GLOSSAR EPIDEMIOLOGISCHER BEGRIFFE
 
I



A

Absolutes Risiko (rohe Ziffer)
Maß der Erkrankungs- oder Sterbewahrscheinlichkeit für jedes beliebige Individuum einer Bevölkerung

Ätiologie
Lehre von der Gesamtheit der Faktoren, die zu einer Krankheit führen, nicht nur deren unmittelbare Ursache (siehe auch Kausalität)

Altersspezifische Ziffer (Rate)
Siehe spezifische Ziffer

Altersstandardisierung
Siehe Standardisierung

Analytische Epidemiologie
Teil der Epidemiologie, welcher versucht, durch Hypothesentestung Hinweise auf ursächliche Faktoren zu bekommen

Attributables Risiko
(Bevölkerungszurechenbares Risiko; Risikodifferenz)
Attributales Risiko beschreibt den Anteil von Erkrankungen, welcher mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Exposition in der Bevölkerung zurückzuführen ist und welcher über das Risiko der nichtexponierten Bevölkerung hinausgeht. Wird gewöhnlich ausgedrückt als Differenz zwischen der Inzidenz der Exponierten und derjenigen der nicht Exponierten
AR = IE – IN
Das bevölkerungszurechenbare Risiko beschreibt den Anteil der Krankheit, welcher bei Ausschluss des dafür verantwortlichen Faktors verhindert werden könnte.

B

Bevölkerung (Population, Grundgesamtheit)
1. Alle Einwohner eines Landes oder einer Untereinheit
2. Bei Stichproben: Alle einheiten, aus welchen eine Stichprobe gezogen werden kann; nicht nur Personen, die Einheiten können auch Krankengeschichten oder Ereignisse etc. sein.

Bevölkerungszurechenbares Risiko
Siehe attributables Risiko

Bias
Systematische, unbewusste Verzerrung. Das Wort Bias hat sich im Deutschen auch eingebürgert. Nach Ursprung der Verzerrung werden verschiedene Arten unterschieden, die wichtigsten sind:
– Systematische Verzerrung
– Selektionsbias
– Messverzerrung
– Confounding

Blind-Studie
Klinische Studie, bei welchen der Teilnehmer nicht weiß, welcher randomisierten Studiengruppe er angehört. (Siehe auch Doppelblind, Dreifachblind).

C

Compliance
Maß für die Bereitschaft, eine medizinische Empfehlung oder Anordnung zu befolgen. Analog dazu wird bei Nichtbefolgen medizinischer Ratschläge und Therapien von Non-Compliance gesprochen.

Confounding
Systematische Verzerrung, hervorgerufen durch Zusammenwirken zweier oder mehrerer Faktoren, die auf die untersuchte Beziehung (Exposition und abhängige Variablen) wirken und nicht einzeln berücksichtigt wurden.

D

Demographie
Wissenschaft, die sich mit der Beschreibung der Bevölkerung befasst, besonders mit Einwohnerzahlen, Bevölkerungsdichte, Mortalität, Fertilität, Altersverteilung, Migration etc.

Design
Siehe Studienplan

Deskriptive Epidemiologie)
Befasst sich mit der Beschreibung der Häufigkeit bestimmter Erkrankungen oder Gesundheitsstörungen und deren Verteilung in der Bevölkerung.

Doppelblind-Studie
Randomisierte klinische Studie, bei welchen weder der Teilnehmer, noch der behandelnde Arzt weiß, welcher Studiengruppe der Patient angehört.

Dosis-Wirkungs-Beziehung
Quantitativer Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber einem (Risiko)Faktor(Schadstoff) und dessen epidemiologisch fassbaren Auswirkung (Erkrankungsrisiko und Erkrankungshäufigkeit).

Dreifachblind-Studie
Randomisierte klinische Studie, bei welcher weder der Teilnehmer, noch der behandelndeArzt, noch derjenige, der die Ergebnisse beurteilt weiß, in welche Studiengruppe der Patient gehört.

Drop-out
Studienteilnehmer, die ausfallen oder ausscheiden, meist ein Problem bei Follow-up Studien und randomisierten klinischen Studien.

