Infektion der Herzklappen oder des Endokards durch Bakterien, Pilze oder Parasiten.
Ätiologie
Erreger sind grampositive und -negative Bakterien (am häufigsten
Streptokokken),
Pilze wie
Candida oder in seltenen Fällen auch Parasiten.
Bestimmende Faktoren für eine Infektion sind Integrität des Endocardes, Durchblutung des Herzens und Virulenz des Erregers. Am häufigsten ist die Mitralklappe betroffen (45 %), gefolgt von der Aortenklappe (35 %). In 35 % der Fälle sind sowohl Mitral- als auch Aortenklappe infiziert.
Inzidenz:
1,7 bis 3,8 von 100.000 Menschen/Jahr. 50 % aller Patienten sind zwischen 31 und 60 Jahre.
Risikofaktoren:
Rheumatische Herzerkrankung (nach Streptokokken-Angina oder Scharlach), angeborene Herzerkrankungen, Bikuspidale Aortenklappe, Mitralklappenprolaps.
Rechtskardiale Endokarditis: i.v. Drogenabusus, intravasale Dauerkatheter.
bei Streptokokken-Endokarditis ca. 2 Wochen, bei besonders virulenten Erregern kann die IKZ unter 1 Woche liegen.
Beginn kann akut (hohes Fieber, Sepsiszeichen) oder subakut (allgemeines Krankheitsgefühl, subfebrile Temperaturen) sein. Schüttelfrost und Nachtschweiß werden in 90 % aller Fälle beobachtet, häufig sind auch Rücken- oder Bauchschmerzen und Splenomegalie.
Weiters: Kardiale Geräusche (Aorten- oder Mitralinsuffizienz),
Osler-Knötchen (schmerzhaft, an Fingern und Zehen), Uhrglasnägel, Petechien (Handflächen, Fußsohlen). Husten ist häufig ein Symptom bei rechtskardialer Endokarditis. Bei 50 % aller Patienten werden embolische Episoden beobachtet: ZNS, Koronararterien, Lunge, Niere (Hämaturie) und Milz.
Positive Blutkultur in Verbindung mit kardialer Vegetation im Herzultraschall (transthoracal oder, bevorzugt, transösophageal), neu aufgetretenem Herzgeräusch oder embolischer Episode. Bei bakterieller Endokarditis sind die ersten beiden Blutkulturen in 90 % positiv, bei Pilz-Endokarditis nur in 50 %. Häufig Anämie und Leukozytose, positiver Rheumafaktor. EKG-Veränderungen (SA- und AV-Block).
- Atriales Myxom
- infiziertes Aneurysma
- Osteomyelitis
Behandlung sollte auf Grundlage von Erregernachweis und Antibiogramm basieren und über 4 bis 6 Wochen (i.v.) erfolgen. Herdsanierung bzw. Klappenersatz frühzeitig planen.
Penicillin-empfindliche Streptokokken:
Penicillin G 20 bis 30 Mio. IE/d in 3 Dosen,
Ceftriaxon 2 bis 4 g/d, bei Penicillin-Allergie:
Vancomycin/
Teicoplanin.
Penicillin-intermediär-empfindliche/resistente Streptokokken und Enterokokken:
Penicillin G 20 bis 30 Mio. IE/d in 3 Dosen ±
Gentamicin 1 mg/kg alle 8 Std.
Methicillin-empfindliche S. aureus:
z. B.
Flucloxacillin 2 g alle 4 Stunden über 4 bis 6 Wochen ±
Gentamicin 1 mg/kg alle 8 Stunden für 3 bis 5 Tage.
Methicillin-resistente S. aureus:
Teicoplanin 1 bis 1,2 g/d über 4 Tage, danach 3 x Woche,
Vancomycin (30 mg/kg/d in 3 Dosen).
Kalkulierte Initialtherapie der bakteriellen Endokarditis bei unbekanntem Erreger:
Nativklappe:
- Mikro- und Makroembolie
- linksventrikuläre Herzinsuffizienz
- Klappenringabszess
- Segelabriss
- Nierenversagen
- Osteomyelitis
Antibiotische Prophylaxe bei Patienten mit: Herzklappenersatz, St.p. Endokarditis,
angeborenen Herzerkrankungen, Mitralklappenprolaps mit Insuffizienz bei zahnärtzlichen Eingriffen oder Eingriffen in Respirations-, Gastrointestinal- oder
Urogenitaltrakt.
Endokarditisprophylaxe.
APAT: Teicoplanin 1 bis 1,2 g/d über 4 Tage, danach 1 bis 1,2 g Mo., Mi., Fr. über 4 bis 6 Wochen, Spiegelkontrolle.
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