NICHTRHEUMATISCHE GELENKENTZüNDUNGEN
 
Definition Erreger Epidemiologie
Übertragung Klinik Diagnostik
Differentialdiagnose Therapie Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
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Synonyme
Gelenkinfektionen, Nichtrheumatische Gelenkentzündungen
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Definition
Spezifische Infektion (Tbc, Lues)
Allgemeinerkrankung mit hämatogenem Gelenkbefall; ossärer oder synovialer Herd, Hydrops, Kapselreaktion, Knorpelzerstörung, Ankylose.

Unspezifische Infektion (Säuglinge)
– Metaphysäre, dann epiphysäre Osteitis-Arthritis
– Oft Streuung in andere Gelenke
– Gelenkempyem, Destruktion, Luxation, Wachstumsstörung

Unspezifische Infektion (größere Kinder und Erwachsene)
– Bei hämatogener Streuung oft poliartikulärer, uni- oder bilateraler Befall, bei Kontamination oder fortgeleiteten Infektionen gewöhnlich Monarthritiden
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Erreger
Spezifische Infektion
– Mykobakterien (Tbc)
– Treponema pallidum (Lues)

Unspezifische Infektion (Säuglinge)
– Meist Staphylococcus aureus
– Streptokokken
– Pneumokokken
– koliforme Keime

Unspezifische Infektion (größere Kinder und Erwachsene)
– Meist Staphylokokken
– Streptokokken
– Pneumokokken
– Meningokokken
– gramnegative Mischinfektionen,
– gelegentl. Proteus, Pseudomonaden
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Epidemiologie
Ätiopathogenese

Spezifische Infektion
Tbc
Hämatogen metastatische Erregerabsiedlung ossär (metaphysärer Herd, Verkäsung, Einschmelzung, Gelenkeinbruch) oder synovial (exsudative Tbc, Synovialgranulation) bei Allgemeinerkrankung
Lues
Eher bei Lues connata, selten Lues III, hämatogen metastatische Erregerabsiedlung ossär (metaphysäre Gummen, Gelenkeinbruch) oder synovial (Synovialgummen)

Unspezifische Infektion (Säuglinge)
Infektion hämatogen über Nabelschnur, Dermatitis, Pneumonie, Angina, Venenkatheter (Intensivmedizin, durch andere Probleme oft überdeckt) in proximale Metaphysen, durch meta-epiphysäre Gefäßverbindung zum Gelenkeinbruch (Osteitis-Arthritis)

Unspezifische Infektion (größere Kinder und Erwachsene)
Infektion hämatogen (Tonsillitis, Bronchitis, Kieferentzündungen), direkte Kontamination (operativer Eingriff, Injektion, Trauma) oder fortgeleitet (Phlegmone in Umgebung)

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Übertragung
– hämatogen und direkte Kontamination
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Klinik
Spezifische Infektion (Tbc, Lues)
Symptome
Der Grunderkrankung entsprechend Reduktion des Allgemeinbefindens, Nachtschweiß, Appetitmangel, Leistungsabfall, subfebrile Temperaturen, lokal Schonhaltung, evtl. Schonhinken, langsame Schwellungszunahme, keine besonderen sonstigen Entzündungszeichen, meist trüber Gelenkerguss (Lues: gelblich-grün)
Prognose
Von Restitutio über Sekundärarthrose mit Funktionseinschränkung bis Ankylose

Unspezifische Infektion (Säuglinge)
Symptome
Störung des Allgemeinbefindens, septische Temperaturen; lokale Entzündungszeichen und Gelenkschonung können übersehen werden.
Prognose
Wie spezifische Infektion. Von Restitutio über Sekundärarthrose mit Funktionseinschränkung bis Ankylose

Unspezifische Infektion (größere Kinder und Erwachsene)
Symptome
Funktions-, Druck-, Stauchschmerz, oft Projektion (in Oberschenkel oder Knie bei Koxitis), Schonhaltung kann zu Kontrakturen (Adduktion, Flexion, Außenrotation) führen. Bei floridem Verlauf starke Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens, massive Schmerzen, intermittierende oder kontinuierliche Temperaturerhöhung (bis 40°)
Verlauf
Synovialissekretion (serös, trüb, putride) und periartikuläre Entzündung führen zu Gelenkdestruktion mit Restfunktion, zu Gelenkempyem mit Gelenkspaltverödung und Ankylosierung in Fehlstellung, zu Streuung in andere Skelettabschnitte
Prognose
wie spezifische Infektion
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Diagnostik
Spezifische Infektion (Tbc, Lues)
Labor
– BKS ↑, Lymphozytose,
– Tuberkulintestung: Tine-Test oder Mendel-Mantoux-Test,
– Keimnachweis im trüben, evtl. putriden Gelenkpunktat (mikroskopisch, Tierversuch, Wassermann-Reaktion), serologisch Treponemen-Titer
Röntgen: Erst Gelenkspaltverbreiterung, Kapselschatten, Kalksalzminderung, dann Periostalreaktion, Gelenkspaltverschmälerung, Destruktionen, Dezentrierung, evtl. Nachweis von Gummen
Sonographie: Ergussnachweis, Kapselreaktion, Senkungsabszess
Szintigramm: Anreicherung, weitere Herde