Drug-Safety-Monitoring
Laufende wissenschaftliche Begleitung und Überwachung eines Medikamentes nach erfolgter Registrierung und Einführung (insbesondere auch zur Erfassung unerwünschter und unbekannter Nebenwirkungen).

Durchseuchungsziffer
Maß für die Häufigkeit einer Infektionskrankheit in einer Bevölkerung

E

Effizienz
Maß für die Wirtschaftlichkeit des Mitteleinsatzes oder Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag. Hohe Effizienz ist dann gegeben, wenn eine bestimmte Leistung mit einem möglichst geringen Aufwand erreicht wird.

Effektivität
Maß für die Wirksamkeit einer Maßnahme (Intervention) oder eines Mitteleinsatzes. Bei der Effektivitätsbestimmung wird festgestellt, wie weit ein vorgegebenes Ziel durch die evaluierte Maßnahme erreicht wird.

Einzugsgebiet
Ein Gebiet (geographisch oder demographisch), aus welchem Probanden für eine Studie rekrutiert werden, aber auch Gebiet, aus welchem die Bevölkerung in ein bestimmtes Spital, ein bestimmtes Zentrum geht oder gehen sollte.

Endemie
Gehäuftes Auftreten einer Krankheit, eines gesundheitsschädigenden Verhaltens oder eines anderen gesundheitsschädigenden Ereignisses in der Bevölkerung eines bestimmten Gebietes. Eine Endemie ist regional begrenzt aber zeitlich unbegrenzt.

Epidemie
(von griechisch Epi = über und demos = Volk)
Gehäuftes Auftreten einer Krankheit oder eines gesundheitsschädigenden Verhaltens, oder eines anderen gesundheitsschädigenden Ereignisses in der Bevölkerung eines bestimmten Gebietes und während einer bestimmten Zeit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Tardivepidemie: zunehmende Zahl von Erkrankungsfällen über einen größeren Zeitraum hinweg
Explosivepidemie: plötzliches Auftreten zahlreicher Fälle

Epidemiologie
Lehre von der Untersuchung der Verteilung von Krankheiten, physiologischen Variablen und sozialen Krankheitsfolgen in menschlichen Bevölkerungsgruppen, sowie der Faktoren, die diese Verteilung beeinflussen (WHO-Definition).

Evaluation
(beinhaltet die Begriffe Effektivität und Effizienz)
Eine Erfolgskontrolle, die versucht, so systematisch und objektiv wie möglich die Relevanz, Wirksamkeit und Auswirkung von Maßnahmen im Lichte ihres Zweckes zu ermitteln und damit Entscheidungshilfen für bessere Planung und Durchführung zu liefern.

Evans Kriterien
Kriterien zur Beurteilung der Kausalität

Experimentelle Epidemiologie
Teil der Epidemiologie, der sich mit der Testung eines experimentellen, kontrollierbaren Faktors (Intervention im Rahmen von randomisierten klinischen Studien oder bevölkerungsbezogenen Interventionsstudien) befasst.

Exposition
Bedingungen, Krankheitsursachen oder Risikofaktoren, welchen bestimmte Personen oder Bevölkerungsgruppen ausgesetzt sind.

F

Fall
In der Epidemiologie eine Person in der Bevölkerung oder der Studiengruppe mit der definierten Krankheit oder Gesundheitsstörung, die untersucht wird.

Fall-Kontroll-Studie
Studie, welche identifizierte Fälle mit möglichst identischen Kontrollen bezüglich Expositionen in der Vergangenheit vergleicht und daraus Hinweise auf Entstehung und Ursachen der Krankheit gewinnen möchte (sie ist immer retrospektiv).

Fehler 1. Art (alpha-Fehler)
Ein statistisch signifikanter Unterschied wird gefunden, obwohl er in Realität in der Bevölkerung nicht vorhanden ist (Rückweisung der Nullhypothese zu Unrecht)

Fehler 2. Art (beta-Fehler)
Kein statistisch signifikanter Unterschied wird gefunden, obwohl in Realität in der Bevölkerung ein solcher Unterschied vorhanden ist (Die Nullhypothese wird zu Unrecht nicht zurückgewiesen).

