PRäVENTION
Grundbegriffe der Prävention
Primäre Prävention
Sekundäre Prävention
Tertiäre Prävention
 
Grundbegriffe der Prävention
Unter Prävention versteht man alle medizinischen und sozialen Anstrengungen, die Gesundheit zu fördern (health promotion) und Krankheit und Unfälle sowie deren Folgen zu verhüten.

Nach einem Vorschlag der "Commission on Chronic Illness" von 1955 wird zwischen primärer, sekundärer und tertiärer Prävention unterschieden. Der Begriff Prävention umfasst also auch Maßnahmen, die das Fortschreiten einer Krankheit verhindern oder verlangsamen bzw. Rezidive (z.B. Reinfektion) verhindern sollen.
Primäre Prävention
Unter primärer Prävention versteht man die Förderung der Gesundheit und die Verhütung von Krankheit durch Beseitigung eines oder mehrerer ursächlicher Faktoren, Erhöhung der Resistenz von Individuen und Veränderung von Umweltfaktoren, die ursächlich oder als Überträger an der Krankheitsentstehung beteiligt sind.

Die möglichen Maßnahmen im Bereich der primären Prävention sind vielfältig und können unspezifisch oder spezifisch sein.

Unspezifische Maßnahmen sind solche, die die Gesundheit des Einzelnen und der Bevölkerung fördern, ohne dass man versucht damit gezielt bestimmte Krankheiten zu verhindern. Zu diesen unspezifischen Maßnahmen gehören gute Ernährung, sauberes Wasser, adäquate Kleidung und Wohnung, Umweltschutzmaßnahen, Hygienemaßnahmen etc.

Spezifische Maßnahmen im Bereich der Infektionen sind z.B. die Impfungen. Manche Maßnahmen, wie z.B. die Einschränkung des Rauchens und des Alkoholkonsums können zu den spezifischen Maßnahmen gerechnet werden, auch wenn diese Änderung der Verhaltensweisen weit mehr als nur eine Krankheitsgruppe beeinflusst.
Aber auch die allgemeine Verbesserung der Hygiene, Ernährung und Lebensverhältnisse kann sich spezifisch präventiv auf manche Krankheiten auswirken (z.B. Tuberkulose).
Sekundäre Prävention
(Krankheitsfrüherkennung, Screening, Filteruntersuchungen)

Unter sekundärer Prävention versteht man Krankheitsfrüherkennung. Es geht darum, Krankheiten in der präklinischen Phase, wenn subjektiv noch keine Beschwerden (Symptome) wahrgenommen werden, mit bestimmten Untersuchungsverfahren aufzufinden.

Dabei geht man davon aus, dass bei einer Krankheit, die im Frühstadium entdeckt wird, bessere Behandlungsaussichten bestehen. Zur früherkennung bedient man sich sogenannter Filteruntersuchungen. Die Begriffe Screening und Filteruntersuchung werden synonym gebraucht. Der bei uns eingebürgerte Begriff Vorsorgeuntersuchung ist daher nicht ganz korrekt, da es sich ja nicht um primäre, sondern um sekundäre Prävention handelt.

Screening bedeutet die Untersuchung großer Bevölkerungsgruppen mit relativ einfachen Methoden, welche die Entdeckung von Personen erlauben, die eine bestimmte Krankheit haben, ohne davon zu wissen und ohne charakteristische Symptome zu zeigen (im Infektionsbereich z.B. AIDS, Tuberkulose).

Ziel der Filteruntersuchung ist nicht die endgültige Diagnose, sondern das Auffinden von Personen, bei denen der Verdacht groß ist, dass sie an der betreffenden Krankheit leiden.

Schon 1968 haben Wilson und Jungner in ihrer WHO-Schrift "Principles and Practice of Screening for Disease" zehn Punkte genannt, die bei Filteruntersuchungen beachtet werden müssen:

1. Filteruntersuchungen sollten nur für wichtige Krankheiten durchgeführt werden

2. Für die entdeckten Fälle, d.h. die Patienten, muss die Möglichkeit der effektiven Behandlung bestehen.

3. Möglichkeiten für weitere diagnostische Abklärung und Behandlung müssen vorhanden sein.

4. Es muss ein erkennbares Frühstadium der betreffenden Krankheit geben.

5. Es muss ein adäquater Test oder ein adäquates Untersuchungsverfahren zur Verfügung stehen.

6. Der Test sollte für die Bevölkerung akzeptabel sein.

7. Der natürliche Verlauf der Krankheit, d.h. die Entwicklung vom latenten zum manifesten Stadium, sollte hinreichend bekannt sein.

8. Es muss Übereinkunft bestehen, wer als Patient behandelt werden soll.

9. Die Kosten für die Filteruntersuchung sollen in Beziehung zu den insgesamt für die medizinische Versorgung aufgewandten Kosten gesetzt werden.

10. Filteruntersuchungen sollten ein kontinuierlicher Prozess sein und keine "einmal und nie wieder" Aktion.

Kriterien für die Bewertung von Filteruntersuchungen:

Reliabilität
Unter Reliabilität versteht man den Grad der Zuverlässigkeit, mit dem ein Test ein bestimmtes Merkmal misst. Hohe Reliabilität ist eine notwendige, allein jedoch nicht ausreichende Voraussetzung für die Qualität eines Screenings.

Validität
Validität bezeichnet das Maß an Übereinstimmung zwischen dem Test und dem, was er zu messen vorgibt.

Sensitivität und Spezifität
Unter Sensitivität (Empfindlichkeit) eines Tests versteht man sein Vermögen, Kranke in einer Bevölkerung auch wirklich zu identifizieren.
Unter Spezifität versteht man seine Eigenschaft, die Gesunden korrekterweise auch als gesund einzuordnen.

Prädiktion
Die Prädiktion eines Tests ist sein Voraussagevermögen in bezug auf die gesuchte Krankheit. Dieses hängt jedoch sehr stark von der Prävalenz der Krankheit in der gesuchten Bevölkerung ab (Prävalenz = Bestand an Fällen einer bestimmten Krankheit zu einem bestimmten Zeitpunkt, bezogen auf die Einwohnerzahl (auch Punkt-Prävalenz genannt). Wird die Zeiteinheit länger gewählt, so kann z.B. über eine Wochenprävalenz gesprochen werden (Periodenprävalenz).
Diese Beziehung zwischen Prävalenz und Prädiktion ist von großer praktischer Bedeutung, denn viele Screening-Tests werden zuerst an Krankenhauspopulationen angewandt, die meist eine hohe Prävalenz der zu untersuchenden Krankheit aufweisen. Bevor eine Entscheidung zur Einführung einer Filteruntersuchung auf Bevölkerungsebene getroffen wird, sollte man deshalb eine Vorstellung von der Prävalenz der zu untersuchenden Krankheit und dem prädiktiven Wert des entsprechenden Filtertests haben.

Ertrag
Unter dem Ertrag einer Filteruntersuchung versteht man die Zahl der neu entdeckten Fälle, die als Resultat des Screening einer Behandlung zugeführt werden können.

Tertiäre Prävention
Die tertiäre Prävention hat die Aufgabe, bei eingetretener Krankheit ein Fortschreiten bzw. eine Rezidivbildung zu verhüten. Die tertiäre Prävention fällt in den Bereich der Rehabilitation und der kurativen Medizin (z.B. Perioperative Antibiotika-Prophylaxe).
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