TYPHUS ABDOMINALIS
 
Definition Erreger Epidemiologie
Übertragung Inkubationszeit Klinik
Diagnostik Differentialdiagnose Therapie
Komplikationen Handelspräparate aus dem Pharmaangebot Achtung !
Prävention / Follow-up Weitere Informationen  
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Definition
Septische melde- und isolierpflichtige Allgemeininfektion mit Generalisationsstadium (Bakteriämie) und Organmanifestationen, insbesondere charakteristische Veränderungen am lymphatischen Apparat des Dünndarms.
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Erreger
Ätiologie
Salmonella typhi
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Epidemiologie
– Verbreitung: Weltweit, abhängig von Hygiene, Besiedlungsdichte und Lebensgewohnheiten
– Disposition: Beruflich (Ärzte, Krankenpersonal), Resistenzverminderung. (Die natürliche Resistenz ist groß, nur etwa 20 % der Infizierten erkranken.)

Risikofaktoren:
mangelnde Hygiene
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Übertragung
– meist durch orale Aufnahme der Erreger mit Nahrungsmitteln, Wasser, Milch etc. v. a. in Ländern der Dritten Welt
– direkte Infektionsquellen wie z. B. Stuhl, Urin von infizierten Menschen, Keimträgern, Dauerausscheidern
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Inkubationszeit
7 – 28 Tage (durchschnittlich 2 Wochen)
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Klinik
Symptome
– uncharakteristischer Beginn mit Frösteln, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Kreuzschmerzen (nie Schüttelfrost)
– typischer treppenförmiger Fieberverlauf mit Stadium incrementi, Stadium acmis und Stadium decrementi
– fast immer Husten
– Obstipation!
– Milzschwellung
– Bradykardie
– konstantes Frühzeichen (1. Woche) das rötliche, streifig-fleckige Exanthem ohne Ulzerationen am vorderen Gaumen
– Zunge belegt mit Freibleiben der Spitze und Ränder
– Anfang der 2. Woche Kontinuatyp mit psychischen Erregungen im Wechsel mit Apathie, Delirien und Somnolenz
– im Verlauf gelegentlich vorübergehende Durchfälle
– Leukopenie
– Eosinopenie
– Auftreten der Roseolen in 50 % zwischen 7. und 10. Tag an unteren Thoraxpartien und Abdomen, auch an Rücken, nie an Händen und Füßen

Prognose
durch die Antibiotikatherapie günstig
– Letalität ca. 1 %, durch Komplikationen 3 – 4 %
– 2 – 5 % der Erkrankten werden Dauerausscheider
– Immunität nach überstandener Krankheit meist lebenslang
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Diagnostik
– klinisches Bild
– Blutkulturen bereits im Stadium incrementi positiv. Ab 2. Woche erscheinen die Erreger im Stuhl, später evtl. im Urin
– Serologischer Antikörpernachweis (Widal-Reaktion) ab 10. Krankheitstag möglich (Titer > 1:200 gelten als beweisend)
– Persistieren der Erreger (trotz Chemotherapie) während mehrerer Wochen im Blut
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Differentialdiagnose
– Flecktyphus (Rickettsiose)
– Miliar-Tbc
– Paratyphus
– echte Grippe
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Therapie
Antibiotikabehandlung
Chloramphenicol war früher Antibiotikum der Wahl. Es kommt jedoch wegen der gefährlichen NW und der zunehmenden Erregerresistenz in Europa für die Typhusbehandlung praktisch nicht mehr in Betracht; in den Tropen spielt es aber noch eine wichtige Rolle. In unseren Breiten werden vor allem Fluorchinolone (Ciprofloxacin, Levofloxacin: 7 – 10 Tage) verwendet. Vorteil dieser Substanzen ist die intrazelluläre Anreicherung. Mit Cephalosporinen 3a (7 – 14 Tage Therapiedauer) werden zwar auch gute Resultate in der Literatur berichtet – allerdings wirken sie vor allem extrazellulär. Eine noch relativ neue Alternative, besonders für Kinder ist Azithromycin (1 g Loading dose gefolgt von 500 mg für 7 – 14 d oder aber 1 g/d für 5 Tage). Bei allen Therapieformen tritt eine Entfieberung erst nach 4 – 5 Tagen ein. Bei Schocksymptomen (meist bei Behandlungsbeginn) oder bei schwerem Krankheitsverlauf evtl. für 2 – 3 Tage Prednisolon 20 (bis 40 – 60) mg/d.

Cave: Prednisolon ab 3. Krankheitswoche wegen Gefahr einer Darmperforation kontraindiziert!

Ampicillin und Tetracyclin sollten wegen verzögerter bzw. mangelnder Wirksamkeit bei der Therapie des Typhus nicht mehr eingesetzt werden. Ein Rezidiv sollte nach Möglichkeit mit einem zuvor nicht verwendeten Mittel behandelt werden (z. B. Ceftriaxon, wenn vorher Ciprofloxacin gegeben wurde).
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Komplikationen
– ab 3. Woche möglich: Darmblutung, Darmgeschwüre, evtl. mit Perforation durch Invasion der Peyer-Plaques
– Peritonitis
– Myokarditis
– Bronchopneumonie
– Milzruptur
– Thrombosen
– Meningitis
– Cholangitis, Cholezystitis
– 1 – 3 Wochen nach Beendigung der Chemotherapie Rezidiv bei 15 – 20 % der Patienten
– seltene Spätkomplikation: Osteomyelitis typhosa
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Achtung !
Meldepflicht!
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Prävention / Follow-up
– Hygienische Maßnahmen, Desinfektion
– Überwachung von Dauerausscheidern
– Schutzimpfung parenteral oder oral (kontraindiziert bei Nephropathien, Leberschäden, Herzinsuffizienz, Diabetes, Tuberkulose, Schwangerschaft)
– Typhus-Impfung bei Fernreisen; einmalige Impfdosis gewährt einen Schutz bis zu 3 Jahren
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Weitere Informationen
Zentrum für Reisemedizin (www.reisemed.at)

Typhus
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Handelspräparate aus dem Pharmaangebot
Die Präparate-Nennungen erfolgen durch die Sponsoren unserer Webseite unabhängig vom Autor des Fachtextes. Die Reihenfolge entspricht dem ATC-Code. Der Benutzer ist angehalten, sich vor Verschreibung eines Medikaments durch sorgfältige Prüfung der jeweiligen Fachinformation bzw. Gebrauchsinformation zu vergewissern, ob die dort vorliegenden Informationen zu Indikation, Kontraindikation und Dosierung von den Angaben auf dieser Webseite evtl. abweichen (siehe auch Haftungsausschluss).
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sowie Nebenwirkungen sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.

JAntiinfektiva zur systemischen Anwendung
J01Antibiotika zur systemischen Anwendung
 J01CBetalactam-Antibiotika, Penicilline
 J01CRKombinationen von Penicillinen, inkl. Beta-Lactamase-Inhibitoren
    Keine aktuellen Präparate-Nennungen !
 J01DAndere Betalactam-Antibiotika
 J01DACefalosporine und verwandte Substanzen
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 J01ESulfonamide und Trimethoprim
 J01EATrimethoprim und Derivate
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 J01EEKombinationen von Sulfonamiden und Trimethoprim, inkl. Derivate
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 J01MChinolone
 J01MAFluorchinolone
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