Fehlerquellen
In der Epidemiologie können verschiedene Arten von Fehlern vorkommen. Eine häufige Fehlerquelle ist die Verzerrung (siehe Bias). Zufällig verteilte Fehler kommen z.B. durch die Streuung beim Messen zustande und resultieren in Fehlern 1. Art und Fehlern 2. Art. Systematische Fehler sind nicht auf Zufall zurückzuführen und können z.B. auf falsch eingestellten Messinstrumenten beruhen.

Feldstudie
Begriff, der manchmal für Studien gebraucht wird, die außerhalb der Kliniken (in Arztpraxen oder in der Bevölkerung) durchgeführt werden.

Fertilität
Allgemeines Maß für die Fruchtbarkeit einer Bevölkerung, ausgedrückt als Fertilitätsziffer (Fruchtbarkeitsziffer) = Zahl der Lebendgeborenen in einem Jahr dividiert durch Zahl der 15 - 44jährigen Frauen derselben Gegend in demselben Jahr x 1.000

Filteruntersuchung (Screening)
Verfahren der sekundären Prävention, welche eine unbekannte Krankheit oder deren Risikofaktoren durch einfache Untersuchung vieler Probanden zu erfassen sucht. Ziel der Filteruntersuchung ist nicht die endgültige Diagnose für das Individuum.

Follow-Up
Ein Verfahren, bei welchem dieselben Probanden über längere Zeit regelmäßig untersucht werden.

Fragebogen
Ein vorbestimmtes, strukturiertes Instrument zur Befragung, welches häufig bei Datensammlungen benützt wird.

Fruchtbarkeit
Siehe Fertilität

G

Gauss'sche Verteilung
Siehe Normalverteilung

Geburtenziffer
Zahl der Geburten in einem Jahr dividiert durch durchschnittliche Bevölkerung im selben Gebiet und Jahr x 1.000

Gesundheitsbefragungen (Health Interview Surveys)
Eine Methode zur Erfassung der wahrgenommenen Gesundheit, Morbidität und Inanspruchnahme medizinischer Dienstleistungen.

Gesundheitserziehung, Gesundheitsförderung
Pädagogische Methoden der gemeindeorientierten primären Prävention

Gesundheitsindikatoren
Maßzahlen zur Erfolgskontrolle gesundheitsfördernder präventiver und kurativer Maßnahmen. Für den internationalen Vergleich definiert die WHO Indikatoren, welche in allen Mitgliedstaaten erfasst werden können.

Grundgesamtheit
Alle Elemente, aus welchen eine Stichprobe gezogen werden können (sieheBevölkerung)

H

Häufigkeit
In der Epidemiologie ein allgemeiner Begriff, der das Vorkommen von Ereignissen, bestimmten Merkmalen aber auch von Krankheit in einer Bevölkerung beschreibt, ohne zwischen Inzidenz und Prävalenz zu unterscheiden.

Hypothese
Vermutete Beziehung zwischen zwei oder mehr Faktoren, welche im Rahmen geeigneter Studien bestätigt oder zurückgewiesen wird.

I

ICD (International Classification of Diseases)
Von der WHO herausgegebene Liste der Krankheiten, Todesursachen und Behinderungen, nach welcher unter anderem Todesursachenstatistiken erstellt werden.

Inanspruchnahme medizinischer Dienstleistungen
In der Epidemiologie ein Maß für die Benützung der Einrichtungen des Gesundheitswesens, nicht unbedingt ein Maß für die Morbidität in der Bevölkerung.

Identifikationsnummer
Eine Zahl, die jeden Probanden oder Patienten in einer Studie identifiziert und die allein auf den Erhebungsformularen erscheint. Die Identifizierung der Person ist nur mit einem unter Verschluss zu haltenden Schlüssel möglich. Wichtig aus Gründen des Datenschutzes.

