RACHENENTZüNDUNG
 
Definition Erreger Epidemiologie
Klinik Differentialdiagnose Therapie
Komplikationen Handelspräparate aus dem Pharmaangebot Achtung !
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Synonyme
Pharyngitis, Rachenentzündung
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Definition
Entzündung im Rachenbereich, meist durch Viren verursacht, seltener primärbakterielle Infektion bzw. auch physikalische oder chemische Noxen (z. B. Verbrennung). Beim Erwachsenen häufig.
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Erreger
Ätiologie
Bakterien oder Viren (bei katarrhalischer Pharyngitis acuta)
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Epidemiologie
Inzidenz:
Eine der häufigsten Ursachen für Arztbesuch. Auch eine der häufigsten Ursachen für Antibiotikamissbrauch.

Risikofaktoren:
Prädisponierend Mundatmung, Rauchen, verunreinigte Luft etc. Es sollte stets an die Möglichkeit einer absteigenden Infektion gedacht werden.
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Klinik
Katarrhalische Pharyngitis acuta
Untersuchungsbefund:
Hellrote granulierte Schleimhautoberfläche, von roten Lymphfollikeln insbesondere an der Rachenhinterwand durchsetzt; die hyperplastischen Seitenstränge können als rote Falten imponieren (Seitenstrangangina)

Hypertrophische Pharyngitis chronica
Ursachen:
Oft sekundär bei Nasennebenhöhlenerkrankungen, Muschelhyperplasie, Nasenseptumdeviation, internistischen Erkrankungen
Weitere Ursachen:
Tabak- oder Alkoholabusus, Berufsschädigungen (Staub, chemische Reize, Hitze)
Symptome:
Leichte Dysphagie, Fremdkörpergefühl, ausgetrockneter Schlund, Räusperzwang, pharyngealer Husten (letztere Symptome verstärken die Schleimhautirritation)
Untersuchungsbefund
Diffuse Verdickung der gesamten pharyngealen Schleimhaut; Rötung, insbesondere im Bereich der hinteren Gaumenbögen; geschwollene, dunkelrote Uvula

Atrophische Pharyngitis chronica (Pharyngitis sicca)
Ätiologie:
Meist als Folge einer Rhinitis sicca oder atrophicans (Ozäna) sowie in der Menopause (Östrogenmangel) und in höherem Alter (Rhinopathia sicca)
Symptome:
Trockener "pharyngealer" Husten, Fremdkörpergefühl, Räusperzwang
Untersuchungsbefund:
Blasse, dünne, trockene Schleimhäute, die von zähem Schleimeiter oder Krusten bedeckt sind (Sekrettapete)

Globusgefühl
Gewisse Häufung bei Frauen zwischen dem 50. u. 60. Lebensjahr. Gelegentlich Kanzerophobie. Nach Ausschluss organischer Ursachen relativ häufig Kloßgefühl im Hals.
Symptome:
In der Regel ist für den Patienten mit Globusgefühl das Speichelschlucken oder Leerschlucken schmerzhaft, außerdem können Räusperzwang und häufig auch eine diskrete Stimmstörung bestehen

Xerostomie (Mundtrockenheit)
Ursachen:
– Verminderte (Sialopenie) oder aufgehobene Speichelproduktion (Achylie)
– Nach Röntgenbestrahlung der Speicheldrüsen und des Gesichtsschädels
– Sialoadenosen, Sjögren-Syndrom
– Betrifft in erster Linie ältere Menschen, da manche Medikamente bei längerer Anwendung die Speichelproduktion beeinträchtigen bzw. blockieren können.
Zu diesen gehören: Anticholinergika und anticholinergisch wirkende Substanzgruppen (Antidepressiva, Neuroleptika, Antiparkinson-Medikamente, Antihistaminika), ferner Glukokortikoide, Antiepileptika, Antihypertensiva, Antiarrhythmika, Antiemetika, Ulkustherapeutika, Appetitzügler und Sedativa.
Symptome:
– Mundtrockenheit, welche das Kauen, Schlucken, Schmecken und Sprechen beeinträchtigt
– Schlafstörungen, da nachts vermehrt das Bedürfnis besteht, Wasser zu trinken und evtl. zusätzliche Austrocknung durch Mundatmung bzw. Schnarchen stattfindet
– Neigung zu Schleimhautulzera, oraler Candidose, weshalb auf eine möchlichst zuckerfreie Ernährung geachtet werden sollte.
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Differentialdiagnose
Missempfindungen im Rachen
Außer dem Globusgefühl ohne Nachweis einer örtlichen Veränderung als auslösende Ursache gibt es noch zahlreiche Möglichkeiten des Entstehens einer Missempfindung im Rachen
– Neurogen können diskrete Paresen im Glossopharyngeus- und Vagusbereich ausschließlich durch Sensibilitätsausfälle Beschwerden auslösen
– Endogen kann die Symptomatik bei Diabetes, Urämie, Leberschäden, Pemphigus, Sklerodermie, psychischen Alterationen und verschiedenen anderen Krankheiten auftreten
– Infektionskrankheiten wie Botulismus, Malleus humidus, Maul- und Klauenseuche, Milzbrand und Tetanus treten gelegentlich mit Beschwerden im Rachen auf
– Medikamente können häufig über einen austrocknenden Effekt auf die Schleimhaut Beschwerden im Rachen auslösen
• Vasokonstriktorische Nasentropfen
• Systemische Gabe von Anticholinergika (s. Xerostomie)
– Intoxikationen durch Arsen verursachen ähnliche Beschwerden
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Therapie
Beseitigung der Krankheitsursachen
– Ozäna, Tabak- oder Alkoholabusus, Sinusitiden, Mundatmung (Polypen, Septumdeviation, Muschelhyperplasie), verunreinigte oder trockene Luft

