RICHTLINIEN FüR DIE DIAGNOSTIK VON SALMONELLEN
1.0 Definition
2.0 Diagnostik von Salmonellen
Literatur
 
NATIONALES REFERENZZENTRUM FÜR SALMONELLEN

NATIONALES REFERENZZENTRUM FÜR SHIGELLEN

an der
Bundesstaatlichen bakteriologisch-serologischen Untersuchungsanstalt
8010 Graz, Beethovenstraße 6
Suppl. Leiter: Dr. Christian Berghold
Tel. 0316/32-16-43-0, Fax 0316/38-84-70
E-Mail: bbsua-graz@sime.com und salmo-graz@sime.com

Die Richtlinien "Diagnostik von Salmonellen", "Diagnostik von Campylobacter jejuni/coli" und "Diagnostik von EHEC" wurden unter Mitarbeit von österreichischen Experten (Dr. G. Feierl/Hygieneinstitut Graz, Prof. F. Allerberger/BBSUA Innsbruck) im Rahmen des Workshops "Stuhldiagnostik" am 25. und 26. Februar 1999 erarbeitet. Stattgefunden hat der Workshop am Nationalen Referenzzentrum für Salmonellen an der Bundesstaatlichen bakteriologisch-serologischen Untersuchungsanstalt in Graz unter der Leitung von Dr. Ch. Berghold.



1.0 Definition
Die Gattung Salmonella gehört in die Familie der Enterobacteriaceae und umfasst die zwei Arten Salmonella bongori und Salmonella enterica. Die letztere wird in sechs Subspezies unterteilt: enterica, arizonae, diarizonae, houtenae, indica, salamae. Die überwiegende Zahl der klinisch relevanten Isolate gehört der Subspezies "Salmonella enterica subsp. enterica" an. Eine weitere Unterteilung erfolgt durch die Bestimmung der Körper- bzw. Geißelantigene. Diese Serovare sind, im Unterschied zu den Serovaren von anderen Gattungen aus der Familie der Enterobacteriaceae, meist mit Eigennamen belegt. Die Namen dieser Serovare beginnen mit einem Großbuchstaben. Es handelt sich hierbei nicht um Speziesbezeichnungen. Bisher sind über 2300 Serovare bekannt, die nach klinisch-epidemiologischen Kriterien in zwei Gruppen unterteilt werden:

1.1 typhöse Serovare

S. Typhi, S. Paratyphi A, B, C

1.2 enteritische Serovare

die meisten anderen Serovare




2.0 Diagnostik von Salmonellen
2.1 Untersuchungsmaterial

2.1.1 Stuhl:
Bei festen Stühlen eine ca. haselnussgroße Probe. Bei flüssigen Stühlen ca. 1-3 ml, bevorzugt sind blutige, schleimige oder eitrige Anteile zu gewinnen.

2.1.1 Rektalabstriche:
nur, wenn Stuhl nicht zu gewinnen ist (Kinder). Der Stieltupfer wird bis hinter den Schließmuskel eingeschoben und mehrmals gedreht. Verschickt werden Rektalabstriche in Transportmedien.

2.1.1 Blut:
in den üblichen Blutkulturmedien

2.1.1 Sonstige Materialien:
wie Liquor, Abstriche, Harne, Operationsmaterialien werden nach den Regeln guter mikrobiologischer Diagnostik entnommen und verschickt.

2.1 Durchführung der Untersuchung

(Stuhl und Rektalabstriche)

2.2.1 Liste von Nährmedien nach Selektivitätsgraden:

Gering (z.B.)
– Endo-Agar
– Mac-Conkey-Agar

Mäßig (z.B):
– Desoxycholat-Citrat-Agar *)
– Salmonella-Shigella-Agar (SS) *)
– Xylose-Lysin-Desoxycholat-Agar (XLD) *)
– Hektoen Enteric Agar *)
– Önöz-Agar *)
– SMID-Agar (nicht als alleiniges Medium der Primärkultur geeignet)
– Rambach-Agar (nicht als alleiniges Medium der Primärkultur geeignet) **)