Infektionsquellen
Jede Infektion geht von einer Infektionsquelle aus. Als primäre Quelle wird der Ort bezeichnet, an dem sich der Erreger aufhält und vermehrt. Sekundäre Quellen sind leblose Gegenstände oder Materialien und auch Drittpersonen, die bei der indirekten Übertragung von der primären Quelle auf Anfällige eine Rolle spielen.

Inkubationszeit
Zeit von Infektion bis zum Auftreten erster Krankheitssymptome

Interventionsstudien
Studien der experimentellen Epidemiologie, die sich durch Testung eines oder mehrerer experimenteller Faktoren (Interventionen) auszeichnet.

Inzidenz (Neuerkrankungsziffer)
Zahl neu auftretender Fälle in einer definierten Bevölkerung pro Zeiteinheit (meist pro Jahr), bezogen auf die gleiche Bevölkerung (meist pro 1.000 oder pro 100.000).

Irrtumswahrscheinlichkeit
Ausgedrückt als p (probability). Sie ist ein Maß für die Wahrscheinlichkeit, dass ein beobachteter Unterschied auf Zufall beruht, d.h. dass die Nullhypothese zutrifft.

K

Kausalität (Ursächlichkeit)
Die Suche nach Krankheitsursachen ist eines der Hauptanliegen der Epidemiologie. Aussagen zur Kausalität unterliegen strengen Kriterien, die von Evans aufgestellt wurden.

Kohorte
Eine Bevölkerungsgruppe, welche durch eine gemeinsame Erfahrung oder Exposition gekennzeichnet ist.

Konsistenz
Eine Eigenschaft von Messungen, bei Wiederholung hohe Übereinstimmung zu zeigen.

Kontrollen
Probanden oder Patienten, welche bei analytischen Studien in möglichst allen Kriterien gleich wie die Fälle oder bei experimentellen Studien wie die Interventionsgruppe sind, bei welchen aber nichts unternommen wird.

Kosten-Nutzen-Analyse
Spezielles Evaluationsverfahren mit monetärer Bewertung.

Kosten-Effektivität
Kosten-Wirksamkeit (heute gebräuchlicher als Kosten-Nutzen)

L

Langzeitstudien
Siehe longitudinale Studien

Lebenserwartung
Durchschnittliche Zahl der Jahre, die ein Individuum eines bestimmten Alters noch zu leben hat, falls die heutige Mortalitätstendenz weiterhin anhält. Eine statistische Abstraktion, die auf existierenden altersspezifischen Sterbeziffern beruht.

Letalität
Verhältnis der Todesfälle an einer Krankheit zur Zahl der Erkrankungsfälle an derselben Krankheit. Maß für die Gefährlichkeit einer Erkrankung.

Longitudinale Studien (Langzeitstudien)
Studien, bei welchen dieselben Parameter in derselben Grundgesamtheit (aber nicht notwendigerweise bei denselben Probanden) wiederholt mit denselben Untersuchungsmethoden erfasst werden.

M

Manifestationsindex
Zahl Erkrankter pro Anzahl Infizierter

Medianwert
Derjenige Wert einer Verteilung, oberhalb und unterhalb dessen gleich viel Einzelwerte liegen (auch Fünfziger Perzentile)

Meldesystem (Meldewesen)
System der Erfassung meldepflichtiger (meist Infektions-)Krankheiten, heute zur Überwachung der Gesundheit auch durch freiwillige Meldung anderer Krankheiten ergänzt (siehe Sentinel).

Messverzerrung
Eine systematische Verzerrung, welche durch z.B. falsch kalibrierte Messinstrumente zustande kommt (siehe Bias).

Migration
Ab- oder Zuwanderung von Bevölkerung aus einem bestimmten Gebiet oder in ein bestimmtes Gebiet.

Mittelwert = x (quer) (Durchschnittswert oder arithmetischer Mittelwert
errechnet sich aus der Summe aller Einzelwerte (xi) dividiert durch die Anzahl der Einzelwerte (n).

Monitoring
Regelmäßige Durchführung und Analyse von Messungen zur Entdeckung von Veränderungen in der Umwelt und im Gesundheitszustand der Bevölkerung (siehe auch Surveillance = Überwachung)

Morbidität
Maß für die Häufigkeit von Krankheit pro Bevölkerungskollektiv (z.B. pro 1.000, 10.000, 100.000) ohne Unterscheidung zwischen Inzidenz und Prävalenz.

