NATIONALES REFERENZZENTRUM FÜR SALMONELLEN
NATIONALES REFERENZZENTRUM FÜR SHIGELLEN
an der
Bundesstaatlichen bakteriologisch-serologischen Untersuchungsanstalt
8010 Graz, Beethovenstraße 6
Suppl. Leiter: Dr. Christian Berghold
Tel. 0316/32-16-43-0, Fax 0316/38-84-70
E-Mail:
bbsua-graz@sime.com und
salmo-graz@sime.com
| Die Richtlinien "Diagnostik von Salmonellen", "Diagnostik von Campylobacter jejuni/coli" und "Diagnostik von EHEC" wurden unter Mitarbeit von österreichischen Experten (Dr. G. Feierl/Hygieneinstitut Graz, Prof. F. Allerberger/BBSUA Innsbruck) im Rahmen des Workshops "Stuhldiagnostik" am 25. und 26. Februar 1999 erarbeitet. Stattgefunden hat der Workshop am Nationalen Referenzzentrum für Salmonellen an der Bundesstaatlichen bakteriologisch-serologischen Untersuchungsanstalt in Graz unter der Leitung von Dr. Ch. Berghold. |
Seit dem ersten Bericht eines E.-coli-0157-Ausbruchs im Jahre 1982 (USA) wird weltweit eine Zunahme von sporadischen Fällen und Ausbrüchen, assoziiert mit verotoxinbildenden E.-coli (EHEC) beobachtet. EHEC der Serotypen 0157:H7 und 0157:H- werden dabei am häufigsten isoliert.
EHEC der Serogruppe 0157 gehören zu einem Klon mit zumeist ungewöhnlichen biochemischen Eigenschaften, wie z. B. das Nichtfermentieren von Sorbit. Dies ermöglicht eine relativ einfache Diagnostik auch im bakteriologischen Routinelabor.
Infektionen des Menschen durch EHEC führen zu akuten lokalen entzündlichen Prozessen des Dickdarms. In der Folge kann es zu postinfektiösen
Syndromen, wie dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) und zur thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura (TTP) kommen.
2.1 Erreger
EHEC sind zumeist bewegliche gramnegative Stäbchen, die aufgrund ihrer Antigenstruktur in verschiedene Serovare einzuteilen sind (0157, 0111, 026 u. a.). Zur Charakteristik der EHEC-Bakterien zählt die Fähigkeit, Shiga-Toxine (= Verotoxine oder Shiga-like-Toxine) zu bilden. Die Toxingene sind im Chromosom des Bakteriums lokalisiert.
Das Hauptreservoir der Erreger sind Wiederkäuer, insbesondere Rinder, die die Erreger mit dem Kot ausscheiden. Infektionen durch EHEC werden durch den Genuss nicht pasteurisierter Milch und Milchprodukte, von rohem oder unzureichend gegartem Rindfleisch, über fäkal verunreinigtes Trinkwasser und seltener von Mensch zu Mensch übertragen (Infektionsdosis <100 Keime!.
3.1 Untersuchungsmaterial:
Stuhl (Erregernachweis, Toxinnachweis) und Serum (Antikörper gegen Zellwandantigen)
3.1.1 Routinemäßig sollten alle Stühle von Patienten mit Durchfällen (ungeformte, wässrige, schleimige, blutige Proben) und zusätzlich auch geformte Stühle von Kindern unter 2 Jahren (wenn auf der Zuweisung ein Hinweis auf eine Durchfallerkrankung gegeben ist) einem routinemäßigen EHEC-Screening unterzogen werden.
Bei der Diagnose HUS und TTP ist zusätzlich, unabhängig vom Ergebnis des Screenings, ein Toxinnachweis im Stuhl anzustreben. Zum Nachweis von Antikörpern ist Serum (gegebenenfalls auch Stuhl für EHEC-Nachweis) an das Referenzlabor zu senden.
Alle EHEC-Isolate sind zur epidemiologischen Charakterisierung an das Referenzlabor zu schicken.
3.2 Screening:
Die Stuhlprobe wird auf Sorbit-MacConkey-Agar (SMAC) oder vergleichbaren Selektivmedien angelegt. Verdächtige Kolonien (z. B. farblose Kolonien bei Verwendung des Sorbit-MacConkey-Agars) müssen auf das Vorliegen des C-Antigens 157 mittels Latexagglutination (z. B. E.-coli-C157- Test von Cxoid) untersucht werden. Bei positiver Reaktion erfolgt eine biochemische Identifikation. Anschließend sollte der Nachweis von Shiga-Toxin erbracht werden (Toxin-Elisa, z. B. Premier EHEC von Meridian).
3.3 Weiterleitung:
Alle EHEC-Erstisolate werden, unabhängig vom Ursprung (menschlich, tierisch, aus der Umwelt etc.), in Reinkultur an das Nationale Referenzlabor in Innsbruck weitergeleitet.
Adresse: Bundesstaatliche bakteriologisch-serologische Untersuchungsanstalt, Schöpfstraße 41, A-6020 Innsbruck.
3.4 Befund:
Der Befund sollte den Hinweis beinhalten, dass EHEC-Infektionen meldepflichtige Erkrankungen sind.
Allerberger, F. et al. (1996) Prevalence and clinical manifestations of Shiga toxin-producing Escherichia coli infections in Austrian children. Eur J Clin Microbiol Infect Dis 15:545-550
Allerberger, F. et al. (1997) Enterohämorrhagische Escherichia coli und hämolytisch-urämisches Syndrom. Wien Klin Wochenschr (1997) 109/17:669-677
Anonymus (1997) EHEC-Infektion-Erkennung, Verhütung, Bekämpfung. Bundesgesundhbl. 6/97
MiQ (2000): Qualitätsstandards in der mikrobiologisch-serologischen Diagnostik; Infektionen des Darmes, Hrsg.: Mauch, Lütticken, Gatermann, Fachgruppe Gastrointestinale Infektionen der DGHM, Urban & Fischer-Verlag, ISBN 3-437-41579-4
Tarr, PI (1995) Escherichia coli 0157:H7 clinical diagnostic and epidemiological aspects of human infection. Clin Infect Dis 20:1-10