Hoch (z.B.):
– Wismut-Sulfit-Agar
– Brillantgrün-Phenolrot-Laktose-Saccharose-Agar (BPLS) **)
– Mod. semisolides Rappaport-Vassiliadis-Medium (MSRV) **)
– Xylose-Lysin-Tergitol-4-Agar (XLT 4) **)

2.1.1 Liste von Anreichungsmedien:, z.B
– Selenit-Bouillon
– Tetrathional-Bouillon **)
– Rappaport-Vassiliadis-Bouillon **)

Legende:
*) auch für den Shigellennachweis geeignet
**) nicht für den Nachweis von S. Thyphi


2.2.3 Als Mindestanforderung für das Anlegen von Stuhlkulturen auf Salmonellen wird empfohlen:

1. Primärkultur:
– Zumindest ein Nährmedium mäßiger Selektivität
2. Anreicherungskultur:
– Zumindest ein Anreicherungsmedium (bei Verdacht auf Typhus Selenit-Bouillon)
3. Subkultur aus der Anreicherung:
– Zumindest ein Nährmedium mäßiger oder hoher Selektivität.

2.2.4 Die Abklärung von verdächtigen Kolonien umfasst:

A. Serologie:
– Zumindest polyvalente Sera (auch Wellcolex Colour Salmonella Test) oder MUCAP (Fluoreszenz-Test von Biolife)
B. Bestätigung:
– Bei Erstisolaten sollte eine biochemische Abklärung (z.B. Bunte Reihe, Mehrtestmedien, kommerzielle Systeme: API, Enterotube II, BBL Crystal Rapid, GNI-Vitek etc.) oder eine H-Phasen-Agglutination erfolgen.

2.2.5 Alle Salmonella-Erstisolate werden, unabhängig vom Ursprung (menschlich, tierisch, aus der Umwelt etc.) in Reinkultur an die Österreichische Salmonella-Zentrale in Graz weitergeleitet
Adresse:
Bundesstaatliche bakteriologisch-serologische Untersuchungsanstalt
8010 Graz, Beethovenstraße 6

2.2.6 Antibiogramm
(jedenfals bei S. Thyphi, S. Parathyphi A, B, C)

Für Salmonellen ist ein eigenes Antibiogramm zu verwenden, das nur empfohlene Antibiotika enthält (keine Aminoglykoside und keine Cephalosporine der 1. und 2. Generation).
Der Befund soll einen Hinweis enthalten, dass eine Antibiotikatherapie bei Infektionen durch enteritische Serovare nur unter besonderen Umständen indiziert ist.

2.2.7 Befund

Der Befund soll außerdem den Hinweis beinhalten, dass Salmonellosen meldepflichtige Erkrankungen sind.


Literatur
Dusch Herbert, Diagnostische Bibliothek: Salmonellen, Z. f. Laboratoriums Medizin 44, Dez. 1996

Potuznik/Reissbrodt, Bakteriologische Nährmedien, VEB Gustav-Fischer-Verlag, Jena 1987
Mikrobiologische Diagnostik. Hrsg.: Burkhardt F. Georg-Thieme-Verlag, Stuttgart 1992

Lehrbuch der Medizinischen Mikrobiologie. Hrsg.: Brandis H. et al. Gustav-Fischer-Verlag, Stuttgart, 7. Auflage, 1994

Salmonellosen des Menschen. Hrsg.: Kühn H. und Tschäpe H., RKI Schriften 3/95, MMV Medizin-Verlag München

Kist M., Die bakteriologische Diagnose enteraler Infektionen, DGHM-Verfahrensrichtlinien, Gustav-Fischer-Verlag, Mai 1985

MiQ (1998): Qualitätsstandards in der mikrobiologisch-serologischen Diagnostik; Infektionen des Darmes, Hrsg.: Mauch, Lütticken, Gatermann, Fachgruppe Gastrointestinale Infektionen der DGHM, Gustav-Fischer-Verlag (in Druck)

DIN-Taschenbuch 222: Medizinische Mikrobiologie und Immunologie, 1992, Beuth-Verlag

Patrick R. Murray: Manual of Clinical Microbiology, 6th ed. 1995, ASM Press Washington

Anonymus: Investigation of faeces specimens for bacterial pathogens, B.SOP 30,
Public Health Laboratory Service Board, 1998
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