Mortalität
Siehe Sterblichkeit

Müttersterblichkeit
Zahl der Schwangerschafts-, Geburts- oder Folgekomplikationen verstorbener Frauen dividiert durch die Zahl der Geburten in demselben Gebiet und Jahr x 100.000

N

Neonatale Mortalität
Todesfälle von Kindern in den ersten 28 Lebenstagen dividiert durch Lebendgeborene in demselben Gebiet und Jahr x 1.000

Neuerkrankungsziffer
Siehe Inzidenz

Normalverteilung (Gauss'sche Verteilung)
Kontinuierliche, symmetrische Verteilung, deren Enden beidseits ins Unendliche reichen, bestimmt durch zwei Parameter: Mittelwert und Standardabweichung. Mittelwert, Medianwert und Gipfelwert sind bei der Normalverteilung gleich.

Die Standardabweichung (SD) ist der Abstand vom Mittelwert zum Wendepunkt der Häufigkeitskurve. Die aufwendige Berechnung
übernimmt heute meist der Rechner.

Normalwerte
Klinische Erfahrungswerte, welche nicht als krankhaft gelten.

Nullhypothese
Hypothese, deren Irrtumswahrscheinlichkeit mit statistischen Tests untersucht wird. Sie besagt, dass beobachtete Unterschiede in den Resultaten von Studien oder Untersuchungen nur durch Zufall zustandegekommen sind.

O

Öffentliche Gesundheit (Public Health)
1. Ein ausdruck für alle öffentlichen Anstrengungen, welche zur Verbesserung, Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit unternommen werden;
2. Eine Kombination aller Kenntnisse, Techniken und Überzeugungen zur Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung durch umwelt- und bevölkerungsbezogene sowie soziale Maßnahmen.

P

p
Siehe Irrtumswahrscheinlichkeit

Pandemie
Epidemie, die sich über sehr große Gebiete (Kontinente, evtl. die ganze Welt) ausbreitet und welche einen großen Teil der Bevölkerung trifft.

Perzentil (pro hundert)
Einteilung von Messungen aufgrund ihrer prozentualen Verteilung. Häufig gebraucht bei Beurteilung von Verteilungen wie Gewicht oder Längenzuwachs von Kindern (z.B. ein Gewicht unter der 5er Perzentile heißt, das Kind weist ein Gewicht auf, welches kleiner ist als dasjenige von 95 % der Kinder seiner Größe oder Altersgruppe.

Perinatale Mortalität
Zahl der ab 28. Schwangerschaftswoche tot geborenen Kinder plus neonatal in den ersten 7 Tagen gestorbenen Kinder dividiert durch Zahl der Geburten (lebend + tot) in demselben Gebiet und Jahr x 1.000

Peer Review
Beurteilung der Qualität ärztlicher und wissenschaftlicher Leistung durch Praktiker oder Spezialisten derselben Fachrichtung.

Personenjahre
Summe der individuellen Zeiteinheiten, die alle an einer Untersuchung oder Studie teilnehmenden Personen insgesamt unter Beobachtung standen.

Population
Siehe Bevölkerung

Prävalenz
Bestand an Fällen einer bestimmten Krankheit zu einem bestimmten Zeitpunkt, bezogen auf die Einwohnerzahl (auch Punkt-Prävalenz genannt). Wird die Zeiteinheit länger gewählt, so kann z.B. über eine Wochenprävalenz gesprochen werden (Periodenprävalenz).

Prädiktion (Vorhersagekraft)
Maß für Voraussage von Ereignissen, z.B. bei einem Screeningtest das Voraussagevermögen in Bezug auf die gesuchte Krankheit.

Prävention
Verhütung von Krankheit, häufig gleichbedeutend mit "primärer Prävention" verwendet. Allgemein ist aber eine Unterteilung in primäre, sekundäre und tertiäre Prävention gebräuchlich.