Unspezifische Infektion (Säuglinge)
Labor
– BKS ↑↑, Leukozyten ↑,
– Linksverschiebung,
– Punktat evtl. steril, wenn erst Frühstadium metaphysäre Osteitis,
– Blutkultur
Sonographie: Ergussnachweis, Kapselreaktion, Dezentrierung
Szintigramm: massive Anreicherung, weitere Herde, erst spät positiv, "kalte" Herde möglich

Unspezifische Infektion (größere Kinder und Erwachsene)
Labor
– BKS ↑, Leukozyten ↑,
– Linksverschiebung, evtl. Infektanämie, Amyolidose,
– Keimnachweis und Leukozyten im Punktat, Blutkultur bei Sepsis
Röntgen
Gelenkspaltverbreiterung – Osteopenie – Gelenkspaltverengung – Gewebeeinschmelzung, Sequester in mechanisch belasteten Regionen, evtl. Luxation – fibröse oder knöcherne Ankylose, evtl. in Fehlstellung
Sonographie: Ergussnachweis, Weichteilreaktion, Gelenkdestruktion
Szintigramm: frühzeitige Anreicherung, "kalte" Herde möglich
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Differentialdiagnose
Spezifische Infektion (Tbc, Lues)
Unspezifische Gelenkentzündung, aseptische Epiphysennekrose, Gelenk bei Neuropathie, Hämophilie, Chronische Polyarthritis

Unspezifische Infektion (Säuglinge)
Extraartikuläre Infektion, neuromuskuläre Bewegungsstörung; sehr selten: spezifische Entzündung, rheumatische Erkrankung

Unspezifische Infektion (größere Kinder und Erwachsene)
Spezifische Entzündung, Malignom (z. B. Sarkom), aseptische Knochennekrose (z. B. M. Perthes), rheumatische Erkrankung (z. B. rheumatoide Arthritis)
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Therapie
Spezifische Infektion

– Tbc bei Kindern
Chemotherapie (Initialbehandlung über 2–3 Monate, z. B. Rifampicin, Isoniazid, Streptomycin, Pyrazinamid; dann Erhaltungstherapie über 8 Monate, z. B. Rifampicin, Isoniazid)
– Lues ohne Gelenkdestruktion
Penicillin über 3 Wochen, erst Ruhigstellung, dann Physiotherapie
– Tbc bei Erwachsenen, Lues mit Destruktion
Ossären Herd operativ ausräumen, Spongiosaplastik; befallene Synovialis ektomieren; bei Destruktion Resektionsarthrodese oder sekundär Rekonstruktion oder Arthrodese, Korrekturen von Ankylosen in Fehlstellung

Unspezifische Infektion

Säuglinge
– Stationäre Behandlung, Punktion (Entlastung, Keimnachweis), sofort parenteral staphylokokkenwirksames Antibiotikum, später nach Antibiogramm
– Leichter Verlauf: Gipsruhigstellung, Mobilisation (BKS ↓, 2–3 Wochen)
– Schwerer Verlauf (Sepsis, rezidivierender Erguss): operativer Eingriff (Gelenktoilette, Synovektomie, Spül-Saug-Drainage), Ruhigstellung in Funktionsstellung

Größere Kinder und Erwachsene
– Stationäre Aufnahme, Punktion (Entlastung, Keimnachweis), sofort parenteral hochdosiert staphylokokkenwirksame Antibiotika, zum Beispiel Fosfomycin in Kombination mit Penicillin oder Cefalosporinen oder Gyrasehemmer bei Osteomyelitis (Einschränkung:Kinder, Knorpelwachstum), später nach Antibiogramm
– Bei Ergüssen und Temperatur operativer Eingriff (perioperativ Antibiotika, Gelenktoilette, Synovektomie, evtl. Spül-Saug-Drainage), Ruhigstellung in Funktionsstellung
Später bei Fehlstellung oder Fehlwachstum Korrekturosteotomie, Gelenkrekonstruktion, Verlängerungsosteotomie; bei fibröser Ankylose und progredienter Fehlstellung Arthrodese
Zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung: Verabreichung von NSAR, in speziellen Fällen Analgetika
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Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
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JAntiinfektiva zur systemischen Anwendung
J01Antibiotika zur systemischen Anwendung
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 J01CFBeta-Lactamase-resistente Penicilline
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 J01DAndere Betalactam-Antibiotika
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 J01FMakrolide und Lincosamide
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