GASTROENTERITIS, AKUTE
 
Definition Erreger Epidemiologie
Übertragung Inkubationszeit Klinik
Diagnostik Therapie Komplikationen
Handelspräparate aus dem Pharmaangebot Achtung ! Prävention / Follow-up
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E. coli-Kultur (Levin-Agar) Salmonella-Stäbchen-Bakterium
   
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Definition
So genannte infektiöse Lebensmittelvergiftung; Schleimhautentzündung von Magen (Gastritis) und Dünndarm (Enteritis), die durch infizierte Lebensmittel verursacht wird und klinisch unter dem Bild eines akuten Brechdurchfalls verläuft.
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Erreger
Wichtigste Erreger akuter Gastroenteritiden
Erreger
Inkubationszeit
Klinische Symptomatik
Dauer
Viren
Norwalkvirus
Ca. 1 Tag
Erbrechen, Durchfall, Fieber, Myalgien, Kopfschmerzen
1 - 2 Tage
AstrovirenWässrige Durchfälle
2 - 3 Tage
Rotaviren Gruppe A Wässrige Durchfälle, Fieber, Erbrechen
5 - 7 Tage
AdenovirenDurchfall, Erbrechen, Fieber
bis zu 12 Tagen
Bakterien
Enteritis-Salmonellen
1 - 2 (-7) Tage
Gastroenteritis (75 %), Fieber (50 %), Bakteriämie (5-10 %), blutige Diarrhoen (gelegentlich)
1 - 3 Wochen
Shigellen
1 - 3 Tage
Fieber, Bauchschmerzen, zunächst wässrige, später blutige Diarrhoen
3 Tage bis 1 (-4) Wochen
Yersinien
1 - 3 Tage
Fieber, Bauchschmerzen, Durchfälle
1 - 3 Wochen
Campylobacter
1 - 3 Tage
Bauchschmerzen, Durchfälle (gelegentlich blutig), Allgemeinsymptome
bis 1 Woche
Enterotoxin bildende/ enteropathogene
E. coli (ETEC, EPEC)
1 - 2 Tage
Wässrige Durchfälle, in schweren Fällen choleraartig (Reiswasser-Stühle)
3 - 8 Tage
Enteroinvasive/ enterohämorrhagische
E. coli (EIEC, EHEC)
1 - 14 Tage
Wässrige oder blutige Diarrhoen, Erbrechen, Fieber, Bauchschmerzen, Hämolytisch-urämisches Syndrom (EHEC)
3 - 8 Tage
Bakterientoxine von Staphylokokkus aureus
Stunden
Übelkeit, Erbrechen, wässrige Durchfälle
1 - 2 Tage
Clostridium difficile
-
Im zeitlichen Zusammenhang mit Antibiotikagabe:
1. Wässrige, selbstlimitierende Durchfälle
2. Pseudomembranöse Kolitis, potenziell lebensbedrohend
Parasiten
Entamoeba histolytica
1 - 3 Tage
Blutige Durchfälle, Erbrechen, Fieber, Bauchschmerzen, systemische Infektion (Leber!)
unbehandelt bis mehrere Monate
Cryptosporidium parvum
3 - 5 Tage
Wässrige Durchfälle, Bauchschmerzen, leichtes Fieber
bei Immunkompetenten selbstlimitierend
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Epidemiologie
Ursachen
Akute Gastroenteritiden können durch Viren, Bakterien oder Parasiten hervorgerufen werden. Daneben ist eine Erkrankung auch durch bakterielle Toxine ohne das Vorhandensein vitaler Erreger möglich ("Lebensmittelvergiftung"). Bis zu 40 % aller akuten infektiösen Gastroenteritiden sind viral bedingt. Meistens betreffen sie Kinder.

Siehe Meldepflicht bei bakteriellen Lebensmittelvergiftungen
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Übertragung
Durch direkten Kontakt oder indirekt über kontaminier-te Lebensmittel, Wasser, Gegenstände etc.
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Inkubationszeit
Je nach Erreger
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Klinik
(Klinische Symptomatik siehe Tabelle bei "Erreger")
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Diagnostik
Anamnese
Besondere Bedeutung der Anamnese und Klinik, da initiale therapeutische Maßnahmen einer mikrobiologischen oder serologischen Identifikation des Erregers vorausgehen müssen
– Beginn der Beschwerden
– Art der Beschwerden (Erbrechen, Durchfall, blutige oder wässrige Stühle, Fieber ...)
– mögliche Infektionsquelle (Speisen in den vorangegangenen 2-3 Tagen vor Manifestation der Beschwerden (insbesondere rohe Speisen, Eierspeisen, Essen in Lokalen, ungewaschenes Obst oder Gemüse, Getränke)
– weitere Erkrankungen im Umfeld
– kürzliche Auslandsreisen
– Medikamentenanamnese (Antibiotika, Immunsuppressiva)
– Begleiterkrankungen, die den Verlauf komplizieren könnten (kardiale oder renale Erkrankungen, Immundefizienz, zusätzliche chronische Infektionskrankheit ...)

