eiweißmangelödeme, Anämie, Vitaminmangel-Erscheinungen (vor allem bei unbehandelten Säuglingen)
– Dystrophie, vermindertes Längenwachstum
– Heißhunger, vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern; bei älteren Patienten mit chronischen Infektionen eher Appetitmangel
– Aufgetriebenes Abdomen, Rektumprolaps (20% der unbehandelten Säuglinge und Kleinkinder)
– Mekoniumileus: fehlender Abgang von Mekonium innerhalb 48 Stunden, Obstruktionssymptome, evtl. peritonitische Zeichen (Darmperforation, Mekoniumperitonitis)
– Mekoniumileus-Äquivalent: hartnäckige Verstopfung, oft verbunden mit kolikartigen Bauchschmerzen, bei totalem Darmverschluß Vollbild eines mechanischen Ileus; häufig schleichender Beginn

Hepatisch bedingte Symptome
– Ikterus neonatorum, seltener Ikterus im späteren Lebensalter
– Gallenkoliken, Cholezystitis-Symptome
– Portale Hypertension mit den möglichen Folgen einer Splenomegalie, eines Hypersplenismus (Thrombopenie!) und einer Ösophagusvarizenbildung
– Symptome einer Leberinsuffizienz (sehr selten)

Kardiale Symptome
– Je nach Grad der Rechtsherzinsuffizienz Hepatomegalie, sichtbare Halsvenenstauung, gastrointestinale Störungen, Ödeme, Aszites etc.

Folgen der veränderten Schweißzusammensetzung
– Salziger Körpergeschmack, Kollapsgefahr bei starkem Schweißverlust

Sonstige Symptome
Sterilität bei Männern, sekundärer Diabetes mellitus, chronische Sinusitis, Polyposis nasi, gastroösophagealer Reflux (bei 5% der Säuglinge und Kleinkinder als Folge rezidivierenden Erbrechens).


Organ
Pathologische Anatomie
Symptomatik
Ursache
Häufigkeit
Manifestations-
alter
Lunge
Atelektasen, Emphysem, Mikroabszesse, Bronchiektasen, Fibrosierung

Bronchitiden und Pneumonien, chronischer Husten, Auswurf, Dyspnoe, Zyanose
Sekretbeschaffenheit, Superinfektionenfast
obligat
variabel, oft Säuglingsalter
HerzCor pulmonaleSymptome der RechtsherzinsuffizienzLungenveränderungenhäufigmeist präfinal
Pankreaszystische Degeneration und Fibrose oder LipomatoseMaldigestion, Dystrophie, RektumprolapsSekretbeschaffenheit± 90 %meist Säuglingsalter
Pankreas Schädigung der InselzellenDiabetes Mellitus ohne KetoazidoseInsulinmangel± 10 %> 10 Jahre
DarmIleus durch: Mekonium, eingedickten KotMekoniumileus, Mekoniumileus-ÄquivalentStuhlbeschaffenheit10-15 % selten Säuglinge meist > 10 Jahre
Lebergrobknotige Leberzirrhoseportale Hypertension, Hypersplenismus ÖsophagusvarizenStörung der Gallesekretion5-10 %meist > 10 Jahre
LeberCholelithiasis, CholezystitisGallekoliken etc.Störung der Gallesekretionbis 30 %meist > 10 Jahre
Schweiß-
drüsen
salziger Körpergeschmack, Neigung zu hypernatriämischer DehydratationElektrolyttransport-
störung
obligatSäuglingsalter
Vas
deferens
Atrophie (intrauterin entstehend)Sterilität durch Azoospermieunbekannt> 95 %postpubertär
HNO-
Bereich
Hyperplasie d.Schleimdrüsen, Polyposis nasibehinderte Nasenatmung chronische SinusitisSekretbeschaffenheit25 %
selten
variabel


Merke
– Bei klinischem Verdacht Schweißelektrolytbestimmung
– Progredienz kann durch symptomatische Therapie aufgehalten werden
– Die notwendige Kalorienmenge zuführen, auch bei Appetitmangel
– Physiotherapeutische Maßnahmen und körperliches Training sind enorm wichtig
– Regelmäßige Betreuung in spezialisiertem Zentrum unbedingt anstreben
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Diagnostik
Diagnosefindung
– Schweißtest: Chloridkonzentration im (iontophoretisch gewonnenen) Schweiß > 60 mmol/l; sicherste Untersuchungsmethode, jedoch erst ab dem 3. Lebensmonat
– Trypsinogen-Bestimmung im Fersenblut des Neugeborenen (bei CF meist erhöhte Konzentration)
– Pränatal: gentechnologischer Nachweis veränderter DNA-Abschnitte auf Chromosom 7 (CF-DNA-Sonde) in Chorionzottenbiopsien erfasst Großteil der betroffenen Kinder

Verlaufsdiagnostik
– Verlaufskontrolle von Länge, Gewicht, Thoraxumfang
– Allgemeine Laboruntersuchungen: Blutbild, Elektrolyte, Transaminasen, Gerinnung, BKS, CRP, Immunglobuline, Eisen etc.
– Spezielle Laboruntersuchungen (je nach Fragestellung): Hb A1, Gallensäuren, Lipoproteinstatus, Chymotrypsin im Stuhl, IgE, RAST auf Aspergillus etc.
– Bakteriologie: Sputum, evtl. tiefer Rachenabstrich
– Lungenfunktionsprüfung
– Röntgen: Thorax a.p. und seitlich

