DESINFEKTION
Definition
Desinfektionsverfahren
Desinfektionsmittel
 
Definition
Maßnahme, die durch Abtötung, Inaktivierung bzw. Entfernung von Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze, Protozoen) eine Reduzierung der Keimzahl um mindestens 5 Zehnerpotenzen erreicht, damit von dem desinfizierten Material keine Infektion mehr ausgehen kann.

Desinfektion ist die gezielte Reduktion der Anzahl bestimmter unerwünschter Mikroorganismen durch physikalische oder chemische Inaktivierung, so dass sie unter den gegebenen Umständen keine Infektion mehr verursachen können.
(Flamm.Rotter)


Eine Desinfektion ist stets sehr gezielt durchzuführen und hat sich danach zu richten,
– was (Desinfektionsgut)
– wovon (Krankheits-, Verderbniserreger)
– unter welchen Umständen (Temperatur, Feuchte, Verschmutzung, Materialempfindlichkeit etc.)
zu desinfizieren ist.

Die verlangte Wirksamkeit entspricht einer Keimzahlreduktion von >5log Stufen.

Entsprechend der Chemoresistenz werden die Wirkungsbereiche von Desinfektionsverfahren in 4 Gruppen eingeteilt:

Wirkungsbereich
Abtötung/Inaktivierung von
A vegetative Bakterien (einschl. Mykobakterien), Pilzen und Sporen
B Viren
C Sporen des Milzbranderregers
D Sporen von Gasbrand-/Gasödem- und Tetanuserregern


Desinfektions-Objekte
Desinfektions-Maßnahmen
HAUT HÄNDEDESINFEKTION

Hygienische Händedesinfektion:
– Händewaschen mit Seife
– Einreibeverfahren mit z.B. Alkoholen,Phenolen, PVP-Jodpräparaten, Tensiden u.a.

Chirurgische Händedesinfektion:
– Alkohole mit Zusatzstoffen (Remanenzwirkung)
Präoperative Hautdesinfektion:
– wie chirurgische Händedesinfektion
SCHLEIMHAUT
Antiseptische Waschungen
mit Guaniden (Chlorhexidinpräparaten), Octenidin und PCP-Jod-Präparaten
FLÄCHE
Wischdesinfektion
z.B. mit Aldehyden, Alkoholen, Halogenen, Persäuren, Phenolen und oberflächenaktiven Substanzen.
2-Eimer-Methode für Bodenflächen.
INSTRUMENTE
Tauchverfahren
mit höherprozentigen Desinfektionsmittellösungen bei händischer Aufbereitung.
Wirkstoffkombinationen von Aldehyden, Alkoholen, Phenolen und oberflächenaktiven Substanzen (->"Kältesterilisation")
Maschinelle Aufbereitung
chemothermische oder thermische Reinigung und Desinfektion in einem Arbeitsgang
MATERIAL für DIAGNOSE, PFLEGE und THERAPIE
Chemothermische, maschinelle Aufbereitung
z.B. für flexible Endoskope, Material zur Beatmungstherapie (Gummi, Kunststoffe) und Pflegebehelfe.
Thermische, maschinelle Desinfektion
für thermostabile Materialien aus Metall oder Kunststoff (z.B. in Schüsselspülern)
GESCHIRR
Thermische oder chemothermische Reinigung und Desinfektion
in Fließbandanlagen und kleineren Geräten (Waschmaschinen).
WÄSCHE
Thermische Desinfektion (Kochwäsche)
Chemothermische Desinfektion
in Waschanlagen mit Chlorverbindungen und Persäuren.
INFEKTIÖSE ABFÄLLE
Thermische Desinfektion (Dampf) und Mikrowellen.
ÖNORM S2104
RAUMLUFT
"Vergasen" von Räumen mit Formaldehyd ist nur gering wirksam und nur bei besonderer Indikation angezeigt.
SPRÜHEN

Aufbringen von Desinfektionsmitteln auf Haut und Flächen.
Nachteile:
– Anteile des Desinfektionsmittels können eingeatmet werden.
– Die mechanische Komponente der Wischdesinfektion entfällt.

Desinfektionsverfahren
Physikalisch
Chemisch
Thermisch (z.B.Heißwasser) Alkohole
UV-Bestrahlung Aldehyde
Beta - Strahlung Phenole
Tenside (z.B. "Quats", Biguanide)
Halogene
Peroxide (z.B. Ozon, Persäuren)
Metallverbindungen
Säuren, Laugen


THERMISCHE DESINFEKTION:

  • Pasteurisieren: 71 - 74° C (40 sec); 85°C (10 - 15 sec)
  • Ultrahocherhitzen: < 1sec 135 - 150° C
  • Heißwasser: 65 - 93° C
  • Auskochen
  • Mikrowellen: 300 Mhz - 300 Ghz, anfeuchten!
  • Verbrennen, Ausglühen, Abflammen.

UV-DESINFEKTION:

  • UV-C Bereich; Wirkungsoptimum 250 - 265 nm
  • keine Durchdringung fester Stoffe und trüber Flüssigkeiten
  • cave "Schattenbildung"
Desinfektionsmittel

ALKOHOLE:

  • biologisch gut abbaubar
  • leicht flüchtig, brennbar, explosiv
  • schnell wirkend
  • nicht sporozid
  • Anwendung: Haut, Hände, Fläche.
    – Ethanol ............80 %
    – Iso-Propanol....60 - 70 %
    – n-Propanol....... 50 - 60 %

ALDEHYDE:

  • leicht flüchtig
  • in niedriger Konz. unschädlich
  • bei Kontakt allergisierend, hautschädigend und schleimhautreizend
  • gut biologisch abbaubar
  • für Flächen und Instrumente geeignet

PHENOLE:

  • wenig viruzid
  • geringer Eiweißfehler
  • toxisch
  • schlecht biologisch abbaubar

DIPHENYLDERIVATE:

wirken durch Interaktion mit der Zellmembran,für Schleimhäute geeignet

  • Chlorhexidin
  • Octenidin

QUATERNÄRE AMMONIUMVERBINDUNGEN ("QUATS"):
– Amphotenside, Biguanide:

  • oberflächenaktiv, daher gute Reinigungswirkung
  • Inaktivierung durch andere Reinigungsmittel
  • nicht flüchtig, keine Geruchsbelästigung
  • Wirkung gegen grampositive Bakterien gut, ggf. Pilze u. Mykobakterien nur in hohen Konz., Viruzidie unsicher.
  • geringe Toxizität
  • aber biologisch schwer abbaubar

HALOGENE:
– Breites Wirkungsspektrum

  • Chlorpräparate(-abspalter): zur Wasser- und Flächendesinfektion
    Nachteile: Eiweißfehler, toxische Chlorgase, schwer abbaubar, cancerogen, schlechte Materialverträglichkeit.
  • Jodophore:
    – gute Haut-, Schleimhaut- und Gewebeverträglichkeit
    – breites Wirkungsspektrum inkl. Mykobakterien, Sporen, Viren
    – aber langsame Wirkung
    – Proteinbelastung vermindert die Wirkung

STOFFLISTE geeigneter Präparate:
"Verzeichnis der Expertisen der Österreichischen Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin"(ÖGHMP).

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