Präventivmedizin
Der Teil der Medizin, der sich mit allen Formen der (medizinischen) Prävention befasst.

Primäre Prävention
Förderung der Gesundheit und Verhütung von Krankheit durch Beseitigung eines oder mehrerer ursächlicher Faktoren, Erhöhung der Resistenz von Individuen und Veränderung von Umweltfaktoren, die ursächlich oder als Überträger (Vektoren) an der Krankheitsentstehung beteiligt sind.

Prospektive Studien
(besser Langzeitstudien, Longitudinale Studien oder Kohortenstudien)
Personen werden hinsichtlich des Auftretens von Krankheiten oder Risikofaktoren langfristig beobachtet.

Public Health
Siehe Öffentliche Gesundheit

Q

Qualitätssicherung, Qualitätskontrolle
Derjenige Teil der Erfolgskontrolle medizinischen Handelns, der sich auf die Arbeit einzelner Ärzte bzw. klinischer Teams in Praxen und Spitäler bezieht.

R

Randomisierung
Zuordnung nach Zufallsprinzip zu Untersuchungs- oder Kontrollgruppe, in experimentellen oder kontrollierten Studien.

Randomisierte klinische Studie (RKS oder RCT = randomised controlled trials)
Ein sorgfältig geplantes, in Übereinstimmung mit ethischen Richtlinien durchgeführtes Experiment zur Überprüfung von Hypothesen mittels einer Zufallszuteilung der Studienteilnehmer (Probanden) in mindestens zwei Gruppen.

Rate
Siehe Ziffer

Relatives Risiko
Verhältnis der kumulativen Inzidenz exponierter Individuen gegenüber derjenigen nichtexponierter Individuen.

Reliabilität (Zuverlässigkeit)
Maß für die Stabilität einer Messung bei Wiederholung unter denselben Bedingungen. Häufig für die Zuverlässigkeit von Fragebogenresultaten benützt, auch bei Screening-Tests.

Repeatability
Wiederholbarkeit

Repräsentativität
Maß für die Übereinstimmung in den wichtigsten Merkmalen einer Stichprobe mit denen der Bevölkerung, aus welcher sie gezogen wurde.

Retrospektive Studien
Eigenschaften und Erfahrungen der Vergangenheit von Personen mit einer Krankheit werden mit denjenigen anderer, nicht an dieser Krankheit leidenden Personen (Kontrollen) verglichen.

Risiko
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ereigniseintritt, z.B. dass ein Individuum in einer bestimmten Zeitperiode oder einem bestimmten Alter krank wird oder stirbt.

Risikofaktor
Faktor der Person oder Umwelt oder Umstand, dessen Vorhandensein mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einhergeht, eine bestimmte Krankheit oder Gesundheitsstörung zu entwickeln, nicht aber unmittelbare Ursache der Gesundheitsstörungen zu sein braucht.

Rohe Ziffer (unbereinigte Ziffer, absolutes Risiko)
Maß für die Erkrankungs- oder Sterbewahrscheinlichkeit für jedes beliebige Individuum einer Bevölkerung.

S

Säuglingssterblichkeit
Zahl der im ersten Lebensjahr gestorbenen Kinder dividiert durch Zahl der Geburten im selben Jahr und demselben Gebiet x 1.000

Screening
Siehe Filteruntersuchung

Second Opinion
Zweitbeurteilung der Indikation einer medizinischen Maßnahme durch einen unbeteiligten Experten

Sekundäre Prävention
Krankheitsfrüherkennung, zu einem Zeitpunkt, da die Betroffenen noch keine Symptome wahrnehmen, mittels Filteruntersuchungen von bestimmten Zielgruppen.

Selektionsbias
Eine systematische Verzerrung, die durch mangelnde Berücksichtigung einer das Resultat einer Studie beeinflussenden Größe bei der Auswahl der Stichprobe zustande kommt; auch durch systematischen Ausfall bestimmter Personengruppen.

Sensitivität (Empfindlichkeit)
einer Untersuchung ist das Maß für das Vermögen der Untersuchung, wirklich Kranke korrekt zu identifizieren.