Familiendiagnostik
– Suche nach spezifischen DNA-Veränderungen bei Verwandten
– Schweißtest bei Geschwistern
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Differentialdiagnose
Maldigestion
– Zöliakie
– Weitere Differentialdiagnosen identisch mit denen der Zöliakie

Bronchopulmonale Symptomatik
– Chronische Bronchitis anderer Ursache (z. B. Tbc, Fremdkörperaspiration), Keuchhusten
– Angeborene Bronchiektasen, Mittellappen-Syndrom, lobäres Emphysem
– Primäre Ziliendyskinesie
– Bronchiale Hyperreagibilität
– Herzerkrankungen (Vitien, Fibroelastosis endocardica)

Intestinale und pulmonale Symptomatik
– IgA-Mangel und andere (vor allem kombinierte) Immundefekte
– Shwachman-Syndrom (Pankreasinsuffizienz, Neutropenie)
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Therapie
Verdauungstrakt
– Pankreasenzym-Substitution; Dosierung so hoch, dass 1–2 normal geformte Stühle pro Tag abgesetzt werden und Stuhl-Chymotrypsin-Konzentration über 5 E./g liegt
– Ernährung weitgehend frei, eiweißreich, hochkalorisch, soll ballastreiche Frischkost enthalten (Vorbeugung des Mekoniumileus-Äquivalentes)
– Bei starker Dystrophie oder Appetitmangel kalorische Anreicherung durch Maisstärkeprodukte oder hochkonzentrierte Peptiddiäten, evtl. über Magensonde
– Substitution fettlöslicher Vitamine, vor allem im Säuglingsalter

Bronchopulmonales System
– Physiotherapie: individuell angepasste Maßnahmen, wie Klopfmassage, forcierte Exspiration, PEP-Maske, Lagerungsdrainage, autogene Drainage, regelmäßiges körperliches Training
– Inhalationstherapie: über Kompressionsvernebler mit Zusatz von Mukolytika, bei vorherrschender asthmoider Symptomatik auch Zusatz von ß2-Mimetika
Antibiotische Therapie: verschiedene Behandlungskonzepte üblich
• Orale Antibiotika als Dauerbehandlung oder intermittierende Behandlung (3–4-Monats-Abstände): bei Säuglingen und Kleinkindern staphylokokkenwirksame Antibiotika, bei nachgewiesenen Pseudomonasinfektionen Gyrasehemmer (leider rasche Resistenzentwicklung)
• Inhalation von pseudomonaswirksamen Antibiotika, durchgehend oder intermittierend (2–3 Wochen pro Monat)
• Antibiotikatherapie bei klinischer Exazerbation: Therapie entsprechend Antibiogramm, bei Pseudomonasinfektionen vorwiegend mit Ceftazidim, Cefpirom, Fosfomycin oder Aminoglykosiden
– Sauerstofftherapie: bei Hypoxie in Ruhe oder Cor pulmonale kontinuierliche oder intermittierende O2-Zufuhr (vor allem nachts)

Behandlung seltener Symptome und Komplikationen
– Pneumothorax: Drainage, wegen Rezidivgefahr operative Verödung des Pleuraspaltes
– Hämoptyse: bei wiederholtem Auftreten evtl. Embolisation der nutritiven Bronchialgefäße
– Mekoniumileus: konservativer Behandlungsversuch (Einläufe mit hypertonen Lösungen und Mukolytika) bei frühzeitiger Diagnose manchmal erfolgreich, sonst Operation erforderlich
– Mekoniumileus-Äquivalent: zunächst Versuch mit Gabe einer Koloskopie-Spüllösung über Magensonde, bei Misserfolg Operation
– Diabetes mellitus: einige Jahre meist Therapie mit Sulfonylharnstoffen ausreichend, später Insulinbehandlung
– Ösophagusvarizen: endoskopische Sklerosierung
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Komplikationen
– Intestinal: Invagination, Volvulus (meist als Folge eines Mekoniumileus)
– Pulmonal: Pneumothorax, Mediastinalemphysem, Hämoptoe
– Sonstiges: Ösophagusvarizenblutungen, rezidivierende Pankreatitiden
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PEG-Empfehlungen
Rationaler Einsatz oraler Antibiotika bei Kindern und Jugendlichen
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Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
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JAntiinfektiva zur systemischen Anwendung
J01Antibiotika zur systemischen Anwendung
 J01CBetalactam-Antibiotika, Penicilline
 J01CRKombinationen von Penicillinen, inkl. Beta-Lactamase-Inhibitoren
    Keine aktuellen Präparate-Nennungen !
 J01DAndere Betalactam-Antibiotika
 J01DACefalosporine und verwandte Substanzen
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 J01DHCarbapeneme
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 J01GAminoglykosid-Antibiotika
 J01GBAndere Aminoglykoside
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 J01MChinolone
 J01MAFluorchinolone
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 J01XAndere Antibiotika
 J01XXAndere Antibiotika
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J02Antimykotika zur systemischen Anwendung
 J02AAntimykotika zur systemischen Anwendung
 J02AAAntibiotika
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