Diagnostik
In den meisten Fällen von akuter Gastroenteritis ist eine weiterführende klinisch-chemische, mikrobiologische oder apparative Diagnostik nicht erforderlich. Ausnahmen betreffen vor allem
– Durchfälle nach Tropenaufenthalt, insbesondere bei Hinweis auf eine invasive Infektion (Suche nach Parasiten im Stuhl, Nachweis oder Ausschluss von Amoebiasis)
– blutige Diarrhoen bzw. Hinweise auf eine Postantibiotika-Kolitis (Bestimmung von Clostridium-difficile-Toxin im Stuhl)
– Kleinepidemien nach Genuss von suspekten Nahrungsmitteln (Stuhlkultur auf Salmonellen)
– Gastroenteritiden mit schwerem oder protrahiertem Verlauf, Hinweis auf eine invasive Infektion (Stuhlkultur auf Salmonellen, Shigellen, Campylobacter)
– Hinweise auf einen septischen Verlauf bzw. Verdacht auf metastatische Absiedlungen (Blutkultur)

Nachweis invasiver Infektionen
– Mikroskopische Untersuchung auf fäkale Leukozyten und Erythrozyten nach Methylenblaufärbung
– Mikroskopischer Erregernachweis an frischen Stuhlproben (Parasiten!)

Nachweis einer pseudomembranösen Kolitis
– Medikamentenanamnese
– Toxinnachweis im Stuhl
– Koloskopie, ggf. Histologie

Virusdiagnostik
Nachweis der Rotaviren mit dem Elektronenmikroskop
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Therapie
In den meisten Fällen einer akuten Gastroenteritis, bei ansonsten gesunden Erwachsenen ohne Risikoanamnese und ohne Komplikationen, kann eine Therapie unterbleiben. Die Erkrankung verläuft selbstlimitierend.

Ansonsten Flüssigkeitsersatz mit Elektrolytbalance und langsamer diätetischer Aufbaukost bei Gastroenteritis besonders von Säuglingen und Kleinkindern.


Folgende Lösung hat sich bei akuter Diarrhoe bewährt:
Teelöffel NaCl 3,5 g
Teelöffel KCl 1,5 g

Teelöffel NaHCO3 2,5 g
2 Esslöffel Glukose 20 g

gelöst in 1 l Wasser oder Tee (Bei Kindern Fertigpräparate)

Falls KCl, NaHCO und Glukose nicht vorhanden, adäquater Ersatz durch
1 Teelf. NaCl und 4 Esslf. Rohrzucker auf 1 Liter Wasser

Wegen ihres zu hohen Glukose- und zu geringen Natriumgehaltes sind Getränke wie Cola oder Fruchtsäfte zur Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution in kritischen Fällen nicht geeignet!
Sofern die Patienten nicht ausreichend Flüssigkeit auf oralem Weg zu sich nehmen können oder wollen, ist eine stationäre Einweisung zur parenteralen Substitution erforderlich.

Merke: Motilitätshemmende Medikamente können bei leichteren Durchfallerkrankungen verordnet werden. Bei schweren Diarrhoen und vor allem bei Verdacht auf eine invasive Infektion sind sie kontraindiziert.

Antibiotikatherapie
nicht bei leichten infektiösen Durchfallerkrankungen, da diese selbstlimitierend verlaufen.
Bei schweren Infektionen mit Dysenterie, Verdacht auf systemische Infektion, bei hohem und protrahiertem Fieber und bei immunsupprimierten Personen ist eine Antibiotikatherapie dagegen sinnvoll und notwendig.

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Komplikationen
Lebensbedrohliche Komplikationen sind selten, müssen aber rechtzeitig erkannt und konsequent behandelt werden.
– Bei schweren infektiösen Kolitiden (Shigellenruhr, und selten auch pseudomembranöse Kolitis) mit längerem Verlauf besteht - ähnlich wie bei der schweren Colitis ulcerosa - die Gefahr eines toxischen Megacolons, das unmittelbar lebensbedrohlich sein kann und oft chirurgisch behandelt werden muss.

– Bei Säuglingen und Kleinkindern mit raschem gesundheitlichen Verfall, starker Exsikkose (mit der Symptomatik einer enteralen Toxikose und zuweilen mit zerebraler Beteiligung als enterotoxische Enzephalose), liegen häufig Virusinfektionen vor (Adenoviren, Rotaviren, seltener durch Rheoviren, rheovirus-ähnliche Agentien [RLA], Norwalk-Virus, Corona-Viren)

Merke: Klinikeinweisung ist wegen der schweren, akut einsetzenden Erkrankung fast immer notwendig.

Mögliche Komplikationen
KomplikationenMögliche Erreger
Starkes ErbrechenStaphylokokken-Toxin
Rotaviren
Norwalk-Viren
Blutiger DurchfallEHEC, EIEC
Shigellen
Campylobacter
Salmonellose
DehydratationETEC
Rotaviren
Salmonellose
Toxisches Megakolon, Darmperforation Shigellenruhr
EHEC
Clostridium difficile
Campylobacter
Yersinien
Salmonellen (selten)
Hämolytisch-urämisches Syndrom, Thrombotisch-thrombozytopenische PurpuraEHEC
Shigellen
Campylobacter (selten)
Systemische (metastatische) InfektionSalmonellen
Yersinien, Campylobacter (selten)
Amöben
Reaktive ArthritisSalmonellen
Yersinien
Campylobacter
Shigellen

© Österreichische Gesellschaft für Antimikrobielle Chemotherapie
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Achtung !
Bei protrahierten Verläufen an Differentialdiagnose denken!
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Prävention / Follow-up
Strikte Hygiene
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Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
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Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sowie Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

AAlimentäres System und Stoffwechsel
A07Antidiarrhoika und intestinale Antiphlogistika/Antiinfektiva
 A07AIntestinale Antiinfektiva
 A07AAAntibiotika
    Colidimin 200 mg-Filmtabletten 12 Stk und 36 Stk
(Gebro), Rifaximin, Dos.: siehe Fachinformation
JAntiinfektiva zur systemischen Anwendung
J07Impfstoffe
 J07BVirale Impfstoffe
 J07BHRotavirus-Diarrhoe-Impfstoffe
    Keine aktuellen Präparate-Nennungen !
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