Sentinel (wörtlich: die Schildwache)
Ein System, welches mit Hilfe einer motivierten Gruppe praktizierender Ärzte das traditionelle Meldewesen ergänzt.
Beispiel: Diagnostisches Influenza Netzwerk Österreich

Signifikanz
Statistisches Maß für die Irrtumswahrscheinlichkeit, ausgedrückt als p. Im deutschen Sprachgebrauch wird signifikant manchmal für "bedeutend", "deutlich" verwendet - diese Ausdrucksweise sollte in wissenschaftlichen Publikationen vermieden werden.

Sozialmedizin (von lateinisch societas = Gesellschaft)
Gesamtheit der bevölkerungsbezogenen Strategien zur Verhinderung und Bekämpfung von Krankheiten, auch bevölkerungsbezogene Medizin im Gegensatz zur Individuumsmedizin.

Spezifische Ziffern
Ziffern, die sich nur auf bestimmte Untergruppen beziehen, z.B. altersspezifische Mortalitätsziffern. Sie berechnen sich wie folgt:
Alterspezifische Mortalitätsziffer 45 - 64jähriger:
Zahl der Todesfälle der Altersgruppe 45 - 64jähriger in einem Gebiet in einem Jahr dividiert durch Durchschnittliche Bevölkerung (Jahresmittel) 45 - 64jähriger in demselben Gebiet und Jahr x 100.000

Spezifität
einer Untersuchung ist das Maß für das Vermögen der Untersuchung, Gesunde korrekt zu erkennen.

Sporadisches Auftreten
Vereinzeltes Auftreten einer Krankheit (z.B. Infektionskrankheit) ohne zeitlichen und räumlichen Zusammenhang.

Standardabweichung (SD)
errechnet sich als Quadratwurzel aus der Varianz (siehe auch Normalverteilung)

Standardisierung (1)
Methode, um Ziffern, deren Nenner ungleich zusammengesetzt sind, vergleichbar zu machen.
Prizipiell zwei Methoden:
1. Direkte Standardisierung: Der Durchschnitt (z.. nach Alter) spezifischer Ziffern aus zwei oder mehr Bevölkerungen wird entsprechend der Altersverteilung (in Prozent) einer Standardbevölkerung errechnet (Gewichtete Mittelwerte). Damit können Ziffern miteinander verglichen werden.
2. Indirekte Methode: Wird benutzt, um zwei Bevölkerungen zu vergleichen, deren eine besonders schwankende oder besonders hohe Ziffern hat. Erfahrungsziffern der Standardbevölkerung werden auf die Studienbevölkerung extrapoliert. Das Ergebnis ist eine Reihe "erwarteter Ziffern", Der Vergleich der beobachten mit den erwarteten Ziffern wird als Verhältnis oder Ratio dargestellt. Besonders bekannt sind die SMR (Standardisized Mortality Ratios), welche das Verhältnis zwischen der Zahl der beobachteten zur Zahl der in dieser Bevölkerung zu erwartenden Todesfälle darstellen, wenn die spezifischen Ziffern der Standardbevölkerung auf die Studienbevölkerung zutreffen würden.

Standardisierung (2)
Vereinheitlichung der Methoden einer Untersuchung

Sterblichkeit = Mortalität
In einer Bevölkerung gestorbene Personen, bezogen auf diese Bevölkerung.
Ausgedrückt als rohe Sterbeziffer = Zahl der in einem Jahr gestorbenen Einwohner eines Gebietes dividiert durch die durchschnittliche Bevölkerung in demselben Gebiet und Jahr x 1.000

Stichprobe
Auswahl von Probanden mittels eines (meist zufälligen) Verfahrens, d.h. jeder Proband hat eine bestimmte, vorher definierte Chance, in die Stichprobe aufgenommen zu werden. Ziel ist, ein repräsentatives Abbild der Bevölkerrung zu erhalten.

Sterbeziffer
Siehe Sterblichkeit

Studienplan
Anlage einer Studie, die der Fragestellung soweit wie möglich gerecht werden sollte. Sollte vor Beginn jeder Studie schriftlich festgelegt werden.