Symptomatische Behandlung
– Patienten mit chronischer Pharyngitis sind wegen der häufig gleichzeitig vorliegenden psychischen Alterationen sehr schwierig zu behandeln

Katarrhalische Pharyngitis
– Pinselung mit Mandlscher oder Czechscher Lösung 2–3 x wöchentl.
– Ätzung der einzelnen lymph. Granulationen mit 5%iger AgNO3-Lsg.
– Antitussiva
– Rhinologika s. a. Rhinitis, Rhinopharyngitis acuta
– Inhalationen mit Kamille bzw. Anwendung von desinfizierenden Lösungen bzw. Lutschtabletten
– Sanierung der Nase und der Nasennebenhöhlen
– Nasentropfen
– Bei Bedarf Antibiotika nach Antibiogramm! oder Antimykotika
– Klimakuren (Nordsee), evtl. Abwehrstimulation

Hypertrophische Pharyngitis chronica
– Beseitigung exo- und endogener Ursachen
– Inhalationen mit salinischen Lösungen; cave: Kamille
– Kuraufenthalte an der See
– Ausschaltung von Reizen (Nahrung, Tabak, Alkohol u. a.)

Atrophische Pharyngitis chronica
– Behandlung der meist zugrunde liegenden Rhinitis sicca
– Pinselung mit Lugolscher Lösung
– Inhalationen mit salinischen Lösungen; cave: Kamille
– Hormonkuren im Alter
– Kuraufenthalte an der See

Globusgefühl
– Beseitigung der Krebsfurcht durch genauere Diagnostik
– Bei gleichzeitiger Stimmstörung Stimmübungsbehandlung, Atemgymnastik
– Vorsichtige Anwendung von Psychopharmaka
Cave: In höherer Dosierung und/oder bei längerer Anwendung können Psychopharmaka ihrerseits Trockenheits- und Globusgefühl induzieren!

Xerostomie
– Sorgfältige Medikamentenanamnese
– Ggf. Absetzen von Medikamenten, welche die Mundtrockenheit begünstigen. Oft dadurch rasche Besserung
– Symptomatisch: häufiges Mundbefeuchten, zuckerfreie Kaugummis, zuckerfreie saure Drops und Vit. C-Tabletten
– bei Candida-Befall Antimykotika
– Künstlicher Speichel

Medikamentöse Therapie
Streptokokken-Pharyngitis:
Hauptziel ist die Keimeradikation und die Prävention des akuten rheumatischen Fiebers. Penicillin V (2 – 3 x 1,5 Mio. IE über 10 Tage, Kinder: 50.000–100.000 IE/kg/d in 2 – 3 Tagesdosen über 10 Tage), bei Penicillinallergie: Makrolide oder orale Cephalosporine oder Telithromycin für 5 Tage.

Corynebakterien-Pharyngitis:
Gabe von Antitoxin und Erythromycin (40 mg/
kg/d i.v. in 4 Dosen oder 500 mg p.o in 3 Dosen über 7 bis 14 Tage), Alternative: Penicillin V.

Plaut-Vincent-Angina:
Penicillin G (4 Mio. IE i.v. alle 4 h), Penicillin V, Clindamycin

Gonokokken-Pharyngitis:
Ceftriaxon (1 x 2 g i.v. als Einmalgabe)

Virale Pharyngitis:
Virustatika sind nur bei HSV 1 oder 2 (Azyclovir 5 x 200 mg oder Valazyclovir 2 x 500 mg über 10 Tage) oder HIV-Infektion indiziert.
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Komplikationen
Suppurativ:
- Sinusitis
- peritonsillärer Abszess
- Bakteriämie
- Pneumonie

Nicht-suppurativ:
- akutes rheumatisches Fieber
- akute Glomerulonephritis
- Toxicshock-Syndrom
- Scharlach
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Achtung !
Cave: Jede länger als 2 Wochen anhaltende Schluckstörung ad Facharzt
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Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
Die Präparate-Nennungen erfolgen durch die Sponsoren unserer Webseite unabhängig vom Autor des Fachtextes. Die Reihenfolge entspricht dem ATC-Code. Der Benutzer ist angehalten, sich vor Verschreibung eines Medikaments durch sorgfältige Prüfung der jeweiligen Fachinformation bzw. Gebrauchsinformation zu vergewissern, ob die dort vorliegenden Informationen zu Indikation, Kontraindikation und Dosierung von den Angaben auf dieser Webseite evtl. abweichen (siehe auch Haftungsausschluss).
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sowie Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

JAntiinfektiva zur systemischen Anwendung
J01Antibiotika zur systemischen Anwendung
 J01CBetalactam-Antibiotika, Penicilline
 J01CAPenicilline mit erweitertem Wirkungsspektrum
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 J01CEBeta-Lactamase-sensitive Penicilline
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 J01CRKombinationen von Penicillinen, inkl. Beta-Lactamase-Inhibitoren
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 J01FMakrolide und Lincosamide
 J01FAMakrolide
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 J01FFLincosamide
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RRespirationstrakt
R02Hals- und Rachentherapeutika
 R02AHals- und Rachentherapeutika
 R02AAAntiseptika
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 R02ABAntibiotika
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