Surveillance (Überwachung)
Methoden zur Überwachung im Gesundheitssystem durch Meldepflicht und ähnliche Aktivitäten (z.B. Sentinel-Projekte).

T

Trend (Tendenz)
1. Eine Langzeitveränderung in einer Datenfolge, z.B. in einer Zeitserie, welche in eine bestimmte Richtung geht
2. Das Wort Trend wird auch benützt, wenn Zusammenhänge zwischen verschiedenen Stichproben oder Einzelgruppen von Daten gefunden werden, welche in eine bestimmte Richtung weisen, aber nicht statistisch signifikant sind.

Todesursachenstatistik
Gemäß ICD-Code der WHO zu meldende Ursachen der Todesfälle, wichtiges Instrument der deskriptiven Epidemiologie.

U

Übertragbare Krankheiten
Krankheiten, welche durch einen bestimmten infektiösen Erreger oder durch das toxische Produkt dieses Erregers zustande kommen und zwar durch Übertragung des Erregers oder dessen Produktes von einer infizierten Person, einem Tier oder einem Reservoir auf einen Wirt.

Überschussmortalität(-morbidität) (Exzessmortalität)
manchmal für erhöhtes Sterbe- oder Erkrankungsrisiko einer Bevölkerungsgruppe gebraucht. Siehe auch relatives Risiko und attributables Risiko.

V

Validität
Das Maß, in welchem eine Messmethode das misst, was sie zu messen beabsichtigt.

Validierung
Ein Prozess, in welchem die Validität einer Methode bestimmt wird. Interne Validierung vergleicht die Methode in sich selbst z.B. bei Fragebogen mit Kontrollfragen innerhalb desselben Pobanden. Externe Validierung vergleicht eine Methode mit einer anderen, z.B. Fragebogenerfassung einer Krankheit mit ärztlichen Diagnosen nach Untersuchung.

Vergleich
Aussagen in der Epidemiologie beruhen auf Vergleichen. Dabei ist zu beachten, dass das, was verglichen wird, wirklich vergleichbar ist. Bei Vergleichen von Ziffern z.B. müssen die Nenner vergleichbare Zusammensetzungen haben (siehe Standardisierung).

Vergleichsgruppe (Kontrollgruppe)
Eine Untersuchungsgruppe, welche in allen wesentlichen Faktoren mit der Hauptuntersuchungsgruppe (Fallgruppe) übereinstimmt, sich daher von ihr nur durch einen kontrollierten, in der Studie untersuchten Einfluss oder Faktor unterscheidet.

Verzerrung (Bias)
Effekt, welcher in jeder Stufe einer Untersuchung einen systematischen Fehler einführen kann. (Häufige Verzerrungsquellen sind: Selektionsverzerrung, Messverzerrung, "Confounding").

W

Wahrscheinlichkeit
Grundlage der klassischen Statistik. p (Probability, Irrtumswahrscheinlichkeit) steht für die Wahrscheinlichkeit der Rückweisung der Nullhypothese.

Wirksamkeit
Siehe Effektivität

Wirtschaftlichkeit
Siehe Effizienz

Z

Zeit-Serien
Daten, die über längere Zeit anfallen (z.B. Mortalitäts-Daten) und für welche ein spezielles statistisches Prozedere zur Analyse notwendig ist (Zeit-Serien-Analysen).

Ziffer (Rate)
Die Ziffer ist ein Bruch, in welchem die Zeit eine wesentliche Rolle spielt und eine klare Beziehung zwischen Zähler und Nenner besteht. Der Nenner kann eine gemessene Größe sein (Liter pro Tag, Zentimeter pro Jahr) oder eine gezählte Größe (Spitaleinweisungen pro Jahr). Zusätzliche Größen können sowohl im Zähler wie im Nenner eingeführt werden. Meist haben die Ziffern folgende Form: Ereignisse auf tausend Einwohner in einer Gegend pro Jahr.

Zufallsauswahl
Jedes Individuum einer Bevölkerung hat eine genau definierte Wahrscheinlichkeit, in die Stichprobe aufgenommen zu werden.
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